Neheimer zeigt Film: Ingenieure retten ägyptischen Tempel

Die Tempelanlage von Abu Simbel
Die Tempelanlage von Abu Simbel
Foto: WP

Neheim..  Die spektakuläre Versetzung des über 3200 Jahre alten Felsentempels des Pharaos Ramses II. erregte in den 1960er Jahren weltweit Aufsehen. Die Tempelanlage beim ägyptischen Ort Abu Simbel wäre in den Fluten des neu gebauten Assuan-Stausees untergegangen, wenn eine in der ägyptischen Baugeschichte bisher beispiellose Rettungsaktion nicht angelaufen wäre. Zu den an der Tempelumsetzung beteiligten Baufirmen gehörte damals auch das Essener Unternehmen Hochtief, das einen 45-minütigen Farb/Ton-Film von den Arbeiten drehen ließ. Eine Kopie dieses Films besitzt der Neheimer Bau-Ingenieur Friedrich Clasvogt.

Vortrag im Haus der Neheimer Jäger

Der 60-jährige Neheimer wird den Film am Freitag, 9. Januar, um 19.30 Uhr im Haus der Neheimer Jäger (ehemalige Synagoge an der Mendener Straße) zeigen. Der Eintritt ist frei. Alle Interessierten sind willkommen. Friedrich Clasvogt wird den 16-Millimeter-Film mit Hilfe seines alten Filmspulen-Projektors zeigen. All dies macht Friedrich Clasvogt zusammen mit seiner Frau Isolde Clasvogt, die im Ingenieurbüro Clasvogt im Neheimer Ohl mitarbeitet.

Der Neheimer Bau-Ingenieur Friedrich Clasvogt hatte beruflich mit der Versetzung der Tempelanlage von Abu Simbel nichts zu tun.. Auch war er dort bisher noch nie gewesen. Er plant allerdings, 2015 oder 2016 dorthin zu reisen. Clasvogts Faszination von Abu Simbel beruht auf der Ingenieurkunst, die bei der Tempel-Versetzung notwendig war. Als junger Bauingenieur-Student sah er Anfang der 1970er Jahre zum ersten Mal diesen Film. Die Faszination blieb. Als er für die Ortsgruppe Arnsberg des „Bundes deutscher Baumeister“ in den 1990er Jahren einen Vortrags-Abend organisieren wollte, erinnerte er sich an diesen Film. Nach Kontakt mit dem Essener Bauunternehmen Hochtief war der Baukonzern bereit, ihm eine Kopie des Films zu überlassen. in und wieder zeigt er diesen Film in der Handwerkskammer Arnsberg, wo er angehende Meister im Zimmerer- und Maurer-Handwerk unterrichtet. Clasvogt ist auch interessiert, in heimischen Schulen den Film zu zeigen.

Die Idee, den Film einem größeren Publikum zu zeigen, entstand beim Neptun-Schwimmfest 2014. Dort lernten sich Friedrich Clasvogt und Siggi Rump kennen. Als Siggi Rump, Hauptmann der 2. Kompanie des Jägervereins, von dem Film hörte, erinnerte er sich an seinen Ägypten-Urlaub und im Nu war die Idee geboren, den Film in Neheim öffentlich zu zeigen. Schnell war der Kontakt zum Jägerverein geknüpft und der Verein stellt für die Premiere am 9. Januar um 19.30 Uhr den Noah-Wolff-Saal im „Haus Neheimer Jäger“ (ehemalige Synagoge an der Mendener Straße) zur Verfügung.

Die Tempel-Anlage von Abu Simbel steht seit 1979 auf der Weltkulturerbeliste der UNESCO. Sie erhebt sich nach der Versetzung in den 1960er Jahren heute auf einer Insel im Nassersee, die an der Nordwestseite durch einen befahrbaren Damm mit dem Ort Abu Simbel verbunden ist.

Firmenkonsortium gebildet

Zur Faszination von Abu Simbel schreibt Friedrich Clasvogt folgendes: „Um die Tempelanlage zu retten, rief die UNESCO die ganze Welt zum Erhalt der Anlage auf, doch es gab zunächst technische und finanzielle Probleme. Quasi in letzter Stunde kam ein Ingenieurbüro aus Schweden zur Hilfe und unterbreitet einen Vorschlag, der plausibel erschien. Beteiligt waren anschließend sieben Firmen aus fünf Nationen, darunter auch Hochtief aus Essen. Die Unternehmen schlossen sich zu der Rettungsaktion zusammen und machten das scheinbar Unmögliche plötzlich möglich.“

Clasvogt schreibt weiter: „Im Frühjahr 1964 standen sich nun die alten Gottheiten und deren scheinbaren Retter gegenüber, aus dem fernen Europa wurden Bagger, Planierraupen, Transporter, Werk-zeuge, Krane und unzählige Einzelteile herangeschafft und all die Dinge, die den Menschen das Leben inmitten der Wüste erleichtern sollten. Lebensmittel, Medikamente und Post wurden mit Flugzeugen aus Assuan herbeigeflogen. Aus der einst öden Wüste wurde schnell eine moderne Großbaustelle.

Wettlauf gegen die Zeit

Seit Juni stieg das Wasser unaufhaltsam und ein Wettlauf gegen die Zeit begann, ein 360 Meter langer schützender Damm wurde um die beiden Tempel gebaut. Alles schien in Ordnung, doch im November des Jahres 1964 platzte ein Traum, denn die fieberhaft arbeitenden Männer konnten das Ansteigen des Nils nicht verhindern. Dieser hatte bereits die Dammkrone bis auf 2 Meter erreicht, in letzter Minute wurde jedoch mit allen techni-schen Mitteln der Damm in die Höhe gesetzt, dass somit die Arbeiten an den Tempeln nicht mehr beeinflusst werden konnten. Der poröse Sandstein, der nunmehr älter als 3000 Jahre war, wurde mit Kunstharz-Injektionen verfestigt (17.000 Löcher und 33 Tonnen Kunstharz), die Fassaden wurden mit Sand in der Wüste verschüttet, um die Kolosse vor herabstürzenden Gesteinsbrocken zu schützen.

Die Tempel wurden in 1036 Blöcke geteilt, die jeweils ein Gewicht von 20 bis 30 Tonnen auf die Waage brachten. Dazu kamen 1.112 Felsstücke aus der Umgebung des Tempels. Die Blöcke wurden mit großen Stahlankern versehen und auf die Transporter geladen und ins Landesinnere transportiert. Dort entstand ein riesiges Lager von Gesteinsblöcken, die perfekt katalogisiert und durchnummeriert wurden, um den exakten Wiederaufbau zu vereinfachen. Der erste Block wurde am 12. Mai 1965 verladen.

Arbeit dauerte vier Jahre

65 Meter höher und 180 Meter landeinwärts begannen schon die Wiederaufbauarbeiten. Die Blöcke wurden exakt verfugt, somit war es kaum erkennbar, dass dieses einzigartige Bauwerk jemals komplett zersägt und versetzt wurde. Ein perfekter ,Umzug’ wurde glanzvoll beendet. Am 22.September 1968 wurde der ,neue’ Tempel eingeweiht. Die Kosten des ,Umzuges’ beliefen sich damals auf ca. 42 Mio. Dollar.“