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„Arbeiter werden für ihren Fleiß nicht belohnt“

18.02.2010 | 10:00 Uhr
„Arbeiter werden für ihren Fleiß nicht belohnt“

Oberhausen.„Nicht nur Hartz-IV-Empfänger müssen rechnen - und Arbeiter werden für ihren Fleiß nicht belohnt“, sagt Claudia Janßen. Dies gelte auch für ihre Familie. Denn das Einkommen ist trotz Job nur etwa 100 Euro höher als die Unterstützung durch die Allgemeinheit.

Was viele denken, hat Claudia Janßen der Redaktion geschrieben: „Nicht nur Hartz-IV-Empfänger müssen rechnen und Arbeiter werden für ihren Fleiß nicht belohnt!“ Dies gelte auch für ihre Familie. Denn, obwohl der Vater, Jürgen Janßen, der als Betriebsschlosser bei der Ruhrkohle AG in Marl beschäftigt ist, oft auch an Wochenenden arbeitet, liegt das Einkommen der sechsköpfigen Familie im Schnitt nur 100 Euro höher, als würde sie auf Kosten der Allgemeinheit leben. „Man sollte Kurse für ein preiswertes Leben geben“, schlägt Claudia Janßen  vor und ist gern bereit, einen Einblick ins sparsame Haushalten zu geben.

Es wird gespart

Regel Nummer eins: Geld, das übrig ist, wird gespart, „damit man sich nicht daran gewöhnt“ – oder um sich mal etwas Besonderes leisten zu können. Dazu zählen die Klassenfahrt des Sohnes Sascha (16), Ausflüge, der Campingurlaub, der bei Ebay ersteigerte Schrank für Sonja (11), ein Kirmesbesuch, die Kommunion. „Vieles weiß man lange vorher, kann also das Geld ansparen“, sagt Claudia Janßen.

Die 500 Euro Miete, die die Familie einschließlich Nebenkosten für die Zechenhauswohnung in Osterfeld zahlt, übernähme, erhielten Janßens Hartz IV, Vater Staat. „Den Strom, etwa 270 Euro im Monat, müssten wir ja auch selbst bezahlen. Doch von der GEZ-Gebühr könnten wir uns befreien lassen, die Kosten fürs Auto entfielen, für eine Klassenfahrt brauchte ich nur einen Antrag auszufüllen“, zählt die 43-Jährige auf, was anders wäre, würden Janßens Hilfe zum Lebensunterhalt bekommen. Hat der Ehemann denn jemals geäußert, dass sich Arbeit für ihn nicht lohnt? „Dafür ist er nicht der Typ. Außerdem kann man das doch den Kindern nicht vorleben!“  Claudia Janßen reagiert empört.

Eintopf für zwei Tage

„Richtig kochen und haushalten“, schlägt sie stattdessen vor. Möhrengemüse-Eintopf zum Beispiel koste, für zwei Tage zubereitet, für die Familie 6,97 Euro. Dagegen sind 2,30 Euro für das Mittagessen in der Gesamtschule Osterfeld vergleichsweise viel für eine Person. Zumal Sonja lieber zu Hause isst: „Es ist alles lecker, was Mama kocht!“

Nichts auf Kredit kaufen, Fastfood vermeiden, Preise vergleichen, Ausgaben aufschreiben, sich nach gebrauchter Kinderkleidung umsehen oder selber nähen, den Kindern ein Brot, Obst und ein Getränk mit zur Schule geben – solche Spartipps führen zum Erfolg: „643,70 Euro waren unsere Gesamtkosten im Januar für Essen, Getränke, Fahrgeld, Flöten und  Kleinigkeiten, es können auch schon mal 800 sein“, verrät der Blick ins Haushalts-Buch. Das gibt’s bei der Sparkasse kostenlos.

Luxus gibt’s bei Janßens nicht, die Jüngeren schlafen in einem Zimmer, Sascha verdient sein Taschengeld selbst. Doch auf Freizeitspaß muss niemand verzichten. „Eine Jahresmitgliedschaft in der DLRG kostet nur 60 Euro.“ Um auf Hartz IV zurückzukommen: „Für Ein- oder Zwei-Personen-Haushalte ist es schwerer als für uns, zurecht zu kommen“, gibt die Spar-Expertin zu. „Und ich find’s auch ungerecht, dass, wenn jemand mit 50 arbeitslos wird und immer eingezahlt hat, nicht anders behandelt wird als Leute, die nie gearbeitet haben.“

Gudrun Mattern

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