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Führerschein

Alte Autofahrer besser kontrollieren

15.09.2012 | 11:00 Uhr
Alte Autofahrer besser kontrollieren
Die Verkehrswacht fordert Sicherheitstests für Senioren. Foto: Birgit Schweizer

Oberhausen.   Wenn, wie zuletzt eine 80-Jährige in Wuppertal, ältere Fahrer die Kontrolle über ihr Auto verlieren, ist das mediale Echo stets groß. Auch die Verkehrswacht nimmt diese Problematik jetzt ernst - und fordert eine regelmäßige Augenprüfung.

Eine 80-Jährige verliert die Kontrolle über ihr Auto. Der Wagen fährt über den Bürgersteig, knallt gegen eine Hauswand, verletzt zwölf Fußgänger, bis er schließlich gegen ein anderes Auto prallt. So geschehen Anfang September in Wuppertal. Das mediale Echo ist groß, überregionale Blätter berichten. Teile der Politik sind alarmiert, die NRW-Grünen fordern eine regelmäßige Prüfung der Fahrtüchtigkeit von Senioren ab dem 80. Lebensjahr. Die Verkehrswacht hält das für übertrieben, fordert nun aber, eine verpflichtende Augenüberprüfung ab 70 Jahren einmal im Jahr einzuführen.

Ein Blick auf die Unfallstatistik zeigt auf den ersten Blick, dass Senioren am Steuer offenbar besser sind als ihr Ruf. Obwohl fast jeder Fünfte über 65 ist, ist diese Gruppe nur mit 14 Prozent an Unfällen mit Personenschäden beteiligt. Die Senioren liegen damit deutlich hinter anderen Altersgruppen, zum Beispiel die der jungen Fahrer bis 24.

Weniger Kilometer im Jahr

Dennoch glaubt Dieter Elsenrath-Junghans , Vorsitzender der Verkehrswacht Oberhausen, nicht, dass alles so bleiben kann, wie es ist. Denn der statistische Vergleich hat einen sehr entscheidenden Makel: Er berücksichtigt nicht, dass ältere Menschen in aller Regel deutlich weniger Strecke im Jahr machen. „Fahrleistungen von 3000 Kilometern sind in keine Seltenheit.“ Und: Im Alter lässt das Seh- und Reaktionsvermögen im Allgemeinen nach.

Die Verkehrswacht fordert denn auch einen regelmäßigen Sehtest für Autofahrer ab 70 – am besten einmal im Jahr. „Ich bin auch relativ sicher, dass bald ein entsprechendes Gesetz verabschiedet wird.“ Auf der anderen Seite fahren Ältere in der Regel vorsichtiger, meiden widrige Straßenverhältnisse, halten sich an Tempobegrenzungen. „Voraussetzung ist jedoch eine realistische Einschätzung der eigenen Fähigkeiten.“

Weil unsere Gesellschaft aber zunehmend älter wird, fordert Elsenrath-Junghans neue Konzepte, wie ein Höchstmaß an Mobilität für ältere Menschen geschaffen und die Sicherheit aller Verkehrsteilnehmer erhöht werden kann. Prävention spielt dabei eine zentrale Rolle. Elsenrath-Junghans setzt auf Unterstützung der Hausärzte. Altersbedingte körperliche und/oder geistige Defizite könnten diese rechtzeitig erkennen und frühzeitig Maßnahmen einleiten, um die Mobilität zu verlängern. „Ideal dafür wären verkehrsmedizinisch gebildete Ärzte.“ Der Gesundheitscheck oder auch ein Sicherheitstraining seien Angebote, die ältere Fahrer wahrnehmen sollten, appelliert Elsenrath-Junghans.

Apropos Fahrer: Ihm ist aufgefallen, dass deutlich weniger Senioren als Seniorinnen an Seh-, Fahreignungstests oder anderen Aktionen der Verkehrswacht teilnehmen. Männer haben anscheinend einen größeren Bammel davor, womöglich gesagt zu bekommen, dass sie Defizite haben. „Frauen haben da deutlich weniger Probleme.“

Auch 80-Jährige können noch voll verkehrstüchtig sein

Zu einer Differenzierung rät der Verkehrsmediziner und Hausarzt Dr. Wolfgang Seeliger. Aus seinem Praxisalltag weiß er, dass es „80-Jährige gibt, die voll verkehrstüchtig sind, und deutlich Jüngere, die Schwierigkeiten haben.“

Problematisch sei die Selbsteinschätzung, wie fit man noch ist. Über 70-Jährigen rät er, sich alle ein, zwei Jahre gründlich vom Hausarzt untersuchen zu lassen, mit Seh- und Zuckertest sowie Blutdruckmessung. Aus vielen Gesprächen mit älteren Patienten weiß er, wie vorsichtig man mit dem Thema umgehen muss: „Der Führerschein ist zum einen Selbstbestätigung, zum anderen bedeutet er Lebensqualität.“ Vor allem Männer wichen gerne aus, wenn es um de Frage gehe, ob denn die Fahrtüchtigkeit womöglich eingeschränkt sei.

