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Urteil

Ärger um Beschneidung

05.07.2012 | 14:12 Uhr
Ärger um Beschneidung
Das Beschneidungs-Urteil des Kölner Landgerichts sorgt weiter für Aufregung. Neben Muslimen und Juden lehnen auch die Katholiken und Protestanten eine staatliche Einmischung in die Religionsfreiheit ab. Foto: AP Photo/Binsar Bakkara

Oberhausen. Auch in Oberhausen sorgt das Urteil des Kölner Landgerichts für Aufregung, wonach die religiös begründete Beschneidung von Jungen eine Körperverletzung und deshalb nicht erlaubt sei. Muslime und Juden lehnen gleichermaßen eine staatliche Einmischung in die Religionsfreiheit ab. An ihrer Seite: Katholiken und Protestanten, die von einem „Skandal“ sprechen (Superintendent Hans-Joachim Deterding) und von einem „gewaltigen Eingriff, der nicht zu rechtfertigen ist“ (Stadtdechant Peter Fabritz).

„Die Beschneidung ist eine geniale Erfindung“, sagt Lev Schwarzmann, Vorsitzender der Liberalen Jüdischen Gemeinde. Dafür gebe es hygienische, gesundheitliche und ästhetische Gründe. Viel wichtiger jedoch: „Sie ist ein Zeichen, welches das jüdische Volk vereinigt.“

Wunde entzündet sich

In der Tora stehe geschrieben, dass man einen neugeborenen Jungen am achten Tag beschneiden solle. Dann habe das Baby zugenommen und auch die Mutter sich erholt. Zudem ist am achten Tag mindestens ein Sabbat, der jüdische Ruhetag, vergangen. Die Beschneidung wird von einem „Mohel“ durchgeführt, einem jüdischen Beschneider.

Für das Kölner Urteil hat Schwarzmann absolut kein Verständnis. Es sei „antisemitisch und antimuslimisch“, sagt er, und es erinnere an Zeiten, in denen seine Glaubensbrüder aus Angst vor Verfolgung auf eine Beschneidung verzichten mussten. Er selbst konnte erst im Alter von 13 Jahren beschnitten werden, weil es in der Sowjetunion, wo er bis dahin lebte, keinen „Mohel“ gegeben habe. Nach dem Eingriff entzündete sich die Wunde. „Ich stand zwischen Leben und Tod“, erzählt er. Seine Familie musste einen Pelz verkaufen, um Geld für Penicillin aufzutreiben. Dennoch, so Schwarzmann, habe er nie am Sinn der „Brit Mila“, wie die Beschneidung nach jüdischer Tradition heißt, gezweifelt. „Alle meine Enkel sind beschnitten.“

„Fast antireligiöse Stimmung“

Fast sprachlos sei Hans-Joachim Deterding, Leiter des evangelischen Kirchenkreises Oberhausen, gewesen, als er vom Beschneidungs-Verbot erfuhr. Eine „fast antireligiöse Stimmung“ vermutet er hinter dem Kölner Urteil. „Das ist, als ob man uns verbieten würde, Kreuze aufzuhängen.“ Das einzig Positive an der Diskussion sei, dass ausgerechnet das, was Juden und Christen trennte und zum Unterscheidungsmerkmal wurde, diese jetzt zusammenführe. Ebenso zahle sich jetzt, im Protest, die positive Geschichte der vergangenen Jahrzehnte mit muslimischen Nachbarn aus.

Auch Recep Kocaoglu, Vorsitzender der Deutsch-Türkischen Gesellschaft Oberhausen, kann dem Streit etwas Gutes abgewinnen. Er findet nicht schlecht, das „Sünnet“, die muslimische Beschneidung, zum Thema wird: „Das fördert das Verständnis füreinander.“ Im islamischen Glauben sei die Beschneidung kein ausdrückliches Gebot, das im Koran zu finden sei. Dennoch sei sie Pflicht für alle Gläubigen, weil die ihr Leben an dem des Propheten ausrichten sollen – und der war beschnitten.

Kocaoglu glaubt nicht, dass es bei dem Urteil bleiben wird, sondern schon bald in anderen Fällen neue Urteile gefällt werden. Er setzt auf ein neues Gesetz zum Recht auf Beschneidung , das von jüdischen und muslimischen Verbänden gefordert wird. „Gottseidank betrifft es nicht nur Muslime“, sagt er, „da wird es schwierig für die Politik, das Thema unter den Tisch zu kehren.“

Antireligiöse Stimmung

Stadtdechant Peter Fabritz sieht die „Achtung vor der Religion und vor persönlichen Überzeugungen“ bröckeln. „Es ist schwer nachzuvollziehen, wie die Richter auf den Gedanken gekommen sind, etwas zu verbieten, was seit mehr als 3000 Jahren Tradition hat und so selbstverständlich zu Juden und Muslimen gehört wie die Taufe zu uns.“

