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Sekundarschule

Politiker und Eltern streiten sich um die Realschule Neheim

27.01.2012 | 20:41 Uhr
Politiker und Eltern streiten sich um die Realschule Neheim
Der Schulpflegschaft der Realschule Neheim veranstaltete einen Info-Abend zur Sekundarschule. Rund 100 Leute kamen ins Lokal „Bergheimer Hof“.

Neheim.   Ein Info-Abend der Schulpflegschaft der Realschule Neheim zum Thema Sekundarschule entwickelte zu einem Zwei-Fronten-Kampf zwischen Lehrern, Eltern und Schülern der Realschule Neheim einerseits und Politikern andererseits.

Als Dreh- und Angelpunkt der Diskussion stellte sich schnell der Zeitpunkt der Sekundarschul-Einführung heraus. Die Leiterin der Realschule Neheim, Renate Hackmann, und zahlreiche ihrer Lehrerkollegen vertraten sehr engagiert folgende Position: „Die Einführung der Neheimer Sekundarschule Neheim soll um ein Jahr auf das Schuljahr 2013/14 verschoben werden, weil für die Sekundarschule noch kein ausreichendes pädagogisches Konzept erarbeitet wurde und speziell an der Realschule Neheim die räumlichen Voraussetzungen für eine nachwachsende Sekundarschule fehlen.“

Hauptredner Johannes Papst

Auch der Hauptredner des Abends, Johannes Papst aus Aachen (Vorsitzender der Landeselternschaft NRW), warnte vor einer übereilten Einführung in NRW und konnte sich allenfalls landesweit zwei bis drei Sekundarschulen als Pilot-Schulen vorstellen, die zum Schuljahresbeginn 2012/13 starten. „Ich möchte die Sekundarschule erst mal funktionieren sehen. Wenn die Sekundarschule die gleiche Qualität wie die Realschule liefert, habe ich gegen eine Sekundarschule nichts einzuwenden“, sagte Johannes Papst vor rund 100 Gästen im Lokal „Bergheimer Hof“.

Politiker wie Klaus Kaiser (CDU) und Hans Wulf (Grüne) verteidigten die Eile bei der Einführung der Sekundarschule. Kaiser verwies auf die besseren Rahmenbedingungen für die Sekundarschulen, die zuerst an den Start gehen.

Hans Wulf sagte, dass es sowieso zu einem Mix von Schülern mit Haupt- oder Realschulempfehlung kommen werde - ob mit oder ohne Sekundarschule. „Denn wenn mangels Nachfrage keine Eingangsklasse an einer Hauptschule gebildet werden kann, werden die Eltern ihr Kind an einer Realschule anmelden. Sie lassen ihre Kinder nicht zu einer Hauptschule in einem anderen Stadtteil fahren“, meinte Wulf. Er sprach mit dieser Bemerkung den Großteil der Gäste an, die bereits Kinder an der Realschule Neheim haben und nun einem Mix von Schul-Formen im Gebäude der Realschule Neheim sehr skeptisch gegenüberstehen. Dies wurde jedenfalls in manchen Elternfragen deutlich.

Alternative Anmeldung

Sollten bei den vom 13. bis 15. Februar stattfindenden Anmeldungen für die in Alt-Arnsberg, Hüsten und Neheim geplanten Sekundarschulen nicht mindestens 75 Anmeldungen pro geplante Sekundarschule eingehen, wird es ein separates Anmeldeverfahren für Haupt- und Realschulen geben. Für diesen Fall gibt es folgende Anmeldetermine für die Realschule Neheim: Montag, 5. März, von 14 bis 18 Uhr sowie am Dienstag und Mittwoch, 6. und 7. März, jeweils von 10 bis 12 Uhr sowie von 15 bis 17 Uhr. Diese Termine wurden auf der Homepage der Realschule Neheim publiziert. Auf der Internet-Seite der Realschule Neheim findet man auch den Wortlaut der Stellungnahme der Schulkonferenz zum Thema „Sekundarschule“.

Kommentar

Auf dem Weg zur neuen Neheimer Sekundarschule fühlen sich Lehrer, Eltern und Schüler der Neheimer Realschule nicht mitgenommen. Sie sehen sich von Stadtverwaltung und Ratsmitgliedern überrumpelt. Die Eltern der Schüler der heutigen Klassen 5 bis 10 werden einfach mit dem einstimmigen Ratsbeschluss konfrontiert, wonach die Realschule, an der sie ihre Kinder angemeldet haben, ab August 2012 ein Auslaufmodell ist, falls es genügend Anmeldungen für die Sekundarschule gibt. Die Kinder der künftigen Klassen 6 bis 10 blieben zwar im Realschulsystem, aber in Klasse 5 wäre schon Sekundarschule.

Dieser Schulform-Mix am gleichen Schulstandort war aber nicht das, wozu Eltern damals ihre Kinder angemeldet haben. Niemand hat den Eltern bei der Schulanmeldung Anfang 2011 gesagt, dass die Realschule ein Auslaufmodell sein könnte. Niemand sprach davon, dass ältere Realschüler demnächst wegen Raumnot möglicherweise in einem Hauptschulgebäude unterrichtet werden. Entsprechende Direkt-Informationen der Stadt Arnsberg an alle Realschul-Eltern fehlen bislang.

