Auf der Suche nach Sehnsucht
01.03.2010 | 19:51 Uhr 2010-03-01T19:51:00+0100
Wer Visionen habe, solle zum Arzt gehen, riet einst der Politiker Helmut Schmidt. Aber hilft ein Arztbesuch auch, wenn man unter Sehnsucht leidet? In der neuen Ebertbad-Eigenproduktion jedenfalls schickt Regisseurin Gerburg Jahnke erstmal drei Damen zum Frauenarzt.
Das ist aber längst nicht die Endstation von „Sehnsucht“, denn Jahnke wäre nicht Jahnke, wäre nicht schon der Auftakt des Projekts mit allerlei pointiertem Witz und einer gehörigen Portion Charme gespickt. So birgt allein die Besetzung („Alles meine Wunschkinder“, so die Regisseurin) ein hohes Seh-Sucht-Potenzial: Die Sängerin Constanze Jung aus Karlsruhe wird sich erstmals als Schauspielerin entpuppen, die Italo-Alstadenerin Carmela De Feo streift ihre „La Signora“-Figur-betonenden Klamotten vom Leib und Ex-Missfits-Partnerin Stephanie Überall gibt gar ihre selbstgewählte Bühnen-Abstinenz auf.
Angenehmer Schmerz
Drei Mal Rolle vorwärts in eine neue Rolle also, und das ist noch nicht alles: Die drei Damen treffen beim Frauenarzt auf die 17-Jährige flotte PTA-Azubi(e)ne Chayenne – dargestellt von Nito Torres. Auf den wartet damit nach dem schwulen Guido in „Ganz oder gar nicht“, der süßen Peggy von der Hühnerfarm in „Kalte Colts“ und einem privaten Fulltime-Job als Ernährer von vier sehr hungrigen Mädchen eine neue großartige weibliche Aufgabe.
Klingt alles erstmal nach ziemlich viel Frauen-Power, und klingen soll’s auch: Es werde „in erster Linie ein Liederabend“, sagt Jahnke, um sich später darüber zu ärgern, dass es kein passendes Genre gibt, denn ein Liederabend ist ihr schlichtweg zu langweilig. Sie wolle den Zuschauern das Gefühl geben, gut unterhalten worden zu sein, „aber auch diesen angenehmen Schmerz gespürt zu haben.“
Schlager aus der Herz-, Schmerz- und wohl auch der Scherz-Schatulle dürfen da ebensowenig fehlen wie peppige Popsongs, die die Damen unter musikalischer Leitung von Many Miketta und der tänzerischen von Sandor Pergel neu interpretieren werden. Auf die verschwenderische Ausstattung einer Revue wolle man dabei verzichten und auf die Slapstick-Momente des Boulevards. „Wir wollen auch kein Theaterstück machen“, sagt Jahnke, „aber wir sind Theatertiere.“
Was das heißt, haben die ersten gemeinsamen Improvisationen gezeigt: „Jede Person kommt mit einer Geschichte.“ Da ist die Frau, die nicht weiß, ob sie das beim „Abschiedsverkehr“ gezeugte Kind bekommen will und die Business-Lady, die glaubt, sie bedürfe der Restauration. Da ist die resolut-reife Frau, die ihre Sehnsüchte erst noch suchen muss, und der Teenie, der sie noch alle hat. „Und im zweiten Teil werden wir die Frauen auf eine Reise schicken“, sagt Jahnke, und ergänzt, dass sie „alle nicht ankommen werden. Denn der Sinn der Sehnsucht ist, dass sie sich nicht erfüllt.“
Wer sich jetzt schon nach „Sehnsucht“ sehnt, muss sich in Geduld üben: Premiere ist am 3. September im Ebertbad. Der Arzt hilft in diesem Falle wohl nicht, aber es gibt ein Rezept: Karten kaufen, denn das ist jetzt schon möglich.

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