Auf der Zielgeraden
11.08.2009 | 18:50 Uhr 2009-08-11T18:50:00+0200Christian Grundke hat es fast geschafft: In sechs Wochen stehen die Abschlussprüfungen bei der Feuerwehr an
Noch gut sechs Wochen, dann hat Christian Grundke die Ausbildung zum Brandmeister bei der Oberhausener Feuerwehr hinter sich gebracht – wenn denn alles gut geht. Die Prüfungen, die im September anstehen, „sind nicht ohne”, weiß der 23-Jährige, den die NRZ seit 17 Monaten durch seine Ausbildung begleitet.
Beim letzten Besuch hatte Christian Grundke gerade damit begonnen, 24-Stunden-Schichten auf der Wache zu verbringen. Am Donnerstag macht er nun die letzte.
"Ich kenne es ja nicht anders"
24 Stunden auf der Wache – alles halb so wild, findet der gelernte Gas- und Wasserinstallateur. „Ich kenne es ja nicht anders.” Sein Vater ist auch bei der Feuerwehr. Wie es ist, wenn jemand Schichtdienst hat, kennt der Königshardter daher noch aus dem Elternhaus.
Außerdem haben die angehenden Brandmeister ihre langen Schichten genutzt, um die notwendigen LKW-Führerscheine der Klasse C (Fahrzeuge ab 3,5 Tonnen) und CE (inklusive Anhänger) zu machen.
„Da fänd' ich es schon mit dem Auto eng”
„Da waren schon brenzlige Sachen dabei. Die haben uns nichts geschenkt”, erzählt Grundke von Fahrten durch Straßen, zum Beispiel im Uhlandviertel, „da fänd' ich es schon mit dem Auto eng”, oder von Touren auf den Serpentinen im Sauerland.
Am meisten Probleme aber hätten ihm die Rangierfahrten mit den Anhängern bereitet, gibt der 23-Jährige zu. Die Führerscheinprüfungen hat er dann aber mit Bravour bestanden. Nur außerhalb des Hofes war Grundke seitdem nicht wieder mit einem Feuerwehrwagen unterwegs. Bei Einsätzen darf er die Fahrzeuge noch nicht fahren.
„Ich will nichts anderes machen”
Dafür fehlen dem angehenden Brandmeister bislang die Lehrgänge für Maschinisten, „so heißen die Fahrer”. Schließlich müsse man wissen, „wie man richtig an ein Haus heranfährt”. Nämlich so, dass sich die Leiter noch ausfahren lässt, zum Beispiel. Bei den Maschinisten-Lehrgängen lernen die Feuerwehrleute aber auch, wie sie die Ausrüstung ihrer Wagen bedienen, wie also die Pumpen im Löschwagen funktionieren oder wie sich die Leiter beim Einsatz ausfahren lässt.
Einsätze gibt es für die Wehr momentan eher wenige, berichtet Grundke. „Es ist insgesamt sehr ruhig.” Wenn es nicht geregnet hat. „Da konnte man die Uhr nach stellen”, erzählt der 23-Jährige von den starken Regenfällen der vergangenen Wochen. Wenige Minuten nach den Schauern standen die Telefone der Einsatzzentrale nicht mehr still, die Männer rückten aus „zum Keller auspumpen und Bäume von der Straße holen.”
„Klassische Feuer sterben aus”
Die Ausbildung der Brandmeisteranwärter dauert 18 Monate.
Mit Christian Grundke haben 13 weitere junge Männer ihre Ausbildung bei der Berufsfeuerwehr begonnen. Wie er haben sie in dieser Zeit drei Stationen durchlaufen: Die Grundausbildung, die Rettungssanitäterausbildung und zuletzt die „Ausbildung für Sonderfunktionen”.
Und das ist immer noch der Traumjob? „Ja. Ich will nichts anderes mehr machen”, antwortet Grundke und ist mit den Gedanken längst bei den Prüfungen, die im September anstehen. Zwei schriftliche, eine mündliche und eine praktische werden es sein. Geprüft werden die Brandmeisteranwärter zum Beispiel in Rettungskunde, im Bereich der Feuerwehrdienstvorschriften oder in ihrem Wissen über die Löschwasserversorgung.
Ein Problem sollte das für Christian Grundke aber nicht werden. Ebenso wenig wie die praktische Prüfung, bei der beispielsweise ein Zimmerbrand zu löschen sein könnte. Es wäre einer der ganz wenigen Brandeinsätze in der Ausbildung. „Klassische Feuer sterben aus.” Zum Glück.

0mitdiskutieren