105-Trasse in Oberhausen für Busse gesperrt

In der Stadthalle diskutierten Politiker und Stoag-Chef Peter Klunk (re.) über das Für und Wider der Linie 105.
In der Stadthalle diskutierten Politiker und Stoag-Chef Peter Klunk (re.) über das Für und Wider der Linie 105.
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Über drei Stunden haben Leser beim Stadtgespräch über die Linie 105 diskutiert. Offene Fragen wurden beantwortet – Radwege, Stelzen, Industriebrachen.

Oberhausen.. Über drei Stunden hat jüngst Stadtgespräch gedauert, bei dem die VHS, Arbeit und Leben und die WAZ dazu eingeladen haben, über den geplanten Ausbau der Straßenbahnlinie 105 zu diskutieren. Nicht alle Fragen zum Lückenschluss, über den die Oberhausener am 8. März bei einem Ratsbürgerentscheid abstimmen, sind beim Gespräch beantwortet worden. Schriftlich gehen die Stoag-Chefs Peter Klunk und Werner Overkamp auf einzelne Punkte ein.

Warum muss man die Trasse größtenteils als Hochbahn führen? Wäre es nicht billiger, wenn man die kreuzenden Straßen unter die Erde legt und die Bahn ebenerdig führt?

Peter Klunk und Werner Overkamp: Die Trasse hat höhenmäßig unter anderem die Überquerung der Köln-Mindener Eisenbahnstrecke und die Überquerung der Osterfelder Straße. Man führt eine Straßenbahn nicht wie eine Berg- und Talbahn, sondern versucht, sie auf gleichmäßigem Niveau zu halten. Für die höhenmäßigen Zwangspunkte, die relativ nahe beieinander liegen, war es richtig, sich für eine aufgeständerte Trasse zu entscheiden.

Hat man geprüft, ob man die Straßenbahntrasse unterirdisch führt?

Klunk/Overkamp: Eine unterirdische Streckenführung kommt nach Prüfung nicht in Betracht. Darüber hinaus wäre sie um ein Vielfaches teurer als die hier gewählte Trassierung.

Ist das Risiko nicht zu groß, die 105 übers Stahlwerksgelände zu führen, weil man über den Untergrund früherer Fabriken zu wenig weiß?

Klunk/Overkamp: Baugrunduntersuchungen wurden bereits durchgeführt. Die Bodenverhältnisse wurden in der Planung berücksichtigt. „Überraschungen“ sind nach derzeitigem Stand nicht zu erwarten.

Kann die neue Trasse auch von Bussen befahren werden, falls die Bahnen ausfallen?

Klunk/Overkamp: Die Trasse der Strecke VI wird nicht von Bussen im Linienverkehr befahren. Ein gegebenenfalls erforderlicher Schienenersatzverkehr wird über die bestehenden Stadtstraßen abgewickelt.

Um wie viele Meter wird die Essener Straße ab Unterstraße verbreitert? Gibt es einen Fuß-/Radweg?

Klunk/Overkamp: Die Straßenbegrenzungslinien der Essener Straße werden nicht verändert; der Querschnitt wird lediglich neu geordnet. Der öffentliche Verkehrsraum ist so breit, dass die Straßenbahntrasse am Nordrand zusätzlich gebaut werden kann. Der Radweg in Richtung Essen bleibt erhalten bzw. wird als Radfahrstreifen auf Fahrbahnniveau ausgebaut. Zusätzlich wird erstmalig ein Angebotsstreifen für Radfahrer in Richtung Oberhausen hergestellt.

Was passiert mit der Straßenbahn in Oberhausen, wenn Mülheim die Straßenbahn aufgibt?

Klunk/Overkamp: Deshalb ist es gerade wichtig, dass die Stoag einen zweiten Gleisanschluss zu einem bestehenden Straßenbahnnetz bekommt. Es wird aber nicht davon ausgegangen, dass die Strecke der Linie 112 in Mülheim aufgegeben wird

Sind die Straßenbahnen der Linie 105 mit den Bahnen der Linie 112 nach Mülheim kompatibel?

Klunk/Overkamp: Die Fahrzeuge der Linie 112 können derzeit nicht im Essener Streckennetz eingesetzt werden. Andererseits ist geplant, dass zusätzliche neue Fahrzeuge auf der Linie 105 eingesetzt werden sowie Fahrzeuge, die im Bestand der Evag sind.

