Tafel versorgt Grundschüler
Da viele Kinder im Ganztagsbetrieb kein Geld für ein Mittagessen hatten, baten Betreuer den Oberhausener Verein um Hilfe. Inzwischen beliefern Ehrenamtliche jeden Dienstag 13 Grundschulen.
Josef Stemper (rechts) und seine ehrenamtlichen Mitarbeiter der Oberhausener Tafel. Foto: © Tom Thöne / WAZ
Foto: WAZ
13 Grundschulen beliefert die Oberhausener Tafel inzwischen mit Lebensmitteln. Und es könnten noch mehr werden.
41 Grundschulen gibt es in Oberhausen. Insgesamt 7760 Schüler werden dort aktuell unterrichtet. Etwa 3400 nutzen das Ganztagsangebot. Jede Schule bietet zwar eine Mittagsmahlzeit an. Je nach Catering-Firma müssen die Eltern dafür aber zwischen 1,80 und 2,95 Euro pro Essen und Tag aus eigener Tasche dazuzahlen. Das können sich viele Familien nicht leisten. Aus diesem Grund rief die NRW-Landesregierung das Projekt „Kein Kind ohne Mahlzeit” ins Leben. Auch Oberhausen erhielt dafür Gelder. Folge: Arbeitslosengeld-II-Bezieher müssen derzeit nur einen Euro pro Mittagessen zuzahlen.
Dennoch: „Viele Eltern schicken ihre Kinder ohne Geld zur Schule”, sagt Josef Stemper von der Oberhausener Tafel. Als die Betreuer einer Grundschule festgestellt hätten, dass von 90 Ganztagsteilnehmern regelmäßig rund 30 Kinder ohne Essen blieben, baten sie die Tafel um Hilfe.
„Unsere vier Wagen sind inzwischen eh täglich unterwegs, da kam es uns auf eine Fahrt mehr oder weniger nicht an”, erzählt Stemper. Aus dem flott angelieferten Obst und Gemüse zauberten die Betreuer rasch Obstsalate, Rohkostteller für alle hungrigen Mäuler. „Das sprach sich rum und nun sind es bereits 13 Grundschulen, die wir jeden Dienstag beliefern”, so Stemper.
Ein Euro pro Tag und Mahlzeit, das müsste sich doch eigentlich jeder leisten können? „Das bezweifle ich”, sagt Stemper und erklärt: „Als wir 2001 die Tafel in Oberhausen gründeten, kamen wöchentlich etwa 200 Menschen zu uns, heute sind es 700.” Längst nicht alle davon bezögen Hartz IV. „Es gibt viele, die knapp an der Grenze sind oder trotz Hartz IV noch Schulden abzahlen müssen und wollen, die rechnen mit jedem Cent.”
Außerdem werde für die Teilnahme am offenen Ganztag eine Gebühr fällig. 50 Euro im Monat sind es laut Schulverwaltung. Wer Wohngeld erhalte, zahle 40 Euro, Arbeitslosengeld-II-Bezieher seien laut Ratsbeschluss freigestellt. Für Geschwisterkinder zahlten Eltern die Hälfte.
Josef Stemper und seine 94 Mitstreiter jedenfalls freut es, dass die Waren, die die großen Discounter und viele Bäcker der Tafel liefern, nicht auf dem Müll landen. „Denn was bei uns übrig bleibt, müssen wir ja auch wegwerfen.”
Wer die reguläre Warenausgabe der Tafel nutzen möchte, muss übrigens auch einen Euro zahlen. „Die meisten machen das auch gerne, sie sagen immer, dass sie sich dann eher als Kunden fühlen.”













