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Theater

Auf Sauerstoff

07.02.2010 | 19:49 Uhr
Auf Sauerstoff

Regisseur Michael Masberg setzt die verrückte Suche junger Leute nach dem Sinn des Lebens rasant in Szene.

„Wenn du einmal auf Sauerstoff bist, nützt dir kein Geld, keine Medizin, nicht einmal der Tod, den Durst nach Freiheit zu löschen, von dem du befallen wirst!” Auf Sauerstoff ist Alex aus der Provinz, als er seine Frau mit dem Spaten tötet, weil er Alex, die Rothaarige aus der Großstadt, zu lieben glaubt. Diese Geschichte wird in Michael Masbergs Inszenierung von „Sauerstoff”, dem Stück des russischen Dramatikers Iwan Wyrypajew, allerdings nur erzählt. Ein Er (Caspar Kaeser) und eine Sie (Angela Falkenhan) reden, die an einem mit reichlich Flaschen gedeckten Holztisch sitzend, um lebenstaugliche Wahrheiten ringen.

In Weiß geschminkt

Die Stichworte liefert – eine geniale Idee – anders als in der Originalfassung die dritte Person (Gabriela Ryffel), die, in Weiß gekleidet und geschminkt, an als Statuen verkleidete Studenten erinnert, die man im Sommer häufig in den Citys der Großstädte trifft: Du sollst nicht töten, ehebrechen, schwärmen, wenn jemand dir auf die Wange schlägt, halte ihm die andere auch noch hin... Einwürfe, die ihn und sie zu einer Redeschlacht animieren, deren Rhythmus Gitarrenspiel (Alessandro Marra) unterstreicht. Sauerstoff steht als Metapher für alles, was fehlt. Es geht um Liebe, Lust, den Sinn des Lebens, Wahrheitsfindung, Utopie und Realität. Wir hören scheinbar Widersinniges, viele verrückte Assoziationen, erleben, wie zwei Menschen aneinander vorbei reden, sich abwechselnd der Lüge bezichtigen. Es ist ein Schlagabtausch, der dramatisch endet: Die Verwandlung der Lamentierenden in Alex und Alex wird dem Zuschauer eindrucksvoll vorgeführt. Fortan regiert eine Weile die Kommunikation, er verrät ihr ein sexuelles Problem: Es gelingt ihm nicht, in Fahrt zu kommen, wenn er es mit einer Frau treibt, die er nicht liebt. Er schläft ein. Und sie? „Für Frauen ist es immer besser sich vorzustellen, er ist impotent, als dass er sie nicht liebt.”

Schließlich geht's dann noch ums Verdrängen. Wie kann jemand bestraft werden, wenn er sich an seine Tat nicht erinnert? Dieser Aspekt kommt sehr witzig rüber, denn er und sie mutieren zu Marionetten. Folgerichtig, denn: Hatte man nicht zu Beginn versprochen, dass aus dem, wo wir am Anfang standen, am Ende noch alles mögliche werden könnte? Was ist die Hauptsache, was die Erkenntnis? Dass Liebende zum eigenen Nutzen lieben, oder man Walkman nur für sich allein hört? Warum lohnt es sich, dieses Stück zu sehen, das uns, sollten wir auch nur einen logischen Gedanken entdecken, auffordert, lieber ins Ballett zu gehen? Antwort: Es macht Spaß, es zu sehen. Es ist rasant, füllt die kleine Bühne prächtig, dank gelungener Ausstattung ( Stefanie Dellmann) und Dramaturgie (Tilmann Raabke). Angela Falkenhan und Caspar Kaeser glaubt man die Jugend- Suchenden, Ungeduld, Hitzigkeit, Aufbegehren, Gabriela Ryffels Schrei geht durch Mark und Bein – sie kann auch singen. Es ist ein ungewöhnlich schnelles Zuschauererlebnis, dass keine Zeit lässt, Luft zu holen und uns nach knapp einer Stunde wieder entlässt.

Gudrun Mattern

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