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Auf Deutsch heißt das Gott sei Dank

12.09.2012 | 14:00 Uhr
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Auf Deutsch heißt das Gott sei Dank
Islamunterricht an der Brüder-Grimm-Schule in Oberhausen.Foto: Ulla Emig

Oberhausen. In der Mitte des Klassenraumes liegen auf einer Decke Koranausgaben, Gebetsketten aus Holzperlen, Bilder von der berühmten Blauen Moschee, Gebetsteppiche. 19 Kinder sitzen im Stuhlkreis darum herum, sie oder ihre Eltern stammen aus Mazedonien, der Türkei, Syrien, Bosnien, dem Irak oder Libanon.

Was die Schüler der dritten und vierten Klasse der Brüder-Grimm-Schule eint: Sie alle sind islamischen Glaubens und gehören zu den ersten Schülern in Nordrhein-Westfalen, die am neuen, regulären Schulfach Islamunterricht teilnehmen. Zwar gibt es schon seit 1999 die Islamkunde an NRW-Schulen, aber anders als das nun eingeführte Fach soll sie religiös neutral sein und nur über den Islam informieren. Der Islamunterricht dagegen ist bekenntnisorientiert, analog dem katholischen oder evangelischen Religionsunterricht.

Deutsch ist Unterrichtssprache

„Salem aleikum“: Grundschullehrerin Fereba Seleman hat ihre Schüler zu Anfang der Stunde mit diesem islamischen Gruß willkommen geheißen. „Friede sei mit dir“, übersetzt die 39-Jährige die Formel. Überhaupt: Fereba Selemann nennt zwar die religiösen Begriffe in arabischer Sprache, liefert aber auch die deutsche Übersetzung mit und generell ist Deutsch die Unterrichtssprache in diesem Fach.

Die Lehrerin möchte an diesem Montag in der sechsten Stunde über die Dinge sprechen, die da auf der Decke liegen. „Wir haben fünf Stück davon zu Hause“, sagt Hafssa aufgeregt, hüpft von ihrem Stuhl hoch und zeigt auf den Teppich. „Was ist das denn“, fragt Fereba Seleman. „Ein Gebetsteppich“, rufen Aldina, Dilan und ein paar andere rein. „Ihr sollt euch melden!“, mahnt Frau Seleman, bestätigt dann „ja, richtig“ und stellt ein Kärtchen mit der Bezeichnung daneben.

Noch keine regulären Lehrpläne

Ervin dagegen weiß, dass die Gebetskette 33 Perlen hat. „Was macht man damit?“, will Fereba Seleman wissen. „Mein Vater sagt immer ‘Alhamdulillah’ wenn er die Kette in Händen hält“, murmelt einer. „Genau“, sagt die Lehrerin, „auf Deutsch heißt das ‘Gott sei Dank’. Die Gebetskette ist dafür da, Gott, Allah zu lobpreisen und ihm zu danken.“ Seleman lässt die Kinder aufzählen, wofür sie Allah danken könnten: „Weil wir leben.“ „Weil wir etwas zu essen haben.“ „Weil wir Anziehsachen haben.“ „Weil wir die Welt haben.“

Mit der heißen Nadel
Mit der heißen Nadel

Das Anliegen ist nur zu begrüßen. Muslimische Kinder sollen genauso wie christliche Jungen und Mädchen im Religionsunterricht werteorientiert mehr über ihren Glauben erfahren dürfen.

Die Umsetzung in NRW wirkt jedoch wie mit der heißen Nadel gestrickt. Da das Fachstudium erst anläuft, werden Lehrer ohne theologische Ausbildung in einem Wochenendseminar zu Religionslehrern geschult. Zudem geht die Landesregierung über die im Vorfeld geäußerten verfassungsrechtlichen Bedenken hinweg.

Beirat ist lediglich eine Behelfslösung

Für einen islamischen Religionsunterricht fehlt schlicht eine einheitliche islamische Religionsgemeinschaft, um die Unterrichtsinhalte abzustimmen. Der Beirat ist eine Notlösung mit Sitz im Ministerium. Das Land als Theologe. Das verbietet das Grundgesetz.

Ob dieses Provisorium tatsächlich nur bis 2019 gilt, wird sich zeigen. Bis bis dahin sollen sich die islamischen Verbände auf eine gemeinsame Ausrichtung geeinigt haben. Es wäre wünschenswert. (Gregor Boldt)

Auf reguläre Lehrpläne kann sich Fereba Seleman bei ihrem Unterricht noch nicht stützen. Aber es gibt, wenn auch wenig, Lehrmaterial und Bücher von Schulbuchverlagen. Zwischenmenschliche Beziehungen, Gemeinschaft, die Schöpfung, die Prophetengeschichten, der Koran, all dies wird Thema in den zwei Wochenstunden sein. „Es gibt so viele Sachen, religiöse Rituale, bei denen die Kinder aber nicht wissen, was dahinter steht, darüber möchte ich mit ihnen reden“, sagt die Grundschullehrerin. Andere Religionen seien außerdem ein wichtiger Bestandteil des Unterrichts. Um mit Angehörigen anderen Glaubens ins Gespräch kommen zu können, müsse man die anderen Vorstellungen kennen lernen, so Seleman. „Es geht darum, andere Religionen wertzuschätzen, das hat uns unser Prophet vorgelebt.“

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