Streikbereitschaft der Erzieherinnen deutlich gestiegen

Protestmarsch der streikenden Erzieherinnen und Sozialarbeiter
Protestmarsch der streikenden Erzieherinnen und Sozialarbeiter
Foto: WP

Neheim.. Rund 150 streikende Erzieherinnen und Sozialarbeiter aus Arnsberg, Brilon, Marsberg, Warstein, Lippstadt und Dortmund sowie einige sich solidarisch erklärende Mütter von Kindern aus bestreikten Kitas protestierten am Mittwochmorgen in Neheim.

Sie zogen vom Bexleyplatz (Oberstadtbrunnen) zum Rathausplatz. Dort sprachen Vertreter der Gewerkschaft Verdi, die zu dem Protestmarsch aufgerufen hatten. Es handelte sich um die zentrale Kundgebung, die Verdi im Bezirk Hellweg-Hochsauerland veranstaltet hatte.

Die Streikenden wollten mit der Demo auf ihre Forderung im aktuellen Tarifkonflikt (mehr Anerkennung für ihren Beruf durch deutlich höhere Gehaltszahlung) aufmerksam machen. Dies gelang unüberhörbar und unübersehbar, denn mit Pfeifen, Trommeln, Plakaten und Fahnen zogen die rote Verdi-Westen tragenden Streikenden (hauptsächlich Erziehereinnen aus kommunalen Kitas) durch die Neheimer Straßen.

„Kein Sandkastentarif!“

Die Streikbereitschaft der Erzieherinnen aus städtischen Kitas ist in den vergangenen Tagen deutlich gestiegen. Während vor einer Woche noch 39 der insgesamt 151 Erzieherinnen der Stadt Arnsberg die Arbeit niederlegten und an einem Info-Stand in der Fußgängerzone Flagge zeigten, streikten jetzt 61 städtische Erzieherinnen. Hinzu kamen 20 städtische Sozialarbeiter, die für zwei Stunden - zur Teilnahme am Protestmarsch - die Arbeit niederlegten. Zwei Sozialarbeiter befanden sich wie auch viele streikende Erzieherinnen seit 11. Mai im unbefristeten Arbeitsausstand (Zahlen-Angaben laut Stadtverwaltung Arnsberg). Beim Streik geht’s insbesondere um höhere Gehälter für die kommunalen Mitarbeiter im Sozial- und Erziehungsdienst.

In Neheim hielten Erzieherinnen Protestplakate hoch, auf denen zum Beispiel stand: „Wir haben mehr verdient als Sandkasten-Tarif!“ oder: „Wir bilden Kinder und möchten auch so bezahlt werden!“ Eine Mitarbeiterin aus dem Herdringer Kindergarten „Krähennest“ zog einen Bollwerwagen, auf dem die vielen Aufgaben einer Erzieherin (von der Sprachförderung über Inklusion bis zur Bildungsdokumentation) dargestellt wurden. Alle vier Redner vor dem Rathausplatz (Verdi-Sekretär Dirk Riesner, Verdi-Bezirksgeschäftsführer Wolfgang Schlenke, Sozialarbeiter und Verdi-Mitglied Dietmar Schwalm sowie als Gast aus Dortmund: Erzieher Patrick Meyer) betonten imm er wieder „Mehr Anerkennung für Erzieherinnen und Sozialarbeiter bedeutet auch mehr Geld.“ So skandierten die 150 Leute vor dem Rathaus minutenlang an die Adresse der kommunalen Arbeitgeber: „Auf-wer-ten! Auf-wer - ten! Auf- wer-ten!“

HINTERGRUND

DGB-Kreisverbandsvorsitzender Wolfgang Zeh forderte Bürgermeister Vogel und weitere elf Bürgermeister im HSK schriftlich auf, die Verdi-Tarifforderungen für den Erziehungs- und Sozialdienst zu unterstützen.

„Sollte die Kommunalaufsicht Vogels Absicht, Kita-Beiträge an Eltern anteilig zurückzuerstatten, nicht genehmigen, sollte die Stadt Arnsberg die im Streik gesparten Gehälter den Kitas zur Verfügung stellen“, fordert die Arnsberger Fraktion „Die Linke“.

Laut Stadt wurde bisher kein Kind, das in einer Notgruppe unterzubringen war, abgewiesen.