Agrarreform der EU betrifft auch Landwirte in Oberhausen

Ein Teil der Ackerfläche von Landwirt Christoph Köster dient jetzt der sogenannten Grünlanderhaltung.
Ein Teil der Ackerfläche von Landwirt Christoph Köster dient jetzt der sogenannten Grünlanderhaltung.
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Laut EU-Reform sollen Landwirte fünf Prozent der Ackerfläche brach liegen lassen. Ansonsten wird ihnen ein Teil der Prämie gestrichen.

Oberhausen.. Eine Agrarreform drängt die EU-Landwirte dazu, ihre Felder nicht mehr bis zum letzten Meter für den Anbau zu nutzen. Fünf Prozent der Ackerfläche sollen der Grünlanderhaltung dienen, also nicht mehr für den Anbau von Obst, Gemüse oder Getreide genutzt werden, sondern brachliegen oder noch besser, blühend bepflanzt werden.

„Greening“ nennen die Fachleute diesen Teil der Reform, der für ein besseres Klima zwischen Natur und Mensch sorgen soll, und seit 1. Januar in Kraft ist. Auch die Landwirte in Oberhausen rüsten sich für die Neuerung.

„Wir sind gezwungen, uns mit der Reform zu arrangieren“, sagt Christoph Köster vom Hofladen Köster in Sterkrade. „Das Geld von der EU ist so viel, dass kein Bauer darauf verzichten kann.“ Halten sich die Bauern nicht an die Vorgaben, werden ihnen die Zuschüsse von der europäischen Union gekürzt. Und das schlägt ordentlich zu Buche: Rund ein Drittel weniger Prämien würden die Bauern aus Brüssel bekommen. Allein 2015 stehen für Nordrhein-Westfalen 470 Millionen Euro an Direktzahlungen für die Agrarwirtschaft bereit.

Die EU-Vorschriften müssen genau eingehalten werden

Verzichten würde Köster allerdings gerne auf den Papierkram, den die Reform mit sich bringt. Damit die Prämien gezahlt werden, müssen die Vorschriften genau befolgt werden. Das heißt: Flächen ausmessen, Hecken pflanzen, Formulare ausfüllen. „Eigentlich sollte diese Änderung für weniger Bürokratie sorgen“, erzählt er. „Doch das Gegenteil ist der Fall.“ Die angelegten Brach- und Grünflächen müssen exakt angegeben und überprüft werden. Den Aufwand bekommt man auch bei der Landwirtschaftskammer NRW zu spüren. „Für Nordrhein-Westfalen müssen wir insgesamt 40 neue Mitarbeiter einstellen, damit wir die Umsetzung auch überprüfen können“, sagt Bernhard Rüb, Pressesprecher der Landwirtschaftskammer.

Wegen der Reform ist Köster extra nach Brüssel gereist, um sich in Vorträgen zu informieren. Komplett durchgeblickt habe er trotzdem noch nicht. Die Reformen sind vor allem eins: komplex. Für alle, die beim „Greening“ noch grün hinter den Ohren sind, hat die Landwirtschaftskammer einen 68-seitigen Ratgeber herausgebracht. Dort wird detailliert aufgedröselt, in welche verschiedenen Prämien sich die frühere Betriebsprämie nun aufteilt. Neben der Basisprämie, die produktionsunabhängig gezahlt wird, gibt es zum Beispiel noch eine Prämie extra für Junglandwirte. Ob Köster die Neuerungen für sinnvoll hält, lässt er offen. Er gibt sich diplomatisch: „Wenn die Gesellschaft sich das wünscht, setzen wir das so um.“