Kunst und Kites
Drachen fliegen ohne Motor
10.09.2009 | 15:38 Uhr 2009-09-10T15:38:00+0200Neuenrade. Der Vortrieb muss größer als der Luftwiderstand sein, der Auftrieb, bedingt durch die Form der Flügel, größer als das Gewicht - dann können sich Flugzeuge in die Luft erheben.
Angefangen hat alles mit Drachen, auch Otto Lilienthal legte mit einem Drachen die ersten Flugmeter zurück, noch ohne Vortrieb, ein geeigneter Motor stand vor über 100 Jahren nicht zur Verfügung.
„Das ist der entscheidende Unterschied zwischen dem Flugzeug und dem Drachen, der Motor, der bei unseren Drachen durch den Wind und die Schnur ersetzt wird”, so Werner Pannewig in „Kurzform” zu den physikalischen Voraussetzungen, dass der Drachen fliegt. Er ist neben Joachim Kneer, Vorsitzender LSV Sauerland, Hauptorganisator des großen Drachenfestes am Wochenende auf dem Flugplatz in Küntrop.
Das Drachenfest 2009 des Luftsportvereins Sauerland findet am 12. und 13. September statt.
Am Samstag und Sonntag von 10 bis 18 Uhr gibt es Drachenausstellung, Kunstgasse, Drachenbauen und fliegen lassen – auf dem Flugplatz in Neuenrade-Küntrop.
Höhepunkt des Festes ist am Sonntag ab 14.30 Uhr die Kunstdrachenversteigerung, unter anderem mit zwei Dracheneemplaren von Prof. Erich Reusch. Der Erlös der Aktion "Drachenflieger mit helfenden Händen" ist für karitative Zwecke.
Das Motto in diesem Jahr - „Kunst & Kites” hat auch etwas mit der Geschichte des Drachenfliegens zu tun. Da denkt man nicht unbedingt an Otto Lilienthal, sondern eher an die Chinesen, die die ersten Drachen schon vor über 2000 Jahren gebaut haben, das waren regelrechte Kunstwerke.
Bereits seit Anfang dieser Woche ist der „harte Kern” der Drachen-Freunde mit Wohnmobilen auf dem Flugplatzgelände eingetroffen, „...schließlich haben wir hier für Samstag und Sonntag viel vorzubereiten”, so Werner Pannewig und sein Solinger Drachen-Freund Jürgen Knecht. Im Gespräch merkt man es ihnen an, wie sie sich auf die zweitägige Veranstaltung freuen, für die sie sich neben vielen Besuchern vor allem trockenes Wetter und „den Wind aus der richtigen Richtung” wünschen.
Wenn man mit den Drachen-Experten über ihr Hobby spricht, dann wird man mit Informationen geradezu überhäuft, da wundert man sich auch, dass es in Deutschland noch kein Drachenmuseum gibt. „Dafür haben wir keine Lobby, es hat einmal in Norddeutschland einen Versuch gegeben, doch es gibt leider keine Stadt, die daran Interesse hat”, bedauert Werner Pannewig.
Obwohl das für viele Kommunen sicher eine absolute Bereicherung wäre. Drachenfliegen, das ist nicht nur „mit einer langen Schnur über eine Wiese rennen”, da gibt es zum Beispiel auch einen geschichtlich großen Bereich der militärischen Nutzung! In Europa ist den Drachen-Freunden kein Museum bekannt, in Kanada steht wohl eins.
Beim Besuch der WR am Dienstag stellte Werner Pannewig einen weiteren Drachenfreund vor, Axel Goldbach aus Hamburg. Der hat einige regelrechte „Schätze” dabei: Über 100 Jahre alte Drachen der Firma Steiff. Axel Goldbach: „Die Teddys von Margarete Steiff sind weltbekannt, sie hatte aber einen Neffen, der war leidenschaftlicher Drachenflieger, die Drachen von Steiff haben auch den berühmten Knopf!”
Die meisten „Oldies der Lüfte” von Axel Goldbach sind noch flugfähig
, doch er geht natürlich sehr vorsichtig damit um. Die Besucher am Samstag und Sonntag können sich diese „Schätze” auf jeden Fall auch ansehen. Und das sind nicht die einzigen Überraschungen, die die Veranstalter zu bieten haben.
Mehrere deutsche Meister haben ihre Teilnahme am Fest angekündigt, außerdem hat sich, passend zum Veranstaltungs-Motto, der Drachenbau-Künstler Willi Koch (Nettetal) angekündigt. Bei der Gestaltung seiner Modelle bedient sich Willi Koch aus dem reichen kulturellen Fundus der Ursprungsländer der Drachenbaukunst im asiatischen Raum und Südamerika.
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