23 000 Glockenschläge als Weckruf an Politik und Gesellschaft

Vom „Dicken Pitter“ am Kölner Dom, der größten schwingenden Glocke der Welt, werden sie angestimmt: Heute Abend um 20 Uhr stimmen dann auch Oberhausens Kirchenglocken mit in das große Solidaritätskonzert ein, das vom Erzbistum Köln initiiert wird, um der rund 23 000 Menschen zu gedenken, die seit dem Jahr 2000 im Mittelmeer ihr Leben verloren haben – beim verzweifelten Versuch, sich vor Not und Vertreibung nach Europa zu flüchten. Erzbischof Rainer Maria Kardinal Woelki möchte die Aktion als Weckruf für Gesellschaft und Politik verstanden wissen: „Wir läuten für eine Globalisierung der Nächstenliebe. Es ist an der Zeit, dass wir alle etwas dafür tun“, plädiert er für mehr Solidarität und eine menschliche europäische Flüchtlingspolitik. Diese Position unterstützen Oberhausens Stadtdechant Peter Fabritz und Superintendent Joachim Deterding – und mit ihnen die katholischen und evangelischen Gemeinden der Stadt – und schließen sich der Solidaritätsaktion an. Um 20 Uhr lassen sie die Kirchenglocken läuten: „Wir lesen fast täglich, wie viele Flüchtlinge aus dem Mittelmeer gerettet werden, aber nicht, wie viele ertranken. Ein Riesenskandal“, sagt Deterding: „Tausende von Menschen sterben und wir helfen nicht, obwohl wir könnten. Das ist unterlassene Hilfeleistung.“