Anspruchsvoller Abend Popkultur
07.12.2007 | 21:55 Uhr 2007-12-07T21:55:26+0100THEATER. Regisseur Michael Masberg und vier Schauspieler fügten Texte von Kult-Autor Chuck Palahniuk zur Collage zusammen.
Manchmal genügt ein Satz, um einen Roman zu erkennen. "Erst wenn du alles verloren hast, hast du die Freiheit, alles zu tun" ist so ein Satz. Geschrieben hat ihn der amerikanische Autor Chuck Palahniuk in seinem Debütroman "Fight Club" 1996. Spätestens seit der kongenialen Verfilmung von David Fincher sind Roman und Autor Kult. Dass ein Theaterabend mit Auszügen aus Palahniuk-Texten kein Spaß im herkömmlichen Sinne werden würde, war also klar. Oder wie Schauspieler Caspar Kaeser am Donnerstag in der Rauchbar gleich zu Beginn sagte: "Nach ein paar Minuten wollen Sie nur noch weglaufen." Warum? Weil manche seine Erzählweise als brutal, obszön, zynisch bezeichnen würden. Dabei ist sie doch bloß exakt.
Michael Masberg hat daraus mit vier Ensemblemitgliedern des Theaters weniger eine szenische Lesung, vielmehr eine Collage gemacht. Er baut die Band Tocotronic mit der Zeile "Mein Ruin, das ist mein Ziel / Die Lieblingsrolle, die ich spiel'" ein, lässt Edward Norton, der den Erzähler in "Fight Club" spielt, zum Publikum sprechen und hat seinen Schauspielern ein, nun ja, ungesundes Aussehen verpasst. Zentral bleibt trotzdem Palahniuk. Dass die Texte gelesen und nur andeutungsweise gespielt werden, fällt kaum auf.
Claudia Fritzsche liest Szenen aus "Fight Club" eindringlich, und neben ihr kommt Michael Witte in einer kleinen Küche dem "Nullpunkt", der hier ein Siedepunkt ist, immer näher. Er kocht eine Suppe und redet dabei von Sexualneurotikern unter uns. Saskia Leder macht ihre Sache als Frau, die sich eine Kugel ins Gesicht jagte, um dem "Schönheitsghetto" zu entrinnen, so gut, dass einer Mittzwanzigerin im Publikum ein "krass" entfährt.
Nach einer Stunde ist die Reise in die poetische Anarchie von Chuck Palahniuk vorbei. Viel Applaus für den anspruchvollen Abend Popkultur.

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