Ruşen Tayfur



Kommentare
07.07.2012
20:18
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Name von Moderation entfernt | #10

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07.07.2012
15:54
Ärger um Beschneidung
von Vorstecher | #9


Zirkumzision
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Zirkumzision eines Jungen (Zentralasien, vermutlich Turkmenistan, etwa 1865–1872, restaurierter Albuminpapierabzug)

Die Zirkumzision (von lat. circumcido, rings abschneiden[1]), auch (männliche) Beschneidung ist die teilweise oder vollständige Entfernung der männlichen Vorhaut. Die Zirkumzision ist der weltweit häufigste chirurgische Eingriff. Er wird meist aus religiöser und kultureller Motivation durchgeführt, seltener als medizinische Behandlungsmaßnahme (vorrangig bei Verengung der Vorhaut). Außerdem empfiehlt die Weltgesundheitsorganisation den Einsatz auch als effiziente vorbeugende Maßnahme gegen die HIV-Ansteckung in Hochrisikogebieten.[2] Gegenwärtig sind schätzungsweise zwischen 25 %[3][4] und 33 %[5][6] der männlichen Weltbevölkerung beschnitten. Die Beschneidung gilt im Judentum als Gebot Gottes; im Islam wird sie zwar nicht im Koran erwähnt, ist jedoch als Sunna (‚Brauch, gewohnte Handlungsweise, überlieferte Norm‘) weit verbre

1 Antwort
Ärger um Beschneidung
von bosaudf | #9-1

Wenn Sie schon Google bemühen, dann geben Sie doch bitte die Quelle an. Ein kommentarloses Rüberkopieren aus Wikipedia halte ich für wenig sinnvoll.

Im übrigen sind wir gerade dabei, uns lächerlich zu machen. Herr Putzke hat jetzt ein Dutzend neuer Referenzen für die nächsten Berufungsverhandlungen. Gleichzeitig sind die Juden dabei (Michael Fürst, Musterprozess) hier einen Säugling als Demonstrationsobjekt für ultrajudaistische Propaganda zu mißbrauchen.

Ich wünshe mir, daß in diesem Fall endlich das nötige passiert: Daß der Mohel, der sich hier über geltendes Recht setzt, im Knast landet.

Es wird hier Kindern das Geschlechtsteil verstümmelt. Vorsätzlich. Ohne jeden Grund. Es wird Zeit, diesen Unfug so drakonisch zu besrafen, wie es angemessen ist.

06.07.2012
09:38
So wie es gerade paßt
von Tiroler2012 | #8

Wenn es paßt kommen die Muslime mit dem Argument, dieses oder jenes, in diesem Fall die Körperverletzung, sei Pflicht für alle Gläubigen, weil die ihr Leben an dem des Propheten ausrichten sollen.

Hat Herr Kocaoglu ein Handy, ein TV-Gerät, ein Auto, eine Waschmaschine, fließend Wasser, elektrisches Licht oder ähnliche Annehmlichkeiten des modernen Lebens? Wie kann das sein? All diese Dinge gab es im 7. Jahrhundert zu Lebzeiten des Propheten nicht. Die Gläubigen sollen sich an dem Propheten ausrichten, wenn es um vorsintflutliche Bräuche geht, aber gleichzeitig alle Annehmlichkeiten unserer Kultur nutzen. Da sieht man doch, wie Ernst man die Argumente nhmen kann und dass es in Wahrheit gar nicht um den Glauben geht.

06.07.2012
09:08
Ärger um Beschneidung
von SkipReligion | #7

Schon die Taufe beschnitt (ups) meine Persönlichkeitsrechte. Sobald ich klar denken konnte und alt genug war, bin ich aus dieser Zwangsmitgliedschaft der Kirchen ausgetreten. Nicht auszudenken, wenn man mir noch körperliche, irreparable Schäden zugefügt hätte. Wer argumentiert, eine Beschneidung sei in Ordnung und das auch noch mit einem Freiheitsbegriff rechtfertigt, hat nicht begriffen, dass seine Freiheit bei der Nase des anderen aufhört. Wer mit der Tradition argumentiert, weil gut ist was es lange gab, fragt sich wohl irritiert wo die Prügelstrafe, Folter oder die fügsame, nicht wahlberechtigte Frau geblieben ist.