Dass nun Eltern und Realschüler empört sind und sich überfahren fühlen, sollte keinen Politiker wundern. So formulierte am 18. Januar 2012 die Schulkonferenz der Realschule Neheim eine Protestnote, in der einstimmig die Einführung der Sekundarschule zum Schuljahr 2012/13 abgelehnt wurde. Unterstützung wurde signalisiert, wenn die Sekundarschule erst ein Jahr später eingeführt werden würde. Die Politiker lehnten aber eine Verschiebung ab.

Martin Schwarz

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Kommentare
31.01.2012
21:04
Wenn schon Zahlen...
von auf-bergheim | #6

... dann bitte richtige, @neheimer. Der "Klassenfrequenzrichtwert" für die Sekundarschulen beträgt 25 Schüler, das heißt aber keineswegs, dass die Klassen nur 25 Schüler haben werden.
Dieser Wert beträgt für Realschulen, Gymnasien und Gesamtschulen derzeit 28 Schüler (nicht etwa 33 Schüler) und wird auch dort laut Schulkonsens des Landes NRW auf 26 gesenkt, was in dem bunten Flyer der Stadt Arnsberg verschwiegen wird (dafür wird dort unter den Abschlüssen der Sekundarschule auch gleich in Klammern außer dem Mittleren Schulabschlusses in gleicher Weise das Abitur aufgeführt). Zweifellos werden Sekundarschulen aber mittelfristig weniger Schüler pro Klasse haben - nämlich durchschnittlich einen.

Dass die Lehrer mehr Zeit für Unterrichtsvorbereitung erhalten, ist zweifellos zu begrüßen. Aber weitaus mehr würden sie diese sinnvoll nutzen können, wenn vorher Konzepte entwickelt würden. Oder glauben Sie wirklich, dass die Umstellung von Haupt- oder Realschul-Unterricht auf den in der Sekundarschule ohne ehebliche Mehrarbeit läuft? Die Reduzierung der Unterrichtsstundenzahl fängt diesen Mehraufwand doch kaum auf...

Und selbstverständlich kann in einem Jahr eine Menge passieren: Lehrer können in vernünftigem Umfang fortgebildet werden, Kollegien zusammengeführt werden, erprobte Konzepte aus den Schulformen ausgetauscht werden, usw.

Meines Wissens existieren derzeit in Neheim zwei Hauptschulen. Ich bezweifle doch sehr, dass man für ein Jahr nicht doch eine Übergangslösung - ggf. mit einer Ausnahmegenehmigung z.B. für eine Aufnahme nur an einer Hauptschule - hätte finden können, die es wirklich ermöglicht hätte, dass die Kinder noch ein Jahr von passend qualifizierten Pädagogen hätten unterrichtet werden können und nicht in einem Chaos hätten starten müssen, wie es jetzt zu erwarten ist.

Aber wir werden ja bald sehen, wie die Eltern entscheiden: Kommen wirklich 75 Anmeldungen in Neheim zusammen, wird es die Sekundarschule in diesem Jahr schon geben. Teilen die Eltern die von den Lehrern ausgedrückten Zweifel an der Sinnhaftigkeit dieses Schnellstartes, so werden wohl kaum genügend Anmeldungen hierfür zusammen kommen.
Ich hoffe nur, dass nicht durch gezieltes Unterdrücken weiterer Informationen (wie schon bei den Klassengrößen) Eltern bewusst falsch informiert werden, um sie zur Anmeldung zur Sekundarschule zu bewegen.

Verstehen Sie mich nicht falsch: Ich bin für eine Sekundarschule. Aber für eine, die erst dann eingerichtet wird, wenn sie ein klares Konzept hat, das von engagierten und gut aus-/fortgebildeten Pädagogen umgesetzt werden kann, und die bestehende Schulen erst dann ablöst, wenn sie durch ihr Konzept auch zu überzeugen vermag.

31.01.2012
19:57
Politiker und Eltern streiten sich um die Realschule Neheim
von neheimer | #5

Das die neue Sekundarschule kleinere Klassen bekommt, 25 Schüler, statt wie bisher zum Teil 33 Schüler, mehr Lehrer und diese mehr Zeit für Untersichtsvorbereitung bekommen, interessiert die Kritiker überhaupt nicht.
Ihnen ist es auch egal das Hauptschulen mit weniger als 20 Anmeldungen nicht mehr existieren können. Welche Eltern sollen ihre Kinder denn auf die Hauptschule schicken damit alles so bleibt wie es ist?
Ein Jahr später ändert nichts an dem Problem für 2012. 2012 landen dann die möglichen Hauptschüler auf eh überfüllten Realschulen, ohnedie kleinere Klassengröße ohne mehr Lehrer udn dem wissen das die Schuel ein jahr später umgewandelt wird. Aber das ist ja angeblich soviel besser, als eine Sekundarschule.

