Medizinforum
100 Gäste bei WAZ-Medizinforum
18.05.2010 | 17:38 Uhr 2010-05-18T17:38:00+0200
Oberhausen.Oberhausen. Stürzen, sich auf die alten Tage noch die Knochen brechen – das Thema beschäftigt mehr Oberhausener, als es zunächst den Anschein hat. Rund hundert Leser waren am Montag der Einladung unserer Redaktion gefolgt und hatten sich beim zweiten WAZ-Medizinforum über Knochenbrüche im Alter informiert. Dr. Thomas Friess, Chefarzt der Unfallchirurgie, und Dr. Theodor Nienhaus, Chefarzt der Geriatrie des St. Clemens Hospitals, sowie Dr. Holger Ernst, Leiter des Reha-Zentrums Oberhausen, stellten sich den Fragen der Gäste. Ganz nach unserem Motto: „Medizin und Mediziner zum Anfassen“.
Dabei könnte man meinen, ein Bruch wird operiert und gut ist. Weit gefehlt, wie Friess deutlich machte. „Trotz Hochleistungsmedizin liegt die Sterblichkeit bei einem Oberschenkelhalsbruch bei bis zu 60 Prozent“. In das betroffene Schweigen der Zuhörer sendete er aber bald auch eine gute Nachricht: Arbeiten Chirurgen, Geriater und Rehabilitation von Anfang an eng zusammen, wie es im Zentrum für Altersfrakturen des St. Clemens der Fall ist, lässt sich dieses Risiko erheblich senken. Denn dazu muss man den ganzen Menschen behandeln, mit seinen Vorerkrankungen, wie Diabetes, Ernährungsdefizite oder eine Herzschwäche.
Auch wenn die Veranstaltung am Montag „Der Anfang vom Ende?“, titelte: Das WAZ-Medizinforum fängt gerade erst richtig an. Weiter geht es am 21. Juni mit dem Thema „Endoprothetik“ im Marien-Hospital. Hier können Sie alles über künstliche Hüft- und Kniegelenke erfahren. Wie Sie sich anmelden, welche Mediziner sich ihren Fragen stellen und welche Vorträge sie halten, erfahren Sie natürlich rechtzeitig vorher in Ihrer WAZ Oberhausen oder auf www.derwesten.de/oberhausen.
Eine Selbstverständlichkeit, sollte man meinen, wie auch Moderator und Redaktionsleiter Thomas Schmitt feststellte. Friess sparte denn auch nicht an Kritik: „Wir leiden in Deutschland an einem Organsystem. Jeder macht das, was er gelernt hat. Aber in Bezug auf den gesamten Organismus bringt das nichts. Ziel ist ja nicht, den Knochen wiederherzustellen. Sie müssen das Ganze auch überleben.“
Und wer sich wieder früh aus dem Bett bewegt, dem gelingt das besser, wie Altersmediziner Nienhaus deutlich machte. „Und da reicht nicht nur ein bisschen Krankengymnastik.“ Für eine objektive Einschätzung werden am Anfang der Früh-Rehabilitation im St. Clemens Mobilität, Selbsthilfefähigkeit, Denkfähigkeit, Gefühlswelt und die soziale Versorgung der Patienten getestet. Danach gibt es einen individuellen Behandlungsplan. Wenn alles gut läuft, erreicht der Kandidat am Ende der Therapie eine hohe Punktzahl: „Wir konnten Gleichgewicht und Gehfähigkeit um über 70 Prozent verbessern“, zitiert er die Zahlen der klinikinternen Früh-Reha aus dem Jahr 2009.
Doch kann man nicht etwas tun, „bevor der Alte in den Brunnen fällt“, wie es ein Leser formulierte? Man kann, versicherte der Reha-Mediziner Ernst. „Fallen ist nicht das Problem, sie müssen nur richtig landen“, erklärte der Arzt schmunzelnd und präsentierte den Anwesenden ein Novum: Im Reha-Zentrum Oberhausen können Menschen, die auf den eigenen Beinen unsicher geworden sind, einen Kurs zur „Sturzprophylaxe“ belegen. Nach vorne, hinten, zur Seite – dort wird Fallen in jeder Lebenslage eingeübt. Und die Muskelgruppen trainiert, die den Körper stabilisieren. Das brandneue Programm kostet 200 Euro und wird bisher nur von der BKK vor Ort komplett übernommen. Der anwesende Regionaldirektor der AOK Oberhausen, Hans-Werner Stratmann, versicherte allerdings auf Nachfrage, dass eine Teilerstattung (max. 75 Euro) auch bei der AOK sehr wahrscheinlich möglich ist. In der Regel ziehen nach einer solchen Entscheidung auch die anderen Kassen nach.

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