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Kinderschutzbeauftragte

Auftrag Aufpassen

20.11.2009 | 16:37 Uhr

Jutta Kuhn wurde zur Kinderschutzbeauftragten ausgebildet und erzählt warum und was nun ihre Aufgaben sind.

Da kommt ein Kind ständig mit blauen Flecken in den Kindergarten. Ein anderes hat im Winter nur eine Sommerjacke an. Wann sollen die Erzieherinnen eingreifen, wann ist das Wohl des Kindes gefährdet? Bei Entscheidungen wie diesen sollen künftig Kinderschutzbeauftragte helfen. Eine von ihnen ist Jutta Kuhn.

„Einen Schutzauftrag für Kinder hat natürlich jede Kita längst, auch die Zusammenarbeit mit dem Jugendamt klappte bislang”, weiß die Leiterin der katholischen Kindertageseinrichtungen St. Peter und Herz-Jesu aus Erfahrung. Doch mittlerweile sei der Schutzauftrag der Kinder- und Jugendhilfe per Gesetz weiter verstärkt worden.

Vier Frauen ausgebildet

Folge: „Auch der Zweckverband der katholischen Kindertageseinrichtungen entschied sich, spezielle Weiterbildungen zur Kinderschutzfachkraft anzubieten.” 50 Einrichtungsleiter hätten das im Bistum Essen inzwischen auch getan. „Damit ist der Zweckverband zurzeit der Träger mit den meisten ausgebildeten Kinderschutzfachkräften.” In Oberhausen seien im ersten Kursus vier ausgebildet worden.

„Unsere Aufgabe ist es vor allem zuzuhören und zu beraten”, führt Jutta Kuhn aus. „Die Erzieherin selbst ist natürlich in erster Linie diejenige, die auf Auffälligkeiten achtet.” Habe die den Verdacht, dass etwas nicht stimmt, bespreche sie den jeweiligen Fall zunächst mit der Leiterin der Einrichtung. Verstärkt sich dabei der Eindruck, werde die Schutzbeauftragte eingeschaltet – dabei werde natürlich immer die Anonymität gewahrt. „Bei uns wird Datenschutz ernst genommen.”

Anzeichen körperlicher Gewalt

Ein Fragebogen hilft, die Situation einzuschätzen: Wie ist das äußere Erscheinungsbild des Kindes? Gibt es Selbstverletzungen, Anzeichen körperlicher Gewalt? Wie verhält es sich im Umgang mit anderen Kindern? Hat es sich in letzter Zeit verändert? Hat es ständig Hunger oder Durst? Wie sehen die Haare aus, die Kleidung? Fehlt es häufig unentschuldigt? Wird es abends alleine gelassen? Wie ist die Familiensituation? Ergebe sich anhand dieses Fragenkataloges ein erhöhtes Gefährdungsrisiko, werde das Jugendamt eingeschaltet.

„Natürlich gehören die Eltern mit ins Boot – wir wollen ja mit ihnen zusammenarbeiten, nicht gegen sie”, betont Jutta Kuhn. Und genau dies sei dringender denn je. „Wir haben den Eindruck, dass die Erziehungskompetenz abnimmt, weil viele Eltern einfach durch zu viele unterschiedliche Informationen verunsichert sind”, sagt Jutta Kuhn. Was früher galt, habe heute keinen Bestand mehr. „Die Erziehungsmethoden haben sich gravierend verändert, die Familienstrukturen lösen sich auf – da gibt es kaum noch Rückhalt für Eltern.”

Dazu komme: „Viele Kinder sind durch das Fernsehen beeinflusst, zeigen ein Konsumverhalten, das zu Konflikten führt, besonders, wenn das Geld eh schon knapp ist”, sagt Jutta Kuhn. Als Schutzbeauftragte hilft die Kita-Leiterin bei der Erstellung eines Hilfeplanes für die Eltern. Da könnten auch Kurse sinnvoll sein: „Als Familienzentrum bieten wir eine Ernährungsberatung, Bewegungsangebote, aber auch Erziehungskurse an.”

Zweimal das Jugendamt eingeschaltet

Nur zweimal in ihrer 20-jährigen Berufszeit musste Jutta Kuhn sofort das Jugendamt einschalten. „Gerade die schwerwiegenderen Fälle benötigen dann aber oft eine jahrelange Begleitung.” Denn: „Da kommt es vor, dass sechs Monate alles glatt läuft und plötzlich gibt es doch wieder eine Verschlechterung.” Ein besonderes Problem stelle der Übergang zur Schule dar. „Im Kindergarten haben wir eine familienähnliche Situation, die Kinder schlafen und essen hier”, so Jutta Kuhn. Der Kontakt zu den Eltern sei sehr intensiv. „Wir sehen uns ja täglich.” In der Schule stünde der Bildungsauftrag im Vordergrund. Natürlich hätten die Lehrer dabei auch das Wohl der Kinder im Blick. „Was bislang aber noch fehlt, ist eine intensive Vernetzung zwischen Kita, Schule und Stadt.”

Barbara Hoynacki

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