Pilot kann Gefahr für Gasleitung frühzeitig erkennen

Bei einem Hubschrauberflug über Voßwinkel notiert der Co-Pilot (links) Gefährungspotenziale für die unterirdische  Gashochdruckleitung. Als Auffälligkeiten gelten Baustellen. In der Bildmitte ist die Urbanuskirche zu sehen
Bei einem Hubschrauberflug über Voßwinkel notiert der Co-Pilot (links) Gefährungspotenziale für die unterirdische Gashochdruckleitung. Als Auffälligkeiten gelten Baustellen. In der Bildmitte ist die Urbanuskirche zu sehen
Foto: WP

Arnsberg..  Mögliche Gefährdungen von Gashochdruckleitungen frühzeitig erkennen - für diese Aufgabe setzt RWE-Westnetz einen Hubschrauber ein, der in diesen Tagen über Arnsberg, Sundern und benachbarte Kommunen kreist. Unsere Zeitung erhielt von Westnetz Gelegenheit, ein Pilotenteam beim Flug über die unterirdischen Leitungen zu begleiten.

Genauer Blick ist nötig

Die beiden Piloten Christoph Klüh und Lennart Litzke vom hessischen Flugzeug-Charterunternehmen Heli-Flight können aus der Luft Dinge erkennen, die der Laie kaum wahrnimmt. In einem Umfeld von 100 Metern beiderseits der Gas-Hauptversorgungsleitung müssen sie darauf achten, ob sich das Areal verändert hat. Die Fragen lauten unter anderem: Gibt es Aufschüttungen, Bodenabtragungen, Freispülungen, Vernässungen, Vegetationsverfärbungen, Rodungen oder Neuanpflanzungen? Alles wird akribisch notiert und elektronisch an die einzelnen Westnetz-Regionalzentren wie in diesem Fall in Arnsberg weitergegeben, die dann vor Ort tätig werden können.

Leitungslecks sind selten

Beim Flug, den unsere Zeitung begleitete, folgten die Piloten der in Voßwinkel verlaufenden Gashochdruckleitung in Richtung Neheim. In diesem Fall waren die Auffälligkeiten leicht zu erkennen. Zahlreiche Baustellen im Umfeld der Leitung wurden registriert. Hiervon geht an sich noch keine Gefahr aus, doch Westnetz muss natürlich im Umfeld seiner Leitungen aktuell wissen, was dort los ist. Deshalb lässt Westnetz für seinen gesamten Gas-Versorgungsraum, der vom Emsland über Ostwestfalen sowie Sauer- und Siegerland bis in den Hunsrück reicht, alle zwei Wochen Befliegungen vornehmen.

Im Jahr 2014 wurden in diesem Raum insgesamt 3814 Auffälligkeiten notiert. Eine Auffälligkeit stellt aber nur ein mögliches Gefährdungspotenzial dar, so dass dann vorbeugend gehandelt werden kann. Tatsächlich auftretende Leckagen an Gasleitungen sind eher selten. „Im Stadtgebiet Arnsberg kommt dies durchschnittlich vielleicht ein- oder zweimal im Monat vor“, schätzt Thomas Walkiewicz, Leiter des Westnetz-Regionalzentrums Arnsberg. Solche Lecks entstünden dann meist in Zusammenhang mit Baustellen.

Walkiewicz betont, dass die Befliegungen nur einen Teil der RWE-Sicherheitsmaßnahmen für die Gasleitungen darstellen. Nach Vorgaben der deutschen Gas- und Wasserwirtschaft müsse eine Leitung innerhalb von Bebauungen alle zwei Monate durch Begehen, Befahren oder bei gegebenen Voraussetzungen durch monatliches Befliegen kontrolliert werden. In unbebautem Gebiet sind alle vier Monate Kontrollen vorgeschrieben. Sollte tatsächlich ein Schaden an einer Leitung aufgetreten sein, kann dieser mit speziellen Leckdetektoren („Schnüffelgeräten“) genau lokalisiert werden.

HINTERGRUND

Je nach Witterungsbedingungen können mit einem Hubschrauber pro Tag 600 bis 800 Kilometer Gasleitungen kontrolliert werden. Zum Gesamt-Gas-Versorgungsnetz von Westnetz umfasst 26 000 km Gasleitung.

Im Regionalzentrum Arnsberg, das den HSK und Teile angrenzender Landkreise versorgt, gibt es rund 650 km Gashochdruck-, 1800 km Mitteldruck- und 414 km Niederdruckleitungen. Die Gashochdruckleitungen führen zu Gasdruckregelstationen, die das Gas in Mittel- und Niederdruckleitungen verteilen.

Der gestrige Hubschrauberflug startete auf dem Flugplatz in Echthausen.