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Hitlerjunge Salomon

Sally Perel: „Ich log, um nicht erschossen zu werden“

24.01.2015 | 14:00 Uhr
Sally Perel: „Ich log, um nicht erschossen zu werden“
Sally PFoto: Ted Jones

Neheim. Die Dramatik im Angesicht einer drohenden Erschießung in letzter Minute doch noch dem Tod zu entrinnen - das war kein erfundener Krimi, sondern geschichtliche Realität, über die der fast 90-jährige Sally Perel gestern vor rund 300 Schülern im Neheimer St.-Ursula-Gymnasium referierte. Sally Perel sprach über seine Leidenszeit als junger Jude im Dritten Reich und über sein Überleben als „Hitlerjunge Salomon“, worüber er 1993 ein Buch verfasste, das mittlerweile in 27. Auflage erschienen ist.

Schlimme Erlebnisse

Wie wurde Sally Perel zum „Hitlerjungen Salomon“? Es begann 1935 mit der Einführung der Nürnberger Rassegesetze, als der damals 10-jähriger Sally Perel erstmals den nationalsozialistischen Hass auf Juden am eigenen Leib spürte. „Ich wurde vom Direktor meiner Schule rausgeschmissen - das war für mich in meiner Kindheit das schlimmste Erlebnis“, erzählt der 89-Jährige. Doch als Jugendlicher sollte es noch schlimmer kommen.

Dem Holocaust fallen Vater, Mutter und Schwester zum Opfer

Die Rabbiner-Familie Perel siedelte ins sowjetisch besetzte Ost-Polen um, war aber dort nach dem Überfall auf Russland auch nicht mehr sicher. Aus Angst vor dem Getto und einer Deportation trennten sich die Eltern von ihrem Sohn Sally. Die Mutter sagte: „Du sollst leben!“ Später fielen Sallys Eltern sowie seine Schwester dem Holocaust zum Opfer.

Vor dem Bomben-Inferno in Ostpolen floh Sally Perel ins weißrussische Minsk. „Dort wurden die Flüchtlinge zusammengetrieben und die Wehrmacht sortierte Arier und Juden aus. Die aussortierten Juden wurden kurz darauf von SS-Truppen in einem benachbarten Wald erschossen. Ich bibberte um mein Leben, zumal die Soldaten viele Männer in der Menschenmasse bereits aufgefordert hatten, ihre Hose runterzulassen, um zu kontrollieren, ob sie wegen der Beschneidung Juden waren“, erzählt Sally Perel.

„Ich erinnerte mich an meine Mutter, die zu mir sagte: ,Du sollst leben!’ Und mein Überlebensinstinkt war stärker als die Mahnung meines Vaters ,Bleib immer Jude!’. Ich log also und sagte voller Selbstbewusstsein zu einem Soldaten: ,Ich bin Volksdeutscher!’ Das hatte dem Soldaten so imponiert, dass er mich ohne Beschneidungskontrolle laufen ließ.

Unter seiner schnell erfundenen neuen Identität, er nannte sich fortan Jupp Perjell (Sally hatte zuvor seine alten Ausweispapiere vergraben) wurde er Dolmetscher in der Wehrmacht und ein Hauptmann nahm sich des „Waisenkindes“ an.

So kam er 1941 zur HJ-Schule in Braunschweig. Hier erlebte er eine Zerrissenheit seiner Gefühle. Um zu überleben schrie er mit den anderen Hitlerjungen „Sieg heil!“, doch „im Innersten wünschte ich dem jüdischen Volk den Sieg“, so Perel. Angesichts der Todeshetze gegen Juden, der er ja nicht offen widersprechen konnte, fing er an, sich selbst zu hassen, doch vier Jahre hielt er all dies aus - und überlebte!

Die SUG-Schüler waren von Perels Vortrag sichtlich ergriffen. Als er seinen Bericht beendet hatte, standen 300 Leute im Saal auf und dankten ihm mit viel Applaus.

HINTERGRUND

Aufklärung tut not: Klare Kante gegen Neo-Nazis

Als Sally Perel in seinem Vortrag über den Massenmord an Juden im Dritten Reich sprach, zeigt er klare Kante zu heutigen Neo-Nazis: „Wer heute Auschwitz leugnet, ist ein Dummkopf. Wer die Wahrheit kennt und dennoch von Auschwitz-Lüge spricht, ist ein Verbrecher!“ Als Sally Perel nach dem Zweiten Weltkrieg die Gedenkstätte in Auschwitz besucht hatte, war für ihn klar: „So lange ich laufen kann, werde ich Vorträge halten und meinen Beitrag dazu leisten, damit Auschwitz nie in Vergessenheit gerät.“

Martin Schwarz

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2015-01-24 14:00
Neheim und Hüsten