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Altbekanntes und Neues

12.05.2008 | 16:02 Uhr

THEATER. Beeindruckende Premiere im Malersaal und erlebenswert: "Messer in Hennen" von David Harrower.

William stampft, Gilbert schleicht. Williams Umgebung ist weich und erdbraun, die von Gilbert kantig und weiß. William ist den fleischlichen Genüssen nicht abgeneigt, Gilbert liebt es, seinen Geist zu fordern. Die beiden Kunstfiguren, die David Harrower geschaffen hat, könnten kaum schärfer voneinander abgegrenzt sein. Ein Graben trennt ihre Welten. Was sie verbindet, ist eine Frau, die sich zu beiden hingezogen fühlt. . . Für die kleine, feine Inszenierung von "Messer in Hennen" gab's bei der Premiere am Freitag für Regisseur Michael Masberg und das Ensemble viel Applaus.

Dass der Malersaal des Theaters nicht ausverkauft war, wird an den widrigen Umständen gelegen haben. Die Produktion ist ganz kurzfristig - für nur vier Aufführungen - auf den Spielplan genommen worden, und feierte Premiere vor einem langen Wochenende, an einem biergartentauglichen Abend, an dem auch noch RWO und "Kiss" in Oberhausen spielten: Das ist wirklich harte Konkurrenz. Nicht ganz so fatal wie die zwischen William und Gilbert allerdings.

Inniges Verhältnis

William ist der Pflüger des Dorfes. Das Gerücht, mit seinen Pferden verbinde ihn ein besonders inniges Verhältnis, hat ihm den Beinamen "Pony-William" eingebracht. Seine Frau will er jedenfalls nicht in den Stall lassen, und auch andere Einblicke möchte er ihr verwehren: "Bleib bei dem, was du weißt. Das ist das Beste." Müller Gilbert, zu dem William die junge Frau mit seinem Korn schickt, sieht das ganz anders. Auch wenn er erstmal sehr seltsam und beängstigend wirkt, hilft er ihr, das zu benennen, was es sonst noch gibt. "Das bin ich", erkennt sie nach einer Nacht mit ihm.

Rollen sind bestens besetzt

Mit funkelnden Augen spielt Claudia Fritzsche die junge Frau, gibt sie voller Lebenshunger und voller Wissensdurst: Mit ihrer Neugier überwindet sie den Graben zwischen dem sicheren, Altbekannten und dem unheimlichen Neuen. Diesen Gegensatz verkörpern Jan Kämmerer als tumber, grobschlächtiger William und Caspar Kaeser als feingeistiger Gilbert hervorragend.

Die vierte Rolle in Masbergs mit Musik und Projektionen akzentuierte Interpretation von Harrowers Kunst-Stück spielt Stefanie Dellmanns Bühne: Auf kleinem Raum schafft sie im Malersaal Platz für eine ganze Landschaft, in der die Nuancen, die es zwischen William und Gilbert als Enden des Spektrums gibt, herumfliegen können - flüchtig wie Mehlstaub oder schwer wie Wassertropfen.

Weitere Aufführungendes Stückes gibt es am 15., 21. Mai und 10. Juni. Karten kosten 8,50 Euro, Reservierung: 85 78 184

MONIKA IDEMS

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