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Steuernachforderungen

Reiterverein Neheim-Hüsten stellte Insolvenzantrag

30.07.2012 | 18:21 Uhr
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Reiterverein Neheim-Hüsten stellte Insolvenzantrag
Blick in die Vergangenheit: Charlotte Wrede beim Reitturnier in Herdringen im September 2008. Der ZRFV Neheim-Hüsten, der am 20. Juli 2012 Insolvenz angemeldet hat, sagte das diesjährige Herbstturnier ab. Archiv-Foto: Fabian Stratenschulte

Arnsberg.   Der Zucht-, Reit- und Fahrverein (ZRFV) Neheim-Hüsten hat - wie jetzt bekannt wurde - am 20. Juli 2012 beim Amtsgericht Arnsberg einen Antrag auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens gestellt.

Zum vorläufigen Insolvenzverwalter hat das Gericht den Rechtsanwalt Dr. Axel Kampmann aus der Dortmunder Kanzlei Husemann & Partner bestellt. Dass der renommierte, rund 300 Mitglieder starke Reiterverein Neheim-Hüsten, der auf eine 87-jährige Vereinsgeschichte zurückblicken kann, Insolvenz anmelden musste, hat viele Bürger in der Stadt Arnsberg und Umgebung überrascht. Nach den Gründen der Insolvenz fragte die Westfalenpost den 2. Vereinsvorsitzenden Bernd Werneke (der geschäftsführende Vorstand Dieter Latzer ist derzeit in Urlaub).

„Unserem Verein droht eine Steuernachzahlung in beträchtlicher fünfstelliger Höhe“, erklärt Werneke den wesentlichen Grund für die Insolvenzanmeldung. „Durch ein neues Gesetz aus dem Jahr 2007 wurden die Reitstall-Betreiber dazu verpflichtet, für so genannte Einstaller-Verträge (Reitfreunde, die ihre Pferde in einem Reitstall unterbringen) nicht mehr sieben, sondern 19 Prozent Mehrwertsteuer zu erheben. Deutsche Reitställe führten daraufhin mehrere Jahre Gerichtsprozesse gegen diese neue Mehrwertsteuer-Regelung, doch im Jahr 2012 wurde letztinstanzlich die Rechtskraft der neuen Regelung bestätigt.“

Reitverein kann erhebliche Steuernachforderung nicht stemmen

So ergab sich für den Reiterverein Neheim-Hüsten eine erhebliche Steuernachforderung für die vergangenen Jahre seit 2007, die der Verein nicht stemmen konnte. Für die nun dreimonatige Zeit des vorläufigen Insolvenzverfahrens ist der übliche Stallbetrieb in Herdringen gesichert. „Das läuft jetzt wie in den vergangenen Monaten auch“, betont Werneke. Die Einstaller, Reiter mit Beteiligung und Schulpferdereiter wurden am 23. Juli per Rundschreiben über das Insolvenzverfahren informiert. Außerdem befindet sich ein entsprechender Aushang im Herdringer Reitstall. „Ob oder wie es nach dem dreimonatigen vorläufige Insolvenzverfahren weitergeht, muss dann der vorläufige Insolvenzverwalter entscheiden“, sagt Werneke.

Eine Entscheidung ist aber schon gefallen: Das diesjährige große Herdringer Reitturnier, das vom 14. bis 16. September stattfinden sollte, wurde definitiv abgesagt. „Denn als ein Verein, der sich im Insolvenzverfahren befindet, befürchten wir, dass wir für das Turnier nicht ausreichend Sponsoren finden. Dieses Veranstalter-Risiko war uns zu hoch. Hinzu kam, dass wir Einnahmeeinbußen zu verzeichnen hatten. Da die sommerlichen Herdringer Schlosskonzerte in diesem Jahr abgesagt wurden, konnten wir auch nicht mit Parkplatzdienst-Einnahmen rechnen“, erklärt Werneke.

Martin Schwarz

Kommentare
31.07.2012
09:15
Reiterverein stellte Insolvenzantrag
von neheimer | #1

Entweder war der Verein schon 2007 schon klamm, oder ziemlich blauäugig keine Rücklagen zu schaffen, für den Fall das diese Nachzahlung kommt. Das Prozessrisiko musste der Vorstand kennen.

1 Antwort
Reiterverein stellte Insolvenzantrag
von Arnsbergerin1 | #1-1

Richtig neheimer!

Desweiteren wage ich zu bezweifeln, dass die Steuernachforderung und das Ausbleiben der Einnahmen aus den "Zauberhaften Abenden" allein für die Insolvenz verantwortlich sein sollen.

Man höre sich nur mal um und füge 1 und 1 zusammen, wo sonst noch Verbindlichkeiten und in welcher - offensichtlich horenden Höhe - bestehen. Wo hätte man Einnahmen kassieren, wo Ausgaben verringern oder vermeiden können?

Wegen der Steuernachforderung alleine geht kein Traditionsverein in die Insolvenz.

Traurig, traurig, traurig.

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