Pflegegruppe zieht in Quartier ein
14.02.2012 | 17:41 Uhr 2012-02-14T17:41:00+0100
Neuenrade. Demenz-Kranke sollen im Quartier am Stadtgarten in Neuenrade 24 Stunden betreut werden: Das Perthes-Werk wird Ecoplan-Partner. Im Erdgeschoss des unter Denkmalschutz stehenden Gebäudes der ehemaligen Vaterlandwerke entstehen die Wohnungen, insgesamt zwölf Appartements.
Der ehemalige Fußballmanager (FC Schalke) Rudi Assauer macht in seiner Autobiographie seine Alzheimer-Erkrankung, eine Form der Demenzkrankheit öffentlich, er hat mit diesem Schritt dafür gesorgt, dass über diese Krankheit, die gerne in unserer Gesellschaft verdrängt wird, ein wenig ehrlicher und offener diskutiert wird. Eine Krankheit, für die es leider noch keine Heilmittel gibt.
Doch es gibt viele Einrichtungen, in denen Patienten professionell begleitet werden. Eine solche „Demenz-Gruppe“ entsteht derzeit auch in Neuenrade, im Neubau „Quartier am Stadtgarten“. „Im Familien- oder Bekanntenkreis hat fast jeder schon einmal Kontakt mit dieser Krankheit gehabt, so ging es auch mir. Die Idee, entsprechende Wohneinheiten einzurichten, gibt es schon länger“, so Ruth Echterhage, Projektleiterin der Ecoplan GmbH, die den Bau errichtet.
„Opa“ Karl war eingeselliger Mensch
Im Erdgeschoss des unter Denkmalschutz stehenden Gebäudes der ehemaligen Vaterlandwerke entstehen die Wohnungen, insgesamt zwölf Appartements. Auf der Etage sind neben diesen Appartements verschiedene Gemeinschaftseinrichtungen sowie Räume für das Betreuungspersonal geplant. Es wird eine 24-Stunden-Betreuung geben.
Auf dieser Ebene wird auch das „Café Karl“ entstehen, eine „halb öffentliche“ Einrichtung, wenn zum Beispiel Quartier-Bewohner Besuch bekommen. Der Name „Café Karl“ hat übrigens auch einen familiären Hintergrund, Ruth Echterhage: „Mit diesem Namen möchten wir an unseren „Opa“ Karl erinnern, meinen Schwiegervater, der war ein sehr geselliger Mensch.“
Und zur Pflegeeinrichtung erklärt sie weiter: „Bei der Suche nach einem Partner für diese Einrichtung hat es verschiedene Optionen gegeben, es wird jetzt eine Zusammenarbeit mit dem Evangelischen Perthes Werk geben. Eine ideale Lösung, denn so schließt sich in Neuenrade ein Kreis.“
Das Perthes-Werk betreibt an über 30 Standorten diakonische Einrichtungen, in der Hönnestadt bekanntlich das Evangelische Altenzentrum. Echterhage: „Schon beim Bau der Wohnanlage Mühlendorf gab es Überlegungen für eine solche Gruppe, im Altenzentrum hat man Erfahrungen mit dieser Krankheit, alle drei Einrichtungen zusammen könnten sich ergänzen.“
Um die Wohngruppe zu fördern (Innenausstattung, technische Geräte, usw.), wird das Ehepaar Echterhage noch zusätzlich eine hohe sechsstellige Summe investieren, die letztlich nicht durch Mieteinnahmen gedeckt ist.
Das aber ist aktuell noch Zukunftsmusik, erst 2013 – bis dahin wird es noch viele Informationen geben – wird das „Quartier am Stadtgarten“ fertiggestellt sein – obwohl: Bereits Mitte März dieses Jahres zieht in die Büroräume im Vaterland-Altbau der erste Mieter ein.
Neu-Mieter-Diskussion ärgert Ruth Echterhage
Die Neubau-Mieter werden dagegen noch einige Monate warten müssen, obwohl darüber schon viele in der Stadt geredet wird.
Diskussionen, die Ruth Echterhage teilweise gar nicht gefallen, da kommen „Querschüsse“ in erster Linie aus dem politischen Bereich. Echterhage: „Eigentlich unverständlich, in mehreren Sitzungen haben sich Kommunalpolitiker mit dem Projekt beschäftigt, da kam keine Kritik, alle Genehmigungen wurden einstimmig erteilt.“
Die Vorwürfe, die da auftauchen, beschäftigen sich mit den zukünftigen Mietern, die die Einzelhandelsflächen belegen werden. Kritiker meinen, hier würden Geschäfte nur von der Ersten Straße an einen neuen Standort verlegt, zurück bleibe Leerstand.
Es handelt sich um ein Textilgeschäft, eine Drogerie, die Gertruden-Apotheke – diese drei Anbieter sind bisher an der Ersten Straße, haben angegeben, dass sie schon länger nach Möglichkeiten gesucht haben, sich zu vergrößern. Echterhage: „Einer hatte erklärt, dass er schon über Abwanderung in eine Nachbarstadt nachgedacht hatte.“ Die Eisdiele aus der Zweiten Straße wird im neuen Objekt eine Zweigstelle eröffnen, dazu kommt ein Blumenladen.
Die zukünftigen Mieter waren durchweg von sich aus schon im Frühstadium der Planungen auf die Ecoplan zugekommen. Insgesamt gab es 23 Anfragen, die Hälfte war aber schon aus bautechnischen Gründen gar nicht realisierbar – nur einer der „realisierbaren Kandidaten“ kam übrigens „nicht“ aus Neuenrade.
Apropos Leerstand – Ruth Echterhage regt zusätzlich an, dass man vielleicht auch versuchen sollte, über das Amt für Wirtschaftsförderung Vermieter (in der Ersten Straße) und Bewerber (die sich bei der Ecoplan gemeldet haben) für andere Objekte in Neuenrade zu interessieren.
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