Arbeitssicherheit wird vernachlässigt

Marc Schmitz (2.v.r.) hat seine beiden Firmen zertifizieren lassen. Horst Hülsermann (r.) und Manfred Schlütter (2.v.l.)
Marc Schmitz (2.v.r.) hat seine beiden Firmen zertifizieren lassen. Horst Hülsermann (r.) und Manfred Schlütter (2.v.l.)
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Viele Unternehmen in der Baubranche messen der Sicherheit ihrer Beschäftigten kaum Beachtung zu. Die Berufsgenossenschaft wirbt für Verbesserungen.

Oberhausen.. Viele Unternehmen in der Baubranche scheren sich zu wenig um die Sicherheit ihrer Beschäftigten – nach Ansicht der Berufsgenossenschaft Bau (BG Bau) wird zu oft das Thema Arbeitssicherheit klein geschrieben. „Viele Betriebe haben Angst vor den Dokumentationspflichten“, berichtet Manfred Schlütter, Aufsichtsperson der BG Bau im Bezirk Essen-Oberhausen. Gerade im Dachdeckerhandwerk gebe es einen bedeutenden Anteil dieser schwarzen Schafe. Dabei würden in der Industrie die Auftraggeber bei den Ausschreibungen immer größeren Wert auf die Einhaltung bestimmter Standards legen. Dies kann Barbara Pezzei, die Geschäftsführerin der Kreishandwerkerschaft Mülheim-Oberhausen, bestätigen. „Arbeitssicherheit ist in jedem Fall ein großes Thema.“

Doch gerade durch die Pflicht, eine genaue Dokumentation anzufertigen, sei dies eine sehr zeitintensive Angelegenheit. „Teilweise gibt es recht absurde Vorschriften. Man muss sich etwa von einem Auszubildenden schriftlich bestätigen lassen, dass er eine Leiter besteigen kann“, so Pezzei. Dennoch würden viele Betriebe, die in einer der hiesigen Handwerksinnungen organisiert sind, sich in diesem Bereich engagieren. „Das merkt man auf den Innungsversammlungen, wie viele Nachfragen zu dem Thema kommen.“

Nachholbedarf in vielen Branchen

In einigen Branchen, so bei den Fliesenlegern, sieht Pezzei Nachholbedarf. „Der Meisterzwang ist weggefallen, viele Ein-Mann-Unternehmen haben sich gegründet.“ Da würde die Arbeitssicherheit unter Umständen auf der Strecke bleiben.

Marc Schmitz, Geschäftsführer der Firmen Schmitz Bedachung-Zimmerei GmbH und Stauch Bau GmbH, nimmt das Thema jedoch ernst. „Auf einige Werksgelände wird man gar nicht mehr drauf gelassen, wenn bestimmte Zertifizierungen fehlen.“ Darum stand für Schmitz fest, dass er für seine 80 Beschäftigten in den beiden Firmen aktiv werden will.

Kunden müssen Druck ausüben

Horst Hülsermann, Fachkraft für Arbeitssicherheit, hat die Mitarbeiter geschult. Es gab Unterweisungen, aber auch Begehungen auf den Baustellen. „Wir müssen bei diesem Thema immer noch dicke Bretter bohren“, so Hülsermann. Für viele Unternehmen sei Arbeitssicherheit vor allem mit Bürokratie verbunden. „Es geht jedoch darum, Unfälle am Arbeitsplatz zu vermeiden“, so Manfred Schlütter. „Eine hundertprozentige Sicherheit kann es nicht geben, aber man sollte alles unternehmen, so nah wie möglich dort heran zu kommen.“

Für Barbara Pezzei kommt vor allem den Auftraggebern eine besondere Rolle zu. „Die Kunden dürfen nicht nur auf den Preis bei einem Kostenvoranschlag gucken.“ Ein deutlich billigeres Angebot könnte nämlich auch darauf hindeuten, dass Sicherungsmaßnahmen vernachlässigt werden.