HAUSHALT : Tag des Kulturschocks

In der Stadtbibliothek herrscht wegen der Spar- und Streichvorschläge große Verbitterung.
Zwei Vorbemerkungen (eine ganz persönliche): 1.) In der zweiten Mai-Woche will Oberhausen sich wieder als „Lesestadt” profilieren. Oberbürgermeister Klaus Wehling und Kämmerer Bernhard Elsemann werden neben vielen, vielen anderen vorlesen. 2.) Wenige Wochen nach meiner Einschulung (Ruhrschule, Ostern 1957) entdeckte ich die Schulbibliothek. Eine beglückende Erfahrung, Bücher begleiten das Leben.
„Der Tag des Buches war für uns der Tag des Kulturschocks”, sagt Ronald Schneider, Leiter der Stadtbibliothek. Näher und weiter will er sich gar nicht äußern zu den Sparempfehlungen, die der Arbeitskreis Haushaltssicherungskonzept gegeben hat. Braucht er auch nicht zu tun, uns liegen die Zahlen ja vor, die die städtische Kämmerei just am international begangenen Tag des Buches (Mittwoch, 23. April) zustellte.
Vielleicht ein Zufall, vielleicht auch nicht: Im „Produktbereich 04 – Kultur und Wissenschaft” wird keine Einrichtung so an die Kandare genommen, so gebeutelt wie die Stadtbibliothek, der tags zuvor im Kulturausschuss noch hervorragende Arbeit attestiert worden war. Von ihrem jährlichen Etat von rund 2,7 Millionen Euro soll sie 911 000 Euro (ein glattes Drittel) einsparen. Das ist mehr als von der Gemeindeprüfungsanstalt gefordert (850 900), mehr als von der Stadtbücherei selbst vorgeschlagen (676 000 Euro).
Die Bücherei hatte, und das bescheinigt ihr der für sie zuständige Beigeordnete, Apostolos Taslastras, ausdrücklich, „intelligente Lösungsvorschläge” gemacht – Kassenautomaten für Entleihen und Zahlungen, Neukonzeption des Bücherbusses und anderes mehr.
Das war den Haushaltsexperten nicht genug: Sie wollen nur noch drei Bibiliotheks-Zweigstellen, die Schließung der Stadtteilbibliotheken Lirich und Schmachtendorf, die Außerdienststellung des Bücherbusses, die faktische Auflösung der Schulbibliotheken. „Noch sind es nur Vorschläge”, bemüht sich Tsalastras um Beschwichtigung: „Entscheiden muss die Politik.”
Keine Abstimmung mit Personalrat
Für André auf der Heiden, Personalratsvorsitzender der Stadtverwaltung, ist die Angelegenheit ein weiterer Beweis seiner These: „Da ist zu holzschnittartig gearbeitet worden.” Das macht er auch an anderen Beispielen fest: „Unter den über 200 Einzelempfehlungen sind mindestens 95, die nur in Abstimmung mit uns laufen können.” Darunter sind die rund 120 Stellenstreichungen, die die Vorlage empfiehlt.
Die für Ende April vorgesehene Personalversammlung ist auf den 20. Mai verlegt worden, auf der Heiden: „Es gibt erheblichen Gesprächsbedarf, denn vieles ist einfach nur unsortiert.” Der Unmut wächst.














