Das aktuelle Wetter Oberhausen 14°C
Wirtschaft

Anti-Preis für dreiste Arbeitgeber geht an Schlecker

01.10.2009 | 13:39 Uhr

Oberhausen. Erstmalig verleiht ein Oberhausener Kuratorium einen „Anti-Preis für besonders dreiste Arbeitgeber”. Der erste Empfänger ist Anton Schlecker, Chef der gleichnamigen Drogeriemarktkette. Dort, so die Begründung, herrschten Lohndumping und gezielte Misswirtschaft.

Schicker, größer, kundenfreundlicher sollen die neuen XL-Märkte der Drogeriekette Schlecker sein. Tarifflucht und Lohndumping sieht Verdi hingegen als Hauptgrund für das Konzept. Erstmals hat deshalb ein Oberhausener Kuratorium aus DGB-Gewerkschaften, Kirchen und Attac die „Goldene Nase” verliehen – an Anton Schlecker. Dieser „Anti-Preis für besonders dreiste Arbeitgeber oder Dienststellen” soll jährlich vergeben werden.

Bei Schlecker werden der Gewerkschaft Verdi zufolge die Mitarbeiter der alten Filialen entlassen und dann zum Teil zu deutlich schlechteren Konditionen in den neuen Märkten wieder angestellt, so Gewerkschaftssekretär Günter Wolf. Auch in Oberhausen könnte bald ein XL-Markt entstehen. Mitarbeiter berichteten, dass Pachtverträge von Filialen auslaufen und nicht verlängert werden. Gleichzeitig soll Schlecker in Sterkrade auf der Suche nach einer Fläche für einen XL-Markt sein.

Im Bezirk Oberhausen, wozu Teile von Mülheim und Duisburg gehören, gibt es 34 Schlecker-Filialen. Betriebsrätin Ulli Ottensbacher mutmaßt, dass die alten Filialen gezielt heruntergewirtschaftet werden, damit sie hoch gesteckte Umsatzvorgaben nicht schaffen: „Wenn es Angebote gibt oder besonders beliebte Produkte, bekommen wir die vom Lager nur wenig bis gar nicht geliefert.” Mit dieser Strategie könne man die Filialen dann leicht schließen. Zudem dürften seit Januar keine Überstunden mehr gemacht werden oder nur zu einem geringeren Stundensatz. Ottensbacher: „Die wollen uns loswerden.” Zwölf der etwa 130 Mitarbeiter im Bezirk seien bereits entlassen worden, die meisten von ihnen klagen.

Kritik an Schlecker

Etwa 30 Schlecker-Beschäftigte aus Oberhausen, Hamm, Unna und Lünen fuhren am Mittwoch in Begleitung von Wolf und Pfarrer Andreas Loos zum Schlecker-Regionalbüro nach Dortmund, um die „Goldene Nase” zu verleihen. Angenommen wurde der Preis natürlich nicht. Man hätte sich „regelrecht versteckt”, berichtete Wolf. Bei Protestaktionen wollen Verdi und der Schlecker-Betriebsrat es aller Voraussicht nach nicht belassen. Man sei „überaus kampfbereit”, so Wolf.

Bei Schlecker selbst war am Mittwoch niemand für eine Stellungnahme zu erreichen.

Lohndumping mit Tarifen aus „Gefälligkeit”

 „Ein nicht angreifbarer Trick” sorgt laut Verdi-Gewerkschaftssekretär Günter Wolf dafür, dass Schlecker in den neuen XL-Märkten Löhne von etwa 6,50 Euro statt der bisherigen 12,93 Euro pro Stunde zahlen kann. Schlecker schließe alte Filialen, das Personal werde dann teilweise in den neuen Märkten angestellt, allerdings ohne Mitbestimmung und regulären Tarif.

Die Zeitarbeitsfirma Meniar stelle die Leute befristet und meist als Geringfügige ein und verleihe sie an die neuen Märkte, mit niedrigeren Löhnen, einer Arbeitszeit von 42 statt 37,5 Stunden und einem Urlaub von nur vier Wochen. Dafür sorgten christliche Gewerkschaften mit einem „Gefälligkeitstarifvertrag”. Ein solches Vorgehen habe schon bei den Briefzustellern funktioniert. „Schlecker verdient sich auf die Art und Weise eine goldene Nase auf Kosten der Arbeitnehmer”, betont Goldene-Nase-Juror Klaus Waschulowski.

Geraldine Lakermann

Facebook
 
Kommentare
07.10.2009
11:32
Blockierter Kommentar.
von miriam.lessmann | #29

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

04.10.2009
16:33
Anti-Preis für dreiste Arbeitgeber geht an Schlecker
von niedrigwasser | #28

Vorwürfe gegen Christliche Gewerkschaften im Zusammenhang mit Schlecker sind hundsgemeiner Schwachsinn! Schlecker könnte ebenso einen DGB Tarif anwenden, das käme auf das Gleiche heraus!
Hier wird ein Falschinformation verbreitet, welche darauf zielt, eine C - Gewerkschaft habe mit Schlecker einen Vertrag geschlossen. Das ist falsch und gelogen. Schlecker hat mit einer Zeitarbeitsfirma einen Vertrag gemacht und dabei ist es unerheblich, ob diese Zeitarbeitsfirma mit einem DGB oder einem C- Gewerkschaftstarif arbeitet, denn beide unterscheiden sich kaum.