Frank Helling


Kommentare
17.09.2012
08:46
Alte Autofahrer besser kontrollieren
von leseraa | #3

völlig überflüssiger Aktionismus.

17.09.2012
01:04
Alte Autofahrer besser kontrollieren
von ultron | #2

Finde ich völlig in Ordnung, dass Autofahrer auch mal zum "TÜV" sollen. Die Schwierigkeit ist, hier eine verpflichtende Altersgrenze festzulegen. Wie schon in dem Artikel richtig erwähnt, ist die Grenze zur eingeschränkten Fahrtüchtigkeit fließend. Aber über einen Sehtest ab 70 sollte sich nun wirklich niemand aufregen. Denn mal ehrlich - das mit der nachlassenden Sehschärfe fängt bei den meisten schon sehr viel früher an. Ist zwar individuell verschieden, aber es ist auch keine Schande, wenn man mit 50 schon Probleme mit den Augen hat. Deshalb fände ich auch eine Augenprüfung ab 60 besser. Aber die Augen allein machens auch nicht - das größere Problem ist bei manchen oft die Kommandozentrale, wo die Bilder ankommen - und da ist die Altersgrenze schon sehr viel schwieriger zu ziehen. Bin übrigens selbst Ü60, fahre 40 Jahre unfallfrei und werde alles tun, dass das so bleibt.

3 Antworten
Alte Autofahrer besser kontrollieren
von Codemancer | #2-1

"...und werde alles tun, dass das so bleibt."

Fällt darunter auch den Lappen an den Nagel zu hängen, sobald Kopf und Körper nicht mehr ganz so tacko mitspielen, wie sie es eigentlich sollten?

Wie ehrlich ist man bei sowas zu sich selbst? Mein Opa hat noch bis vor seinem Tod in seinem Garten Kirschen gepflückt... okay, er hat knapp drei Stunden für einen kleinen Eimer gebracht, aber dem Alter wollte er sich, wie so viele, nicht beugen.

Wie ehrlich ist man bei sowas zu sich selbst?
von ultron | #2-2

Nun, Ihre Frage ist zwar nicht ganz unberechtigt, aber ich nehme an, nur rein rhetorisch gestellt, denn sie ist nicht pauschal zu beantworten. Natürlich neigt jeder bei sich selbst dazu, ein Auge zu zudrücken, das ist menschlich. Aber für körperliche - und auch geistige - Fitness kann man schon eine Menge tun - wann es allerdings soweit ist, dass auch das nichts mehr nützt, hat niemand in der Hand. Stellen Sie sich die Frage am besten selbst nochmal, wenn Sie auch in das Alter kommen. Es spricht aber übrigens nichts dagegen, im hohen Alter noch Kirschen zu pflücken - bedenklicher wäre, wenn Ihr Opa die 3 Stunden zum Einparken gebraucht hätte! ;-)

Alte Autofahrer besser kontrollieren
von Codemancer | #2-3

Das mit den Kirschen war nur eine seichte Anspielung auf die Überbleibsel seiner motorischen Fähigkeiten.

Mit dieser wirklich mehr rhetorischen Frage wollte ich lediglich ihre eine Aussage anprangern. Sicherlich sollte es eines jeden Autofahrers gelobtes Ziel sein, so lange wie Möglich Unfallfrei zu bleiben - aber alles dafür tun kann und will man im Endeffekt vielleicht gar nicht.

Diese Aussage benutzen viele ältere Menschen: "Ich bin jetzt 40 Jahre lang unfallfrei unterwegs, also erzähl mir nicht, dass ich nicht mehr Autofahren kann." - und zack im 41. Jahr verliert dieser Mensch die Kontrolle über seine degenerativen Fähigkeiten und verletzt eine ganze Straßenladung Fußgänger.

16.09.2012
08:22
Alte Autofahrer besser kontrollieren
von hey52 | #1

Hauptsache die Karosse muss alle 2 Jahre zum TÜV...

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