30,7 Millionen Euro in Oberhausen verspielt

Einige Betroffene verspielen ihre finanzielle Existenz.
Einige Betroffene verspielen ihre finanzielle Existenz.
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Ein achtstelliger Euro-Betrag wird pro Jahr in Spielautomaten in Oberhausen eingeworfen. Die Stadt profitiert durch die Besteuerung.

Oberhausen.. Rund 30,7 Millionen Euro wurden im vergangenen Jahr in Oberhausener Spielhallen und an Automaten in Gaststätten verspielt. Dies geht aus Zahlen der Landeskoordinierungsstelle für Glücksspielsucht in Nordrhein-Westfalen hervor, welche sich auf eine Erhebung des Vereins Arbeitskreis gegen Spielsucht stützen. Auch im städtischen Haushalt macht sich das Glücksspiel bemerkbar: 2012 verzeichnete die Stadt Erträge in Höhe von fast fünf Millionen Euro, 2013 waren es rund 4,5 Millionen Euro.

Umsatz vor allem dank Süchtiger

„56 Prozent des Umsatzes kommt von Süchtigen“, erklärt Ilona Füchtenschnieder, Geschäftsführerin der Koordinierungsstelle. Dies habe eine Studie der Universität Hamburg ergeben. Mit einem großen Gewinn wollen die Betroffenen die Verluste der vergangenen Woche wieder wettmachen, erklärt Füchtenschnieder. „Das ist eine Abwärtsspirale. Es geht bei vielen Betroffenen um die Existenz.“ Immer mehr Geld wird in die Sucht investiert, so lange, bis es nicht mehr geht. „Die Selbstmordrate unter Spielsüchtigen ist leider erschreckend hoch.“

Aus ihrer Sicht gehen die strengeren Bestimmungen des im November 2012 verabschiedeten Glücksspielstaatsvertrags dabei in die richtige Richtung. Positiv sei zu sehen, dass Mehrfachkonzessionen untersagt werden und der Mindestabstand, den Spielhallen voneinander haben müssen, auf 350 Meter festgesetzt wurde. „Andere Bundesländer, darunter etwa Hessen, gehen in ihren jeweiligen Ausführungsgesetzen aber weiter.“ So sei in Hessen eine Spielsperre eingeführt worden. Spielsüchtige können sich selbst in den staatlich konzessionierten Spielbanken sperren lassen. „Das können auch die Ehepartner veranlassen“, so Füchtenschnieder.

Beratung von Süchtigen

Ein Weg gehe zudem über die Prävention und die Beratung von Süchtigen. Als Positivbeispiel nennt sie die Stadt Bielefeld. „Mit einem Teil der Erträge aus der Vergnügungssteuer werden dort Stellen in Sucht- und der Schuldnerberatung finanziert.“

Wie genau die Stadt Oberhausen mit den neuen Vorgaben des Glücksspielstaatsvertrages umgehen wird, steht noch nicht fest: „Bis zum heutigen Tag hat die Bezirksregierung Düsseldorf noch keine Ausführungsbestimmungen zu diesem Thema mitgeteilt“, heißt es in einer Antwort auf NRZ-Anfrage. Bisher sei nur eine Bestandsaufnahme aller Spielhallen mit Abstandsregelungen etwa zu Kindergärten und Schulen vorgenommen worden. „Eine Umsetzung erfolgt erst nach weiteren Ausführungsbestimmungen.“