04.10.2009
16:33
Blockierter Kommentar.
von miriam.lessmann | #27

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

03.10.2009
10:56
Anti-Preis für dreiste Arbeitgeber geht an Schlecker
von Holländer | #26

Wenn Schlecker in Deutschland dicht macht gibt es ca. 25000 Arbeitslose mehr !

Wie gut Verdi wirtschaften kann zeigt doch gerade das Beispiel Karstadt-Quelle - ein mitbestimmter Konzern.
Die Gewerkschaft saß mit im aufsichtsrat u. hat den Betrieb mit in die Pleite gewirtschaftet, alles schön paritätisch !
Da gehen schnell mal 10ooode Arbeitsplätze verloren, bei so kompetenter Betreuung!
Schlecker ist sich kein Vorbild, aber auch kein Dämon.
Er wird, wenn er kompetentes Personal haben will, schon die Löhne erhöhen.
Rewe, die supermarktkette hat auch Zeitarbeitnehmer, die nur 6 Eu pro Stunde verdienen.
U. wer hat den ganzen Minijobkäse u. die entfesselte Zeitarbeit ohne Lohnuntergrenze gemacht = Gasgerd von der spd.
Schlecker kann jederzeit hier dicht machen, er hat noch über 4000 Auslandsfilialen u. den Internetshop, das bringt 4 Milliarden Umsatz u. guten Gewinn, aber dann keine Steuern mehr in Deutschland, arme irrlichternde Verdianer !

02.10.2009
11:39
Anti-Preis für dreiste Arbeitgeber geht an Schlecker
von nie88 | #25

Unternehmer, die ihr Geschäftsmodell auf Lohnzuschuss der Steuerzahler aufbauen gehören enteignet!

01.10.2009
22:18
Anti-Preis für dreiste Arbeitgeber geht an Schlecker
von glaubenix | #24

Ist damit der Anfang gemacht.
Leute meidet doch einfach solche Arbeitgeber.
Der Anton lacht sich seit Jahren schlapp, weil die Leute dennoch kommen.
Es gibt doch auch dm,Rossmann, sowie weitere, in HH ist da Budni ganz vorne.
Also einfach nicht hingehen ist die beste Antwort.

01.10.2009
21:18
Anti-Preis für dreiste Arbeitgeber geht an Schlecker
von krisenmanager | #23

Ich habe noch nie etwas bei Schlecker gekauft!

Werde ich auch nie.

Es gibt Konkurenten die behandeln ihre angestellten sogar wie Menschen. Da geh ich gern hin.

-Billig kann ich mir nicht leisten-

01.10.2009
19:35
Blockierter Kommentar.
von miriam.lessmann | #22

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

01.10.2009
17:36
Anti-Preis für dreiste Arbeitgeber geht an Schlecker
von Elektrosteiger | #21

Die müsen aufpassen, das sie von dem Metzgermeister nicht noch wegen übler Nachrede verklagt werden...

Aber die Preisverleihung finde ich trotzdem toll...

01.10.2009
16:18
Anti-Preis für dreiste Arbeitgeber geht an Schlecker
von hahaha | #20

Es ist schon witzig, dass sich ausgerechnet die Kirchen mit in dieses Boot setzen. Da, wo es ebenfalls Lohndumping gibt, kein Streikrecht, dafür jedoch willkürliches kirchliches Arbeitsrecht.

Trackbacks

Die Trackback URL zu diesem Artikel ist: http://www.derwesten.de/services/trackbacks/article/15729/create

Umfrage der Woche
Die Stadt Oberhausen hat zu Bürgerversammlungen zum Sparpaket eingeladen und ein Online-Forum geschaltet, in dem Bürger ihre Meinungen zu den Sparvorschlägen für den städtischen Haushalt kundtun können. Was halten Sie von dieser Form von Bürgerbeteiligungen?

Die Stadt Oberhausen hat zu Bürgerversammlungen zum Sparpaket eingeladen und ein Online-Forum geschaltet, in dem Bürger ihre Meinungen zu den Sparvorschlägen für den städtischen Haushalt kundtun können. Was halten Sie von dieser Form von Bürgerbeteiligungen?

Captcha

Bitte übertragen Sie den Code in das folgende Feld:

Wort unleserlich? (Neuladen)

 
Aktuelle Fotos und Videos
Brings im Ebertbad in Oberhausen
Bildgalerie
Konzert
Stimmen zum Rauchen
Video
Video
Radrennen in Oberhausen
Bildgalerie
Pfingstradrennen
Wohnhausbrand in Lirich
Bildgalerie
Feuer
Aus dem Ressort
Der Oldtimer als Familienhobby
Unser Norden
Ulf Berens hat einen 57 Jahre alten Ford-Pickup originalgetreu und aufwändig restaurieren lassen. Jetzt wollen die Amerikaner den Wagen gerne zurück
Foto
Jugendarbeitslosigkeit in Oberhausen sinkt
Arbeitsmarkt
Auch die Zahl der erwerbslosen Ausländer sowie älteren Menschen verbesserte sich leicht. Doch obwohl es mehr freie Stellen gibt, stagniert Arbeitslosigkeit