Angeklagter soll Bremsen manipuliert haben

War es wirklich ein gefährlicher Eingriff in den Straßenverkehr oder doch die perfide Intrige eines Zeugen? Vor dieser Frage stand das Oberhausener Amtsgericht gestern. Ein Busfahrer war angeklagt, die Bremsen an einem Auto manipuliert zu haben, um seinem Nebenbuhler zu schaden. Er sei eifersüchtig gewesen, weil er eine Beziehung zwischen dem vermeintlichen Opfer und seiner damaligen Freundin vermutete.

Doch während der Beweisaufnahme kam ein schlimmer Verdacht auf: Der Geschädigte könnte selbst Hand angelegt haben, um den Angeklagten mit falschen Anschuldigungen zu schädigen. Das Gericht sprach den 35-jährigen Krefelder daraufhin frei.

Die vermeintliche Tat geschah im November vergangenen Jahres. Die drei Beteiligten, also der Angeklagte, seine damalige Freundin sowie das „Opfer“, arbeiteten damals als Busfahrer in Oberhausen. In der Beziehung des Angeklagten habe es lange gekriselt. Er habe das klären wollen, doch seine Freundin habe immer abgeblockt.

Gutachter hat erhebliche Zweifel

Auch an jenem Abend habe er das Gespräch gesucht, sei zwei Mal zur Haltestelle gefahren, an der die Freundin laut Fahrplan Pause hatte. Doch er fand die junge Frau nicht alleine vor: Auch der Kollege war dabei. „Zum Schutz, ich hatte Angst“, so die Zeugin. Eine Beziehung zum Kollegen bestritt sie vehement. „Wir sind erst später zusammengekommen.“ Später heißt: einen Tag nach dem Vorfall.

Er habe am Tatabend tatsächlich einen Blick auf den Motor des manipulierten Autos geworfen, gab der Angeklagte zu. Aber nur, weil seine Freundin geschrieben habe, der Wagen verliere nach einem Unfall eventuell Öl. Bei dem Fahrzeug handelte es sich um das Auto der Zeugin. „Aber die Versicherung läuft auch auf mich, da wollte ich natürlich sehen, was mit dem Wagen ist“, so der Angeklagte.

Der Zeuge, der an diesem Abend mit dem Auto seiner späteren Freundin unterwegs war, gab an, der Angeklagte habe dabei die Leitung zum Bremsverstärker herausgerissen. „Da habe ich erhebliche Zweifel“, meinte dagegen der geladene Sachverständige: Dafür sei immens viel Kraft nötig. Der Angeklagte hat aber mit einer Hand die Motorhaube festgehalten (das hat der Zeuge bestätigt). So hätte er den Schlauch nicht ziehen können. Und: Der Zeuge schilderte, dass bei seiner Fahrt die Bremse von Beginn an nicht mehr funktioniert habe. Auch das kann laut Gutachter nicht sein: Die ersten Bremsvorgänge würden ohne Bremsverstärker normal funktionieren. „Danach wird es schwerer.“

Mit dem Verlauf der Verhandlung waren die Zeugen sichtlich unzufrieden. „Seien Sie ruhig oder ich schmeiße Sie raus!“, kommentierte der Richter lautes Getuschel des Paares. Ob der Zeuge nun ein Verfahren fürchten muss, ist noch unklar. In einem Fall wie diesem müsse die Staatsanwaltschaft prüfen, ob es belegbare Anhaltspunkte für eine Straftat gebe. Erst dann würde ein Ermittlungsverfahren eingeleitet, erklärt Detlef Nowotsch, Sprecher der Staatsanwaltschaft Duisburg.