60  Prozent  aller Notrufe in Oberhausen sind gar keine

In der Einsatzleitstelle laufen die Fäden zusammen. 50.000 Anrufe gingen in der Oberhausener Leitstelle  im vergangenen Jahr über die Notrufnummer 112 ein.
In der Einsatzleitstelle laufen die Fäden zusammen. 50.000 Anrufe gingen in der Oberhausener Leitstelle im vergangenen Jahr über die Notrufnummer 112 ein.
Foto: Matthias Graben
Was wir bereits wissen
Verwähler, Irrläufer, Handys, die selbsttätig 112 wählen oder schlechte Schülerscherze: Von 50.000 Anrufen waren im vergangenen Jahr 29.600 Fehlanrufe

Oberhausen.. Im vergangenen Jahr gingen bei der Leitstelle der hiesigen Berufsfeuerwehr rund 50. 000 Anrufe über die Notrufnummer 112 ein. Doch in der Mehrzahl der Fälle – rund 29.600 Mal – lag gar kein Notfall vor: „Zirka 60 Prozent aller Notrufe sind Fehlanrufe“, erklärt Stadtsprecher Uwe Spee auf NRZ-Anfrage.

„Es ist allerdings schwierig, ganz genau zu beziffern, wie viele der Notrufe Fehlanrufe waren, denn einigen Einsätzen geht nicht nur ein Notruf voraus, sondern gleich mehrere – vor allem bei Brand- und Hilfeleistungseinsätzen an belebten Plätzen oder Verkehrsunfällen an stark befahrenen Straßen“, erklärt Spee.

Ursachen sind vielfältig

Die Ursachen, warum Bürger irrtümlich die Notrufnummer wählen, sind unterschiedlich: „Es gibt beispielsweise Notrufe, bei denen Handys, die in den Hosentaschen mitgeführt werden, selbstständig den Notruf wählen, weil die Tastensperre nicht eingeschaltet ist.“ Neben unabsichtlicher Verwählern gehen Fehlanrufe auch häufig auf Kinder zurück, die sich einen „Scherz“ erlauben, was schon daraus zu schließen ist, dass sich Fehlanrufe während der Schulpausen oder nach Unterrichtsschluss häufen.

Daneben erreichen die Leitstelle Notrufe, die nicht in den Zuständigkeitsbereich der Feuerwehr oder des Rettungsdienstes fallen: „Beispielsweise, wenn ein Bürger die Polizei verständigen oder den kassenärztlichen Notdienst erreichen will, aber deren Telefonnummer nicht kennt“, so Spee.

Zu den Fehlanrufen werden auch Notrufe gezählt, die zwar einen Einsatz der Feuerwehr oder des Rettungsdienstes bewirkt haben, bei denen sich aber vor Ort herausstellte, dass es sich gar nicht um einen Notfall handelt. „Dies kann in guter Absicht passieren, etwa wenn ein Spaziergänger in einer Wohnung Flammenerscheinungen beobachtet, diese sich aber im Nachhinein als Kaminfeuer herausstellen“, erklärt Spee.

Missbrauch führt zu einer Anzeige

Tagsüber nehmen drei Disponenten in der Leitstelle die Notrufe entgegen: „Nachts reduziert sich die Zahl auf zwei und an besonders hoch frequentierten Tagen, wie während der Karnevalsumzüge oder bei Großeinsätzen, arbeiten dort bis zu fünf Disponenten.“

Was sind die Konsequenzen für Fehlanrufer? „Wenn Notrufe von Handys aus getätigt werden, dann werden die Anrufer zurückgerufen und auf ihr Verhalten aufmerksam gemacht. Wählen Kinder grundlos den Notruf, werden auch die Erziehungsberechtigten informiert“, so der Pressesprecher. Notrufe, die nicht im Zuständigkeitsbereich der Feuerwehr oder des Rettungsdienstes liegen, werden an die zuständige Einrichtung weitergeleitet. Spee: „Fälle, in denen der Notruf vorsätzlich missbraucht wird, werden zur Anzeige gebracht.“

Von den rund 50.000 Notrufen des vergangenen Jahres führten lediglich 18.000 zu einem Rettungseinsatz und 1900 zu einem Brand- oder Hilfeleistungseinsatz.