06.07.2012
08:09
Ärger um Beschneidung
von bellis100 | #6

Fast sprachlos sei Hans-Joachim Deterding, Leiter des evangelischen Kirchenkreises Oberhausen, gewesen, als er vom Beschneidungs-Verbot erfuhr. Eine „fast antireligiöse Stimmung“ vermutet er hinter dem Kölner Urteil.
Und dann noch: Stadtdechant Peter Fabritz sieht die „Achtung vor der Religion und vor persönlichen Überzeugungen“ bröckeln. „Es ist schwer nachzuvollziehen, wie die Richter auf den Gedanken gekommen sind, etwas zu verbieten, was seit mehr als 3000 Jahren Tradition hat und so selbstverständlich zu Juden und Muslimen gehört wie die Taufe zu uns.“
Sind die beiden eigentlich nur noch blöde?

2 Antworten
Ärger um Beschneidung
von bosaudf | #6-1

Zumindest kennt Herr Deterding das Neue Testament nicht.

Paulus schreibt dort an die Galater, wenn ich es richtig im Kopf habe: "Wenn ihr euch aber beschneiden laßt, so wird euch Jesus nichts nützen."

Ich halte das ganze für den hierzulande eh grassierenden Philosemitismus, der nicht besser ist als offener Antisemitismus, er kommt nur kriecherisch und schleimig daher.

Im Nachhinein bedauere ich es, daß das ganze Urteil nicht angesichts einer jüdischen Beschneidung gesprochen wurde - die über Jahrzehnte verdrängte Konfrontation mit den Lautsprechern des Zentralrats der Juden wäre direkter ausgefallen und man hätte nicht die Muslime zu Prügelknaben für den Zentralrat der Juden gemacht. Die Beschneidung ist bei beiden Relgionen gleichermaßen barbarisch. Und abzulehnen. Nur hat sich zwischen Deutschen und Juden eine schon fast berufsmäßige Verlogenheit in die Diskussion eingeschlichen, am schlimmsten wird das in dem Schwachsinn der "jüdisch-christlichen Kultur" in Deutschland deutlich.

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05.07.2012
22:03
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Name von Moderation entfernt | #5

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05.07.2012
17:36
3000 Jahre rituelle Beschneidung sind genug
von pantelitz | #4

„Es ist schwer nachzuvollziehen, wie die Richter auf den Gedanken gekommen sind, etwas zu verbieten, was seit mehr als 3000 Jahren Tradition hat und so selbstverständlich zu Juden und Muslimen gehört wie die Taufe zu uns.“

Es ist für mich schwer nachzuvollziehen, wie ein intelligenter Mensch argumentieren kann, dass etwas, was schon lange üblich ist, nicht verboten werden darf. Mit diesem Argument hätte man auch die Sklaverei beibehalten können. Der Zeitgeist hat sich aber zugunsten von Menschenrechten geändert und dazu gehört auch das Recht auf körperliche Unversehrtheit, wenn dem nicht ein vernünftiger Grund entgegen steht. Und es ist nun mal nicht vernünftig anzunehmen, dass ein unsichtbarer Gott will, dass z.B. Säuglinge ohne Narkose am Penis operiert werden sollen. Dieser Gott wollte angeblich auch, dass Unbeschnittene ausgerottet werden. Daran hält man sich ja auch nicht mehr.
Das grundsätzliche Problem ist, dass Erwachsene Kindern ihre religiöse Überzeugung aufdrängen.

05.07.2012
15:26
Religionsfreiheit
von Kompaktor | #3

hört ja wohl da auf wo
Menschenrechte missachtet werden -
sollen wir denächst auch wieder Hexen verbrennen ?

Wer das nicht akteptiert lebt im falschen Land.......

05.07.2012
15:03
Ärger um Beschneidung
von Dirk72 | #2

Einem Kleinkind bzw. Säugling ein Stück von seinem Penis abzuschneiden,nur weil es der Glaube angeblich vorschreibt,ist an Dummheit nicht zu überbieten.Diesen Perversen muß das Handwerk gelegt werden.

05.07.2012
14:33
Ärger um Beschneidung
von bosaudf | #1

Der Gang vor das Bundesverfassungsgericht wird nach hinten losgehen.
Jedes Gesetz, daß die Beschneidung für Muslime legitimiert, greift in den Wesensgehalt von Art. 2 GG ein. Was hier, u.a. von Ali Kizilkaya, gefordert wird, ist nichts anderes, als daß Deutschland sich eine neue Verfassung gibt. Im Rahmen des GG ist das nicht machbar.
Ich fühle mich hier zutiefst beleidigt, die Duldung dieses Steinzeitrituals ist mir unerträglich. Und ich denke, daß insbesondere die zugewanderten Muslime zumindest _meine_ Bereitschaft zur "Integration an die Zuwanderer" überzogen haben. Sünnetci und Mohelim sind Verbrecher. Die vorgesehene Strafe sind 5 Jahre Gefängnis. Und hier ist geltendes Recht umzusetzen. Ohne wenn und aber.

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