Auch private Bäume sollten geschützt werden

Vor wenigen Tagen hat die Stadt mit stolzgeschwellter Brust ein neues Leuchtturmprojekt in Sachen Klimaschutz vorgestellt: Eine ganze Siedlung wird mit Solarenergie und Erdwärmepumpen umweltfreundlich gestaltet. Energiesparen schont das Klima, die Rechnung geht auf. Gewaltig verrechnen könnte sich aber die regierende Koalition aus SPD, FDP und Grünen mit dem Vorstoß, private Bäume nicht länger schützen zu wollen. SPD, Grüne und FDP wollen Bürger von der Pflicht befreien, fürs Fällen privater Bäume einen Antrag stellen zu müssen. Jeder Privatmann könnte gesunde Bäume mit einem Stammumfang von mehr als 80 Zentimetern fällen, ohne sich vorab von einem Fachmann beraten zu lassen. Eine Idee, die sicher nicht unpopulär ist, weil sie Bürokratie abbaut und deshalb durchaus Stimmen bei der Oberbürgermeister-Wahl einbringen könnte. Gut fürs Stadtklima ist der noch ausstehende Ratsbeschluss aber nicht.

Bäume sind wichtig für die Umwelt, ob sie nun vor oder hinter dem Gartenzaun stehen. Sie spenden Schatten, binden Feinstäube, filtern Giftstoffe aus der Luft und sind wichtige Sauerstoffproduzenten. Und sie bieten Nistplätze für heimische Vögel, die es im Stadtgebiet eh schwer haben. Im Kern gilt: Je größer, dichter und dicker ein Baum ist, desto besser ist er fürs Klima.

Die Baumsatzung schützt die dickeren Bäume; sie verbietet auch heute nicht das Fällen, sondern sieht lediglich vor, dass Bürger sich zuerst beraten lassen, eine Fällung begründen und dann einen Ersatzbaum pflanzen bzw. die Stadt dafür bezahlen. 2013 haben rund 1000 Menschen eine solche Beratung im Rathaus bekommen. Nur halb so viele Fällanträge kamen zustande. Fällt die Genehmigungspflicht weg, entfällt auch die wichtige Beratung.

Eigentum verpflichtet nicht nur. Sein Gebrauch soll laut Grundgesetz auch dem Wohle der Allgemeinheit dienen. Private Bäume dienen dem Stadtklima. Sie sollten geschützt bleiben.