Auch in Oberhausen sind Frauen bei der Vorsorge mutiger

Dr. Klaus Becker (links), Dr. Rainer Schmidt und Dr. Alice Jaczek beantworteten die Fragen der Leser bei der gestrigen Telefonaktion zur Krebsvorsorge der WAZ.
Dr. Klaus Becker (links), Dr. Rainer Schmidt und Dr. Alice Jaczek beantworteten die Fragen der Leser bei der gestrigen Telefonaktion zur Krebsvorsorge der WAZ.
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Ärzte des Oberhausener St.-Clemens-Hospitals betonen, wie wichtig Prävention bei Krebs ist. Am Telefon der WAZ-Redaktion standen sie Rede und Antwort.

Oberhausen.. Wie wichtig Vorsorge ist, betonten gestern bei der WAZ-Telefonaktion die Spezialisten des Krebszentrums der Klinik für Innere Medizin am St.-Clemens-Hospital Sterkrade. Chefarzt Dr. Klaus Becker, Oberärztin Dr. Alice Jaczek und Oberarzt Dr. Rainer Schmidt beantworteten die Frage der Leser rund um Magen- und Darmkrebs. Die interessantesten Fragen und Antworten gibt es im Überblick.

Ab wann sollten Menschen regelmäßig zur Vorsorgeuntersuchung gehen?

Empfohlen sind Vorsorgeuntersuchung ab dem 55 Lebensjahr. Der Mediziner Klaus Becker spricht hier allerdings von einer „Krankenkassenzahl“. Was er damit meint ist, dass ab diesem Alter die Kassen die Untersuchungskosten übernehmen. Er selbst würde eher dazu raten, schon mit 45 Jahren Vorsorge zu betreiben. Werden Polypen entdeckt, dann muss der Patient die Untersuchung alle drei Jahre wiederholen. Stellen die Ärzte nichts Auffälliges fest, dann liegt der Zeitraum bis zum nächsten Arztbesuch bei zehn Jahren. Dr. Rainer Schmidt merkt aber an, dass auch für junge Menschen eine Untersuchung durchaus von Vorteil ist. „Das kann gegeben sein, wenn eine familiäre Belastung vorhanden ist“, sagt auch Dr. Alice Jaczek. So liegt es nahe, wenn in der Eltern- und Großelterngenration schon Krebs aufgetreten ist, früh mit der Vorsorge zu beginnen. Die jüngsten Patienten der drei Ärzte mit Magen- oder Darmkrebs waren unter 30 Jahren alt.

Was bemerken Patienten von einer Darmspiegelung?

Chefarzt Dr. Klaus Becker macht immer wieder die Erfahrung, dass sich die Menschen vor einer Darmspiegelung fürchten. „Sie müssen heute aber vor keiner Spiegelung Angst haben“, betont der erfahrene Mediziner. Der Patient ist bei der Untersuchung unter Schlafbetäubung und bekommt nichts mit. „Der Patient atmet dabei selber und hängt an keinerlei Geräten“, so Dr. Klaus Becker. Trotzdem nutzen derzeit nur 15 bis 17 Prozent der Menschen die Option einer Vorsorgeuntersuchung. „Viele kommen erst zu uns, wenn es schon Komplikationen gibt“, sagt Dr. Becker. Bei der Vorsorge macht er oft die Erfahrung, dass Frauen mutiger sind, als die Männer. „Wenn Paare vor mir sitzen, dann wird beim Thema Vorsorge immer die Frau vorgeschickt“, sagt er. Aber auch wenn die Angst vor der Darmspiegelung grundsätzlich unbegründet ist, angenehm ist sie dadurch längst nicht. Gerade die Vorbereitung auf die Untersuchung, erklärt Oberarzt Dr. Rainer Schmidt, hat ihre Tücken. Die Patienten müssen vorher mehrere Liter Flüssigkeit und Abführmittel trinken, damit der Darm gesäubert ist. „Das ist vor allem für ältere Menschen sehr anstrengend“, sagt er. Dass die Darmspieglung aber die beste Methode ist, um einer Krebserkrankung vorzubeugen, darin sind sich die Mediziner aber einig.

Ist bei einem Zwerchfellbruch eine Operation notwendig?

„Nein“, sagt Dr. Klaus Becker. „Ein Zwerchfellbruch muss in der Regel nicht operiert werden.“ Das dadurch verursachte Sodbrennen sollte allerdings sehr wohl mit Medikamenten behandelt werden. Die Beschwerden ignorieren sollte man in keinem Fall. Denn: Durch das Sodbrennen erhöht sich das Krebsrisiko. Ein Zwerchfellbruch tritt häufig im Alter auf, wenn das Bindegewebe nachlässt.

Gallensteinen müssen nicht immer entfernt werden: Wann ist eine Operation nötig?

Gallensteine ohne Beschwerden müssen nicht entfernt werden, sagen die Spezialisten. Keine Beschwerden lägen in 80 Prozent der Fälle vor. „Das Risiko der Operation übersteigt das Risiko der Gallensteine“, erklärt Chefarzt Becker. Erst wenn Schmerzen beispielsweise im rechten Oberbauch auftreten, dann ist es sinnvoll, sich unter das Messer zu legen. Das trifft aber nur auf jeden fünften Patienten mit Gallensteinen zu. Das Krebsrisiko ist allerdings zu vernachlässigen. „Es ist sehr gering“, so Becker.

Wie kann dem Magen- und Darmkrebs vorgebeugt werden?

Dickdarmkrebs wird unter anderem durch rotes Fleisch verursacht. Aber auch Diabetes begünstigt ihn. Die Wahrscheinlichkeit für Magen-, Speiseröhren- und Bauchspeicheldrüsenkrebs steigt hingegen durch die Genussmittel Alkohol und Tabak. Bei der Speiseröhre kommt noch zu heißes Essen hinzu, wenn es regelmäßig verzehrt wird.