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Warnstreik

1200 Beschäftigte gehen auf die Straße

04.02.2010 | 12:45 Uhr
1200 Beschäftigte gehen auf die Straße

Am ersten Warnstreik Verdis in dieser Tarifrunde beteiligen sich 1200 Beschäftigte des öffentlichen Dienstes in Oberhausen.

Die Männer und Frauen sammeln sich früh am Morgen vor dem Zentrum Altenberg. Trinken Kaffee zum Aufwärmen, probieren Pfeifen und Rasseln schon mal aus. Warten geduldig auf dem grauen Pflaster unter einem genauso tristen Himmel. Die Sonne lässt sich nicht blicken. Aber darauf kommt es Verdi-Geschäftsführerin Henrike Greven auch gar nicht an. „Ich habe so einen Schiss gehabt, es könnte schneien, dann wären die Mitarbeiter des Winterdienstes der Stadt nicht gekommen.” So aber sind sie beim Streik dabei.

Beschäftigte aller Bereiche des öffentlichen Dienstes sind vertreten, um die Forderungen Verdis zu unterstützen. 1 200 Menschen gehen bei diesem ersten Streik auf die Straße, dem weitere folgen könnten, wenn die Arbeitgeber der Gewerkschaft am 10. Februar nicht entgegenkommen. „In Oberhausen gibt es etwa 5500 Beschäftigte im öffentlichen Dienst, darunter sind auch Beamte”, sagt der Personalratsvorsitzende der Stadtverwaltung André Auf der Heiden. Einige der Beamten wollten sich aber solidarisch erklären, an der Kundgebung teilnehmen, dafür ausstempeln. Auf der Heiden: „Heute fahren außerdem Feuerwehrkollegen zum Streik nach Wuppertal, natürlich außerhalb der Arbeitszeit.”

Demo-Zug

Pünktlich um 9.30 Uhr setzen sich die Streikenden in Bewegung. Rasseln, pfeifen. Und Henrike Greven erklärt über Mikrophon, warum die Mitarbeiter des öffentlichen Dienstes heute nicht für die Bürger da sind. Die Gewerkschaft fordert ein Paket, das einem Gesamtvolumen von fünf Prozent mehr Geld entspricht. Die Arbeitgeber bieten kein einziges Prozent mehr an. Nichts.

Stolz ist Greven auf das Transparent, dass die Verdi-Jugend am Kopf des Demo-Zuges trägt. Vor dem Landtag ist da die rote Verdi-Kampfente zu sehen nebst dem Spruch: „Alles Quak, sagen wir zu dem, was in der Politik passiert”. Was in Oberhausen mit der Jugend passiert, findet Greven auch nicht gut. „Die Übernahme von Azubis” ist dann auch eine weitere Forderung der Gewerkschaft.

Kundgebung

Erstaunlich fix schiebt sich die Menschen-Masse voran. Passiert den Bahnhofstunnel, wälzt sich über die Marktstraße, hin zum Ziel, dem Bahnhofsvorplatz. Hier soll die Kundgebung stattfinden. Hier ist etwas entschieden anders als sonst. Kein einziger Bus in Sicht. Und eine Leuchttafel der Stoag, auf der normalerweise Busabfahrtszeiten stehen, leuchtet die Info in die Welt: „Wegen eines Streiks wurde der Straßenbahn- und Busverkehr eingestellt.”

Statt der Busmotoren geben Gewerkschafter den Ton an. Auf der Bühne kommen die Vertreter der einzelnen Bereiche des öffentlichen Dienstes zu Wort. „Wir sind nicht privilegiert, wir hinken mit unseren Löhnen seit Jahren der Privatwirtschaft hinterher”, stellt Marianne Broll von der OGM klar. „Wer mit Bananen bezahlt, kann auch nur Affen beschäftigen”, befindet Detlef Scheider von der Stoag. Und Dixie Rothe-Staab (BfO) räumt mit dem Vorurteil auf, Arbeitsplätze im öffentlichen Dienst seien sicher.

Es reicht

Greven macht dann noch deutlich, letztlich geht es um mehr, als nur um Gehaltsforderungen einer Beschäftigtensparte. Es brennt an vielen Ecken. Sie weist auf die erste XL-Schlecker-Filiale hin, die am 26. Februar in Sterkrade eröffnet. 6,50 Euro Lohn pro Stunde gibt es für die Beschäftigten dort. „Wir müssen zeigen, es reicht in diesem Land”, wird die Gewerkschafterin kämpferisch. „Im Mai sind Landtagswahlen, es gibt Alternativen zu Schwarz-Gelb, was die machen, ist alles Quak.”

Andrea Micke

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