Streikende Erzieherinnen fallen Müttern in den Rücken

Streik der Ezieherinnen (WP/WR-Bericht vom 14. Mai: „Wir sorgen für das Wertvollste, die Kinder!“)..  Die gute Nachricht: Rund 75 Prozent der Erzieherinnen, die bei der Stadt Arnsberg beschäftigt sind, haben sich am Mittwoch, 13. Mai, nicht an dem Streik beteiligt. Sie haben offenbar erkannt, dass ein „unbefristeter“ (!) Streik mit ihrer beruflichen Fürsorgepflicht unvereinbar ist und es vermieden, den ohnehin meist sehr belasteten Müttern in den Rücken zu fallen.


Eine angemessene Bezahlung muss auf andere Weise erstritten werden. Ob die Erzieherinnen insgesamt unterbezahlt sind, kann ich nicht beurteilen. Mir kommt jedenfalls ein Gehalt von 2366 Euro brutto im 1. Berufsjahr nicht eklatant niedrig vor, wenn man bedenkt, wie lange in diesem Alter viele andere junge Leute noch lernen und Examen ablegen müssen, ehe sie ihr erstes Geld verdienen.


Und wer die Zustände in Wissenschaft und Kultur berücksichtigt, wo sich mancher den Mindestlohn ersehnt, hält die Forderungen der Erzieherinnen und der Gewerkschaft Verdi erst recht für überzogen. „Arbeitsplatzunsicherheit“ betrifft nicht allein die Erzieherinnen; sie ist die Errungenschaft der neo-liberalen Wirtschaftsform.


Bei manchen Sprüchen, die sie mit sich führten, konnte man zweifeln, ob die Streikenden die soziale Kompetenz besitzen, die sie ihren Schutzbefohlenen beibringen sollen. Wer den Kampf der Frauen um Gleichberechtigung in den letzten 70 Jahren kennt, weiß auch, dass - trotz Passus im Grundgesetz - noch nicht alles erreicht ist. Es gibt ihn noch nicht allgemein, den gleichen Lohn für gleiche Arbeit. Dafür muss notfalls gekämpft werden, aber nicht zu Lasten derjenigen, denen es am meisten weh tut.
Charlotte Müller-Holzapfel,
Arnsberg