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Kulturhauptstadt : So sind Helden

Neukirchen-Vluyn, 08.02.2010, Karen Kliem

Neukirchen-Vluyn. Was für ein Finale furioso! Wenn Menschen eines Ortes im weiten Kulturhauptstadt-Land mit dem Begriff „Local Heroes” etwas anfangen können, dann dürften es nun die Neukirchen-Vluyner sein.

So viele junge Menschen waren direkt ins Programm eingebunden, so viele Eltern, Großeltern, Onkels und Tanten haben Anteil genommen – wie besser kann man eine auf den ersten Blick sperrige Aktion in die Herzen transportieren?

Offensichtlicher Beweis, das Neukirchen-Vluyn mit seinem Konzept auf jeden Fall seine Bürger erreicht hat, war die Abschlussveranstaltung im Julius-Stursberg-Gymnasium am Samstag. Zeitweise war die Aula, waren die Gänge gepackt voll, als die lokalen Helden Ausschnitte aus ihren Workshops, Veranstaltungen und Aktionen präsentierten. Mit einem vierstündigen, bunten und kurzweiligen Programm aus Theater, Musik und Tanz.

Vielleicht ist es nicht allerhöchster Kunstgenuss, wenn Achtklässler „Wilhelm Tell” deklamieren. Vielleicht gibt es begnadetere Rapper und HipHopper in diesem Land als die vom Jugendzentrum Klingerhuf. Aber so standen wirklich die im Rampenlicht, die ohne Ruhr.2010 vielleicht nicht so viel Aufmerksamkeit bekommen hätten, und die selber womöglich das Kulturhauptstadtjahr gar nicht so wahrgenommen hätten.

Vom Turbo-Abi zum Turbo-Tell

Die lokalen Helden sorgten ganz nebenbei – wie man am Rande von den Besuchern hören konnte – für (kommunal)politischen Gesprächsstoff: „So viele Kinder, die sich über das Jugendzentrum Klingerhuf präsentierten – da sieht man mal, wie wichtig diese Einrichtung ist.” Oder: „Ist der Turbo-Tell der Stursberg-Gymnasiasten das, was den Turbo-Abiturienten demnächst an Allgemeinbildung bleibt?

Auch der Kulturbeauftragte der Stadt Neukirchen-Vluyn, Franjo Terhardt, war mit dem Ergebnis dieser eigenwilligen Local-Hero-Woche zufrieden: „Natürlich hätten wir das Rockorchester Ruhrgebiet buchen können oder andere große Acts, aber da hätten sich nicht so viele Menschen eingebunden gefühlt. So haben wir das Geld des Kulturministeriums für unsere Schüler ausgegeben. Und bewiesen, das in Neukirchen-Vluyn alle mitgetan haben, vom Heimatverein bis zur Grundschule.”

So zeigten beispielsweise die Kleinen der Antoniusgrundschule „Tanzkunst im Feengarten”, Schüler der Friedensreich-Hundertwasser-Grundschule hatten sichtlichen Spaß, das Ein-Satz-Gedicht „Fünfter sein” von Ernst Jandl in Schauspiel umzusetzten. Eltern und Geschwister waren bei den Ständen, die von der niederrheinischen Kaffeetafel bis zum türkischen Tee allerlei im Angebot hatten, im Einsatz. So eine Eselsdressur wie die aus dem Varieté des Julius-Stursberg-Gymnasiums sieht die Welt auch nicht alle Tage.

Und solche lokalen Helden auch nicht.

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