Haben Sie einen Lückenschluss mit der 103 geprüft, die in Essen-Borbeck an der Wertstraße endet?

Klunk/Overkamp: Nein.

Streckenausbau soll 8400 weitere Fahrten bringen

Woher sollen die 8400 zusätzlichen Fahrten kommen, mit denen die Gutachter werktäglich auf der Strecke der 105 rechnen?

Klunk/Overkamp: Die Fahrgastprognose erfolgte mit Hilfe eines Verkehrsmodells nach den Vorgaben der Standardisierten Bewertung.

Das bereits seit mehreren Jahrzehnten in allen vom Bund mitfinanzierten Stadtbahn-Projekten bewährte Berechnungsverfahren geht davon aus, dass auf der Grundlage von Reisezeitvergleichen ein Teil der Pkw-Verkehre auf den Öffentlichen Verkehr verlagert wird, wenn sich durch eine Maßnahme (in diesem Fall die Verlängerung der Linie 105) auf Verbindungen ein Reisezeitvorteil des Öffentlichen Nahverkehrs gegenüber dem Pkw ergibt. Hinzu kommen neue Fahrten, die erst durch den Streckenneubau entstehen, da sich damit Alternativen bieten, die vorher nicht zur Verfügung standen.

In der Summe ergibt sich infolge der Verlängerung der Linie 105 das Ergebnis von etwa 8400 zusätzlichen Fahrgästen im Öffentlichen Personennahverkehr. Die meisten dieser Fahrten finden auf Verbindungen zwischen Oberhausen-Sterkrade bzw. der Neuen Mitte Oberhausen und den westlichen Essener Stadtteilen statt, da sich auf diesen Verbindungen die Fahrtzeiten deutlich verkürzen.

Berechnungsgrundlage für die Fahrgastprognose war das Verkehrsmodell der Stadt Oberhausen, das neben Oberhausen auch alle Nachbarstädte sowie das Umland abbildet und anhand von Fahrgastzählungen und Pkw-Zählungen geeicht ist.

Zehn neue Arbeitsplätze

Wie viel Planungskosten hat man in den letzten 20 Jahren für das Projekt 105 schon verauslagt?

Klunk/Overkamp: Es wurden etwa vier Millionen Euro – bis heute gerechnet – für die Planung der Strecke ausgegeben.

Inwieweit sind die geplanten Kosten von 81 Millionen Euro belastbar? Wurden Risikozuschläge vorgenommen? Wurden Preissteigerungsraten kalkuliert? Wurden Kostenvoranschläge eingeholt?

Klunk/Overkamp: Die Baukosten wurden auf Grundlage einer Mengenermittlung mit marktkonformen Einheitspreisen berechnet bzw. die von der Planung 2005 bekannten Preise mit dem Baukostenindex hochgerechnet. Die Preissteigerung 2005/2015 in einzelnen Gewerken wurde ebenso berücksichtigt.

Wer zahlt den Mehrbetrag, wenn die Strecke teurer als 81 Millionen Euro wird?

Klunk/Overkamp: Grundsätzlich fördert der Zuwendungsgeber nur die Summe, die im Rahmen des Förderantrags beantragt wird. Dem Förderantrag der Linie 105 wird eine aktualisierte Kostenberechnung, die auf aktueller Planung beruht, zu Grunde gelegt, die bereits einen hohen Genauigkeitsgrad aufweist und deshalb auch eine hohe Kostensicherheit gewährleistet. Ergeben sich im Zuge des Baufortschritts Änderungen am geplanten Vorhaben – beispielsweise durch unvorhersehbare Ereignisse oder bauliche Gegebenheiten – ist es möglich, diesen geänderten Parametern mittels eines Änderungsantrags Rechnung zu tragen. Die Zusatzkosten können dann mit der ursprünglich vereinbarten Förderquote ebenfalls gefördert werden. Das darüber hinausgehende Kostenrisiko trägt der Vorhabenträger.

Welche Kosten entstehen für den Kauf neuer Bahnen? Wer trägt sie?

Klunk/Overkamp: Eine neue Straßenbahn kostet etwa zwei Millionen Euro. Es werden für die Linie 105 drei zusätzliche Straßenbahnen benötigt. Diese sind aber bei der Folgekostenrechnung schon berücksichtigt

Gibt es neue Arbeitsplätze bei der Stoag, wenn die 105 kommt?

Klunk/Overkamp: Im Fahrdienst werden etwa zehn neue Arbeitsplätze eingerichtet.