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Auch zur Weihnachtszeit

21.12.2007 | 19:10 Uhr

Häusliche Gewalt gehört zum Polizeialltag. Im Durchschnitt 30 Fälle im Monat. Es geschieht oft immer wieder in denselben Wohnungen. Alkohol spielt eine wesentliche Rolle. Viele sehr junge Frauen betroffen

Weihnachten, ein Fest der Hiebe? Gerade zu den besinnlichen Tagen stauen sich in vielen Familien Aggressionen auf, die sich teilweise auch gewaltsam entladen. Sagen Psychologen. Wir haben bei der Polizei nachgefragt.

Die gute Nachricht vorweg: In unserer Stadt stellen die Ermittler keinen Anstieg des Deliktes fest, das sie unter "häusliche Gewalt" zusammenfassen. Herbert Lenhart, 1. Kriminalhauptkommissar und Leiter des Kriminalkommissariats 11: "Die Fallzahl liegt im Durchschnitt bei etwa 30 pro Monat. In diesem Jahr ist sie sogar gesunken." Das sei auch ein Verdienst des Interventionskonzeptes, bei dem Polizei, Frauenberatungsstelle und Weißer Ring für die Betreuung der Opfer sorgen.

Dennoch: Häusliche Gewalt gehört für die Polizei zum Alltag. Lenhart: "Wir kommen oft immer wieder in dieselben Familien. Manchmal bis zu sechs Mal, bevor sich die Partner trennen." In der Regel, so der Ermittler, spiele Alkohol eine wesentliche Rolle bei häuslicher Gewalt: "Zumeist sind es die Männer, die angetrunken sind, dann eifersüchtig reagieren. Es fängt mit Beschimpfungen an, dann fliegen Gegenstände und zum Schluss kommt die körperliche Gewalt. Manchmal setzen sich die Frauen kratzend und beißend zur Wehr." Lenhart warnt: "Frauen machen oft den Fehler, dass sie mit ihren alkoholisierten Männern das Streitthema diskutieren wollen. Das geht gar nicht!"

Wie aber kommt es, dass die Polizei immer wieder zu denselben Familien gerufen wird? "Viele Frauen beschreiben ihre Männer als herzensgut, wenn die nicht getrunken haben", berichtet Lenhart, "dann sind sie immer wieder bereit, ihnen noch eine Chance zu geben." Nicht zu unterschätzen sei auch die wirtschaftliche Abhängigkeit vom Mann. "Und wenn Kinder da sind, trennen sich Frauen auch schwerer." Wenn der Sachbearbeiter des KK 11 aber zum sechsten Mal in der selben Familie auftauchen muss, "dann ist das schon frustrierend".

Die Erfahrung zeige, dass häusliche Gewalt in Oberhausen schwerpunktmäßig in sozial schwachen Haushalten geschieht, so der Beamte: "Das sieht man am verhängten Zwangsgeld. 250 Euro bei einfacher, 500 bei normaler und 1000 bei gehobener Wohnsituation. An letzteres kann ich mich nicht erinnern. Die klare Mehrzahl liegt bei 250 Euro."

Es könnte daran liegen, dass gebildete Frauen eher mit entsprechenden Maßnahmen drohen, weil sie einfach besser über die Möglichkeiten informiert sind, vermutet Lenhart. Gerade in jüngster Zeit aber wundere er sich, "wie viele ganz junge Frauen sich von ihren ebenfalls jungen Ehemännern verprügeln lassen". Eine Erklärung dafür könnten womöglich die Familiengeschichten der Täter und Opfer sein.

Dass sich der Umgang mit häuslicher Gewalt in den letzten Jahren verändert hat, begrüßt Lenhart: "Inzwischen gibt es Gesetze, die Gerichte sind mit im Boot. Es wird in jedem Fall eine Strafanzeige geschrieben. Und es gibt Betreuungsnetze für die Opfer vor allem auch für die Kinder, denn immer wird das Jugendamt eingeschaltet, wenn Kinder in den betroffenen Familien sind." Im Grundsatz gilt: Wer schlägt, geht! Auch, wenn im Vorfeld das Opfer alles getan hat, um den Täter zu provozieren. Auch solche Fälle hat Lenhart erlebt. Nicht nur zur Weihnachtszeit.

Von Astrid Knümann

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