29.01.2012
20:51
Politiker und Eltern streiten sich heftig
von willi-rs | #4

Arnsberg - die Stadt mit dem perfekten Schulsystem !

Mein Sohn ist in der 3. Klasse.
Was erwartet ihn in Klasse 5?
Nagelneue Schulbücher für riesige Leistungsbandbreiten,
eine völlig neue Versetzungsordnung ohne Sitzenbleiben,
Lehrkräfte, die allen Begabungen gewachsen sind oder
Gymnasien mit dem Leistungsdruck des G8.
Ich treffe auf
- Politiker/innen, die all das erwarten,
- auf eine Stadt, die anscheinend kein Geld mehr hat, das alte, nur gute
Schulsystem zu erhalten, weil es ja ein besseres gibt,
- einen Bürgermeister, der garantiert, dass das alles funktioniert.
Ich treffe auf so viel Überheblichkeit und Planungshektik, dass das Undenkbare denkbar wird:
Raus aus Arnsberg!

29.01.2012
19:34
Andere Kommunen planen besser...?
von auf-bergheim | #3

Blättert man durchs WAZ/Der Westen-Archiv fällt auf, dass in anderen Kommunen, in denen tatsächlich die Einführung der Sekundarschulen schon zum Schuljahr 2012/13 vorgesehen ist, immer die Rede davon ist, dass die Planungen seitens der Schulen dazu schon ein Jahr (oder länger) laufen und Lehrer bereits qualifiziert wurden. Auch wenn ich annehme, dass die Planungen ursprünglich nicht immer auf Sekundarschulen abzielten (sondern z.B. noch auf Verbundschulen), so frage ich mich, warum man in Arnsberg nicht auch zuerst eine ausreichend lange Planungsphase vorsieht?

Oder halten die lokalen Schulpolitiker Arnsberger Lehrer für so viel besser, dass sie das in den wenigen verbleibenen Monaten alles schultern?

29.01.2012
14:59
Politiker vs. Lehrer, Eltern und Schüler
von auf-bergheim | #2

Da stellt man sich doch ernsthaft die Frage, wer denn hier als "Experte" zu gelten hat: Politiker (als gewählte Vertreter des Volkes) oder Lehrer inkl. Schulleitungen sowie Eltern und Schüler.

Wo genau ist eigentlich derzeit die Stimme des Volkes, das die Politiker vertreten, zu hören? Anscheinend nicht in Realschulen, in Gymnasien sowieso nicht. Bleibt also vielleicht im Bereich der Hauptschule, oder gar nur außerhalb von Schule?

Wir brauchen natürlich dringend eine Lösung für die Misere hinsichtlich der Rolle, die die Hauptschulen heute einnehmen. Aber so dringend, dass die Beteiligten, die die Beschlüsse umsetzen und ausbaden sollen, nicht einmal vor einer Beschlussfassung gehört werden? Dass ihre Bedenken mit fadenscheinigen Argumenten weggewischt werden - bestes Beispiel die "bessere" Ausstattung der Früh-Starter, die nirgends beziffert ist und in der Praxis doch wohl eher einfach nur maximale Mehrarbeit für die Lehrer bedeutet, die "on the fly" ein Konzept zugleich entwickeln und umsetzen müssen.

Da die Landespolitik nun einmal nicht langfristig plant, sondern die Kommunen mit dieser kurzfristigen Vorgabe überfuhr, wäre doch ernsthaft zu prüfen, ob man nicht einfach - in der Schulpolitik wäre es allerdings ein Novum - zuerst Konzepte entwickeln und diese dann umsetzt (ich weiß, üblich ist es andersrum).
Zur Not, indem man den Hauptschulen auf ein Jahr beschränkt kleinere Eingangsklassen gewährt - ggf. jetzt schon unter Hinweis auf eine mögliche Zusammenführung bereits dieser Klassen, und dieses Jahr dafür nutzt, dass Schulpolitiker und Schulen zuerst einmal ihre Hausaufgaben machen!

29.01.2012
14:56
Ich möchte die Sekundarschule erst mal funktionieren sehen
von multipapst | #1

Ich hatte Gelegenheit, an einem dieser Elterninformationsabende teilzunehmen, die derzeit an den Grundschulen durchgeführt werden.
Im Anschluss suchte ich das Gespräch mit den anderen Eltern. Sie fühlten sich weitgehend schlecht informiert. “Verkaufsveranstaltung” mit Kaffeefahrt-Charakter sei das gewesen, hörte man. Die Verunsicherung war groß.
Der Dortmunder Schulentwicklungsforscher Dr. Heinfried Habeck referierte an dem Abend. Sobald konkret nachgefragt wurde, wurden oft nur Mutmaßungen verlautbart.
Ein Beispiel: An einer Stelle wurde behauptet, Kooperationsverträge mit dem Franz-Stock-Gymnasium und dem Laurentianum seien bereits unterschrieben. Auf Nachfrage musste dann jedoch eingeräumt werden, dass dies keine Verträge sondern Absichtserklärungen sind.
Für meinen Geschmack gibt es da noch zu viele Ungewissheiten.
Mein Fazit: Keine Experimente mit meinem Kind!

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