Akteure in Oberhausen arbeiten gegen Alltagsrassismus an

Ein Schwerpunkt für Dirk Paasch ist die Aufarbeitung der NS-Zeit. An deren Opfer erinnern Stolpersteine wie dieser, der Anfang Februar verlegt worden ist. Foto: GerdWallhorn
Ein Schwerpunkt für Dirk Paasch ist die Aufarbeitung der NS-Zeit. An deren Opfer erinnern Stolpersteine wie dieser, der Anfang Februar verlegt worden ist. Foto: GerdWallhorn
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Was wir bereits wissen
Jüngste Angriffe auf Flüchtlingsunterkünfte bereiten Dirk Paasch Sorgen. Er koordiniert das Bundesprogramm „Demokratie Leben“, das 2016 drei Schwerpunkte setzt

Oberhausen.. Die Sorge ist in seiner Stimme spürbar: Dirk Paasch, in Oberhausen Koordinator und Ansprechpartner für das Bundesprogramm „Demokratie Leben“, stimmen Nachrichten über versuchte Brandanschläge auf Flüchtlingsunterkünfte und die zunehmende Hetze in den sozialen Netzwerken nachdenklich. „Sogenannte ,besorgte Bürger’, die sich in Initiativen zusammenschließen, liefern die Grundlage für solche Übergriffe“, ist Dirk Paasch überzeugt.

Das Bundesprogramm, das im vergangenen Jahr angelaufen ist, wird 2016 seine Aktivitäten ausweiten und auch die Flüchtingsthematik ansprechen – im Kern bleiben der Einsatz gegen Rechtsextremismus, Gewalt und Menschenfeindlichkeit die Hauptanliegen.

Alltagsrassismus spielt eine Rolle

„Im wahrsten Wortsinn gibt es brandaktuelle Entwicklungen“, sagt Paasch. Nicht nur die Anschläge an der Ruhrorter Straße und der Kapellenstraße führt er an. Er sieht Hetzparolen, die sich über das Internet schnell verbreiten, aber auch vor Ort in persönlichen Gesprächen geäußert werden. „Es wird viel diskutiert, die Rede ist davon, dass das ,Boot voll sei’. Der Alltagsrassismus spielt eine Rolle:“

Drei programmatische Schwerpunkte nennt Paasch. „Der erste ist die weitere Aufarbeitung der deutschen Geschichte und vor allem der Zeit des Nationalsozialismus.“ Schüler der Gesamtschule Osterfeld etwa haben vor kurzem eine Fahrt zum Konzentrationslager Buchenwald gemacht – pädagogisch begleitet. Auch die sogenannten Stolpersteine, die an Opfer des NS-Regimes erinnern, gehören dazu. „Solche Aktionen wollen wir weiter ausbauen.“

Auch im Freundeskreis oder an der Kneipentheke dem Rassismus Paroli bieten

Ein weiterer Schwerpunkt sei die Bekämpfung von Alltagsrassismus. Paasch ruft dazu auf, auch im Freundeskreis oder an der Kneipentheke Paroli zu bieten, wenn über Ausländer, Flüchtlinge oder andere Gruppen hergezogen wird. „Es gilt dann ins Bewusstsein zu rufen, dass es um Menschen geht.“

Der dritte Schwerpunkt umfasst Weiterbildungsangebote für Pädagogen und Sozialarbeiter. „Einzelne Veranstaltungen, etwa Konzerte, sind eine gute und schöne Sache. Aber Weiterbildungsangebote wirken länger nach“, glaubt der frühere Stadtverordnete. Zwei positive Effekte habe dies: „An Schulen, wie auch sonst in anderen Bereichen der Gesellschaft, treten die unterschiedlichsten Probleme auf, etwa Rassismus oder Homophobie.“ Mit dem neuen Wissen könnten Sozialarbeiter besser reagieren. „Außerdem gibt es eine Multiplikatoren-Funktion.“ Über die Schüler würden Themen auch in Familien getragen. „So können wir eine Menge Leute erreichen.“

„Tage der Toleranz“ starten morgen

Rassismus, Homophobie, Menschenfeindlichkeit: Um diesen Erscheinungen in der Gesellschaft und auch vor Ort zu begegnen, wird die evangelische Jugend Oberhausen in diesem Jahr „Toleranz-Tage“ veranstalten.

„Zusätzlich zu den Aktionen, die wir sowieso jede Woche machen, wollen wir damit ein Thema voranbringen, das uns sehr wichtig ist – Toleranz“, erklärt Johannes Rother, Leiter des Jugendreferats der evangelischen Kirche Oberhausen. Einen Schwerpunkt wird es im Bereich der Willkommenskultur für Flüchtlinge geben. „Wir wollen Ängste nehmen und zum Denken anregen“, berichtet Daniela Heimlich, Jugendleiterin der Emmaus-Kirchengemeinde. Los geht es am Samstag, 13. Februar, mit einem Antirassismus-Aktionstag.

Ängste abbauen

„Die Idee, in diese Richtung etwas unternehmen zu wollen, ist schon früh 2015 entstanden“, sagt Heimlich. „Wir haben uns viele Gedanken gemacht und Gespräche darüber geführt, wie man Ängsten und Phobien begegnen kann.“ Verschiedene Veranstaltungen, jeweils mit eigenständigem Profil, sind daraus hervorgegangen – Sport, Musik, Kultur, Begegnung werden dabei angesprochen. „Alles unter dem Oberthema Toleranz.“

Wichtig ist Rother und Heimlich dabei, dass Ängste vor dem vermeintlich Fremden abgebaut werden können. „Angst ist ein schlechter Berater“, glaubt Rother. Wer zum Beispiel Flüchtlinge persönlich kennenlernt und ihre Geschichten hört, der wird erkennen, dass diese Gruppe Menschen sind „wie du und ich“.

Vor dem Hintergrund der Brandanschläge auf Flüchtlingsunterkünfte, aber auch der steigenden Umfragewerte für die Alternative für Deutschland, sei die Veranstaltungsreihe hoch aktuell, sagt Heimlich. „Das zeigt, dass wir mit unserer Idee richtig liegen und zur richtigen Zeit kommen.“ Finanzielle Unterstützung erhält die evangelische Jugend vom Programm Demokratie Leben.