Das aktuelle Wetter NRW 2°C

Facettenreiche Feuerwehr

Nichts geht ohne Vertrauen

16.07.2010 | 14:50 Uhr
Nichts geht ohne Vertrauen
Die Jugendfeuerwehr Shamrock aus Herne übt die Bekämpfung eines Böschung-Brandes auf einem Brach-Gelände an der Hülsstraße. Marcel und Christian (li.) verspritzen viel Wasser. Foto: Olaf Ziegler / WAZ FotoPool

Herne.„Drittes C-Rohr Wasser marsch!“, fordert Victoria Opsölder (15) laut rufend. Ihre Kameradin Laura Waitschies (16) antwortet: „Drittes C-Rohr Wasser kommt!“ Der Schlauch füllt sich.

Nach Bruchteilen einer Sekunde kommt das Wasser tatsächlich – und zwar mit 200 Litern am Rohr, also 200 Litern pro Minute, und einem Druck von 8 Bar. Teilweise halten die Jugendlichen der Wanne-Eickeler Jugendfeuerwehr „Shamrock“ die Schläuche zu zweit. Den Strahl richten sie auf einen vermeintlichen Böschungsbrand in einem Industriegebiet in Holsterhausen.

Obwohl die Jugendfeuerwehr noch keine richtigen Einsätze fährt, übt sie schon jetzt einen Löschangriff auf einen nicht brennenden Busch. Uwe Windender (52), Abteilungsleiter Einsatzplanung, Organisation und Freiwillige Feuerwehr bei der Berufsfeuerwehr, sagt: „Spielerisch lernen die Jugendlichen den Ernstfall. Die sind alle ganz stolz, mit richtiger Uniform dabei sein zu können. Es ist schon ‘was besonderes, in einem richtigen Einsatzwagen mitzufahren.“

Einmal in der Woche trifft sich die Jugendfeuerwehr „Shamrock“. In den Wintermonaten lernen die Jugendlichen die nötige Theorie, im Sommer geht es ‘raus: Unfallverhütungsvorschriften, Knoten und Stiche, Rechtsgrundlagen – das theoretische Wissen muss in den Übungen angewandt werden. Zu den regelmäßigen Treffen kommen Extradienste wie der Sportdienst einmal im Monat sowie Freizeitfahrten und Ausflüge. Welche Sportarten ausprobiert werden, ob man gemeinsam Eisessen geht oder Kultur auf dem Programm steht, hängt von den Jugendlichen ab. „Bei uns entscheiden sie selbst, was gemacht wird“, sagt Ausbilder Heinz Hermann Stefanski (56). „Den Dienstplan gestalten die Jugendlichen.“

Laura Waitschies ist Sprecherin der Jugendfeuerwehr und seit drei Jahren dabei. Was ihr an der Jugendfeuerwehr gefällt? „Die Gruppe im Allgemeinen“, so die 16-Jährige. „Wenn man eine gute Gruppe hat, dann kommt man auch immer wieder“, ist sie sich sicher.

Zusammenhalt in der Gruppe ist generell ein wichtiger Faktor bei der Feuerwehr. „Ohne Vertrauen läuft hier gar nichts“, betont Heinz Hermann Stefanski. „Man muss sich immer auf seine Leute verlassen können.“

Dass sich das Vertrauen mit der Zeit aufbaut, hält Kai Geisler (15) für selbstverständlich: „Das ist einfach passiert.“ Ausbilder Stefanski schränkt ein: „Ein bisschen Arbeit gehört aber auch dazu. Manch einer muss über seinen Schatten springen und auf andere zugehen. Wenn man nur in der Ecke steht, geht das nicht.“ Auch das Alter spielt eine Rolle. Zwischen zwölf und 18 Jahren sind die Jugendfeuerwehrler alt. „Da ist der eine schon fast erwachsen, der andere fast noch ein Kind“, so Heinz Hermann Stefanski.

Nicht jeder, der das 18. Lebensjahr vollendet hat, wechselt danach automatisch zur Freiwilligen Feuerwehr. „Man kann bis zum 27. Lebensjahr bei der Jugendfeuerwehr bleiben, danach dann als Ausbilder oder Betreuer“, stellt Uwe Windener klar. Laura freut sich jedoch schon auf die Freiwillige Feuerwehr. Angst vor richtigen Einsätzen hat sie keine. „Bei den jungen Leuten spielt die Gefahr noch keine so große Rolle“, sagt Feuerwehrmann Windener, „aber auch darauf bereiten wir die Jugendlichen hier schon vor.“

Jennifer Kalischewski

Facebook
 
Kommentare
Trackbacks

Die Trackback URL zu diesem Artikel ist: http://www.derwesten.de/services/trackbacks/article/3388916/create

Neueste Aktivität
Aktuelle Fotos und Videos
Aus dem Ressort
Routine auf dem Snowboard
Guano-Apes-Konzert im...
Die Crossover-Rocker der Guano Apes präsentierten sich im Stahlwerk gereift, aber auch wenig dynamisch
Kein neuer Kinderarzt für den Essener Norden
Medizin
Lange Zeit wartete der Essener Norden auf einen neuen Kinderarzt, Ende 2011 zeichnete sich eine Lösung ab. Die scheitert jetzt an einer gesetzlichen Änderung. Die Vorsitzende des Gesundheitsausschusses spricht von einer „Katastrophe“ für die Bewohner von Altenessen, Karnap und Vogelheim.
1 Kommentare 1