Aufklärung
02.09.2008 | 18:45 Uhr 2008-09-02T18:45:00+0200Seit 20 Jahren gehört die Sexualpädagogik zum Angebot der Pro Familia Beratungsstelle. Urwald angeblicher Möglichkeiten und leicht zugängliche Pornografie stellen das Team vor neue Herausforderungen.
Vor 20 Jahren wurde das Angebot der Pro Familia Beratungsstelle um den Fachbereich Sexualpädagogik erweitert. Anlass zu prüfen, ob sich die Arbeit im Laufe von zwei Jahrzehnten verändert hat. Seit 15 Jahren ist der Sozialpädagoge Andreas Müller, seit Juni auch Leiter der Beratungsstelle, der zuständige Ansprechpartner im Team, vor allem wenn es darum geht, Männer und Jungen zu beraten und aufzuklären. „Die Themen Aids und Verhütung stehen nicht mehr so im Mittelpunkt wie 1988”, sagt er. Dass Kondome schützen, vor Aids, Geschlechtskrankheiten und ungewollter Schwangerschaft, sei bei den Jugendlichen angekommen. „Dass es heute auch kleinere Kondome gibt, hat mit unserer Arbeit zu tun”, ist der Sexualpädagoge überzeugt. „Die Akzeptanz ist größer geworden, es gibt sie in allen Größen, sensitiv, hauchdünn, tailliert, aromatisiert, in verschiedenen Farben.” „Das Verhalten der Jugendlichen ist um Klassen besser als das der Erwachsenen, wenn es um die konsequente Anwendung von Verhütungsmitteln geht”, ergänzt die Ärztin Christine Gathmann. Dies bestätige eine Studie der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung. Dennoch sei die Aufgabe der Sexualpädagogik, Jugendlichen und auch Erwachsenen Orientierung zu bieten und sie in ihrem Selbstbewusstsein zu stärken, mehr denn je eine Herausforderung. Die übers Internet und Privatsender verbreitete Jugendlichen zugängliche Pornografie führe zu verrückten Ideen. „Sie bekommen jede Menge Informationen und können nicht mehr unterscheiden, was echt ist und was nicht”, erklärt Müller. „Mädchen interessieren sich deutlich weniger für Pornografie, aber auch sie haben abstruse Vorstellungen, zum Beispiel über Geschlechtskrankheiten”, so Christine Gathmann. In einem „Urwald angeblicher Möglichkeiten den eigenen Weg zu finden”, so Andreas Müller, sei heute viel schwerer als früher. Durch die Zusammenarbeit mit Schulen erreicht die sexualpädagogische Aufklärung bis zu 1000 Schüler im Jahr. „Wir führen 50 bis 60 Veranstaltungen durch”, so Müller, „am liebsten hier bei uns in der Beratungsstelle. Dann lernen die Jugendlichen unsere Angebote kennen.” Mit den Jungen arbeitet Müller selbst, die Mädchengruppen übernehmen Kolleginnen. Ganz wichtig: die absolute Schweigepflicht und dass Lehrer draußen bleiben müssen. Auch Erwachsene haben sexuellen Aufklärungsbedarf und durch Medien forcierte Erwartungen, die unglücklich machen. „Viagra funktioniert nicht ohne Lust”, nennt Christine Gathmann etwas, was Mann wissen sollte. „Und dass es zum Beispiel jenseits der 40 völlig normal ist, wenn ein Mann einmal eine Erektionsschwäche hat.”

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