Attacken zum Fremdschämen

Dass die politische Auseinandersetzung durchaus auch einmal mit deutlicheren Worten geführt werden kann – manchmal vielleicht sogar geführt werden muss – liegt in der Natur der Sache. Bei Fragen des Gemeinwohls kann und soll es durchaus unterschiedliche Ansichten und Meinungen geben. Doch in welcher Form sich einzelne Ampel-Politiker und Vertreter der Opposition in der Ratssitzung am Montag aufgeführt haben, das führte beim unbeteiligten Zuhörer nur zu einem Ergebnis: Fremdscham!

Hans-Otto Runkler markierte mit seiner Attacke in Richtung des Bürgerbündnis einen Tiefpunkt der Diskussionskultur. Der Vorwurf, BOB würde allein Stimmen aus dem rechten Milieu erhalten, ging unter die Gürtellinie. Dabei leitete er seine Ausführungen zuvor noch mit nachvollziehbaren Punkten ein, die auch von seiner Parteikollegin Regina Boos unterstützt wurden. Man dürfe nicht allein auf die Bürger hören, die am lautesten schreien, lautete zuvor seine Kernaussage. Doch wurde diese wahre Einschätzung durch seinen Ausfall überstrahlt.

Nicht nur Hans-Otto Runkler hat über das Ziel hinausgeschossen. BOB-Fraktionschef Karl-Heinz Mellis äußerte in fast jedem Beitrag reflexartig sein tiefstes Misstrauen gegenüber der Stadtverwaltung. Polemische Zwischenrufe aus fast allen Reihen passten ins Bild.

Was am Ende des Tages auf der Strecke blieb, war das eigentliche Thema: die Bürgerbeteiligung.