Raub in Neheim: Belastungszeuge widerruft Aussage

Justitia, Göttin der Justiz
Justitia, Göttin der Justiz
Foto: dpa

Neheim..  Ein 29-jähriger, von Hartz IV lebender Mann aus Neheim machte als Angeklagter vor dem Amtsgericht von seinem Recht Gebrauch und schwieg zu den Vorwürfen des Staatsanwaltes.

Der wichtige Zeuge (16 Jahre), der durch seine Anzeige das Verfahren in Gang gebracht hatte, wollte möglichst nicht aussagen, obwohl man als Zeuge dazu verpflichtet ist. Er hatte den Ernst seiner Lage wohl nicht erkannt und war auf dem besten Weg, sich selbst strafbar zu machen. Zu einem vor Wochen in selbiger Sache anberaumten Termin war er unentschuldigt nicht erschienen und erhielt deswegen ein Ordnungsgeld in Höhe von 200 Euro. Zu dem jetzigen Termin wurde er von der Polizei von daheim abgeholt und dem Gericht vorgeführt.

Zeuge erkennt Täter anfangs wieder

Nach der Tat hatte er bei seiner Anzeigenerstattung angegeben, ein Mann habe ihm am Neheimer Busbahnhof sein Handy aus der Hand gezogen und ihn, als er dies zurück verlangte, ins Gesicht geschlagen, in den Magen geboxt und ihm gedroht, ihn umzubringen. Bei einer von der Polizei vorgenommenen Bildvorlage – es werden acht etwa gleichaltrige Männer gezeigt – hatte er den Täter hundertprozentig erkannt. „Der müsste …. heißen“, was mit dem identifizierten Mann auf dem Foto übereinstimmte. Daraufhin wurde von der Staatsanwaltschaft eine Anklage wegen räuberischen Diebstahls, Körperverletzung und Bedrohung erhoben.

Jetzt vor Gericht wollte er als geschädigter Zeuge wissen, dass der Mann auf der Anklagebank nicht der damalige Täter gewesen war. „Ich habe mich bei der Polizei vertan. Den habe ich nie gesehen, er ist unschuldig.“ Trotz mehrfacher eingehender Belehrungen durch den Vorsitzenden Richter, als Zeuge zur Wahrheit verpflichtet zu sein, andernfalls er sich selber erheblich strafbar mache, blieb der Zeuge, der ermahnt werden musste, seine Kappe abzunehmen („Meine Haare liegen nicht gut“) bei seiner zweifelhaften Entlastung des Angeklagten. Wahrscheinlich spielte hier seine Angst vor dem Angeklagten, der ihm nach der Tat schließlich gedroht hatte, ihn umzubringen, wenn er ihn verrate, eine Rolle. Damit der junge Mann nicht in sein Unglück renne, gab ihm das Gericht die Gelegenheit, für einige Minuten den Saal zu verlassen,, um in sich zu gehen und die Aussage zu überdenken.

Hauptverhandlung wird vertagt

Der 16-Jährige blieb bei seiner Behauptung. „Ich habe keinen Bock mehr, kann ich jetzt gehen?“, sagte er und rutschte nervös auf dem Zeugenstand herum. Nach Beratung der teilnehmenden Parteien wurde die Hauptverhandlung vertagt, weil man weitere Zeugen hören will.