Musical : Millionenschwerer Wanderzirkus

Wenn Hexen umziehen, sind viele Menschen rund um die Uhr beschäftigt. Im Metronom-Theater läuft der Aufbau für „Wicked”.
So ein Musical und die Stadt, in der es gerade spielt, gehören in der Wahrnehmung ja immer recht schnell zusammen. Auch der „Tanz der Vampire in Oberhausen” ging einem schon fast selbstverständlich über die Lippen. Allerdings, da darf man sich nichts vormachen: Ist das Gastspiel vorbei, sind die Zelte zügiger abgebrochen als bei einem Wanderzirkus. Im Metronom-Theater jedenfalls ist von den Blutsaugern, die seit November 2008 am Musikweg beinah allabendlich Zähne zeigten, nichts mehr zu sehen.
Noch während am 31. Januar die Vampire zum letzten Tanz baten, schritten die Techniker hinter der Bühne zur Demontage. „Im zweiten Akt haben wir die Sachen eingepackt, die nicht mehr gebraucht wurden”, sagt Martin Siebler, der die Arbeiten leitet. Einen „sportlichen Abbau” nennt der Mann mit dem Klemmbrett, was danach geschah: Je 70 Leute in drei Schichten nahmen binnen 24 Stunden die komplette Kulisse auseinander und schickten sie gen Stuttgart, wo die Schau bald zu sehen sein wird.
Hexen und Vampire auf Deutschlandreise
Gewissermaßen im Tausch dafür bekommt man „Wicked”. Ja, möglicherweise sind die beiden Lastwagen-Kolonnen mit Bühnenteilen und Requisiten sogar irgendwo zwischen Stuttgart und Oberhausen aneinander vorbeigerauscht. Hexen und Vampire auf Deutschlandreise. Auch wenn dabei ziemlich viel an magischem Biss zusammenkommt – ohne nüchterne Logistikerlogik geht's nicht.
Deshalb trifft die in 22 Transporter verpackte Ausstattung für „Wicked” dieser Tage nach einem ausgeklügeltem Zeitplan am Metronom-Theater ein. Laster für Laster wird herbeordert aus dem Wartestand auf einem Parkplatz, damit man jeweils die Teile verbauen kann, die gerade gefragt sind.
Und wenn der Auszug des Vampir-Musicals schon sportlich war, dann ist der Aufbau von „Wicked” ein echter Iron Man. Wobei in diesem Fall sämtliche Disziplinen gleichzeitig absolviert werden müssen: Tischler, Maler, Elektriker – zig Handwerker basteln Seite an Seite, für alles andere fehlte die Zeit. Am 8. März ist Premiere und ob der Proben muss die Bühne dann selbstverständlich längst fertig sein.
Bei Lastwagen Nummer 16 war man am Dienstagvormittag angekommen, doch noch immer bleibt einiges zu tun. Das „Wicked”-Szenario ist die größte Herausforderung, mit der das Metronom-Theater bislang konfrontiert war, sagt dessen technischer Leiter Andreas Stiewe. Der Orchestergraben musste erweitert, die Maschinerie über der Bühne umgebaut werden. „Mächtig” nennt Stiewe die Kulisse von „Wicked”, deren Herzstück ein eherner Drache ist. Charmant: Die imposante Marionette wird von Hand bedient.
Erstmal für ein Jahr
Die Eintrittskarten für „Wicked – Die Hexen von Oz” liegen laut der Verantwortlichen im gleichen Preissegment wie die für den „Tanz der Vampire”, nämlich zwischen 39 und 99 Euro. Obwohl man bei der Vermarktung ein bisschen damit zu kämpfen hat, dass das Buch „Der Zauberer von Oz”, an das die Show sich anlehnt, hierzulande weit weniger bekannt ist als anderswo, sei die bisherige Resonanz gut. Die Spielzeit ist zunächst für ein Jahr geplant.
Überhaupt wollen die Verantwortlichen bei so viel Bombast auch die Details beachtet wissen. „Alles zusammen macht die Reichhaltigkeit des Stückes aus”, sagt Martin Siebler und verweist auf 4000 Leuchtdioden, die „einzelne Szenen sowas von heftig machen”, und auf die dicken Weinranken, von denen man mehrere Kilometer aus Thailand hergeschafft hat, um damit die Bühne zu schmücken. Überhaupt durfte es für „Wicked” nur das Beste sein: Der Bühnenboden etwa ist aus kanadischem Ahorn. „Alles augesuchte Materialien, deshalb ist es wirklich sauteuer geworden”, sagt Siebler über die Kosten für den Umzug, die „irgendwo im Millionenbereich” liegen.



















