Männer treiben brutal Schulden ein

Die «Justitia», Göttin der Justiz und der Gerechtigkeit
Die «Justitia», Göttin der Justiz und der Gerechtigkeit
Foto: dpa

Neheim..  „Das war eine typische Schnapsidee“, stellten Richter und Staatsanwalt gleichermaßen folgerichtig fest. Bei einer Wodka-Fete war der Partygeber auf die glorreiche Idee gekommen, mit weiteren Gästen Schulden, die ein 20-jähriger Bekannter bei ihm hatte, auf eine sehr spezielle Art und Weise einzutreiben. Die Sache war dann völlig aus dem Ruder gelaufen und erfüllte dann den Tatbestand eines Raubes in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung.

Sturmhauben vor dem Gesicht

Genau diesen Vorwurf machte der Staatsanwalt einem 25-jährigen Bauhelfer und einem 24-jährigen Auszubildenden, beide aus Hüsten. Sie und vier weitere Partyteilnehmer, die sich mit Sturmhauben maskiert hatten, drangen im Juli 2013 kurz vor Mitternacht in die Wohnung des Schuldners ein, indem man die Wohnungstür brachial auftrat. Der 20-Jährige wurde im Badezimmer sofort zu Boden gebracht, geschlagen und getreten. Seinen ebenfalls 20-jährigen Gast habe man bedrohlich an ein offenes Fenster gedrängt und ihn mit einem Schraubenschlüssel geschlagen. Eine junge Frau blieb unbehelligt, litt aber in der Folgezeit an Ängsten und Schlaflosigkeit.

Die beiden Angeklagten waren unmaskiert geblieben und deshalb von den Geschädigten erkannt worden. Sie hatten sich jetzt vor dem Schöffengericht wegen Raubes und gefährlicher Körperverletzung zu verantworten. Sie selbst hatten damals nicht gehandelt, sie ließen die maskierten Männer für sich arbeiten und dachten, sie würden sich daher nicht strafbar machen. Doch muss man selbst nicht tätig werden, um einen Raub oder eine Körperverletzung zu begehen, es reicht die Anwesenheit und das Einverständnis zu diesen Straftaten. Nachdem man den Schuldner und seinen Gast in Angst und Schrecken versetzt und körperlich misshandelt hatte, nahmen die Maskierten einen PC und eine Playstation an sich und verließen die Wohnung. Jetzt vor Gericht gaben sich die Angeklagten kleinlaut und räumten die Vorwürfe ein.

„Das war eine große Dummheit, wird hatten uns nichts dabei gedacht“, gaben sie reumütig zu. Der Staatsanwalt nahm ihnen, die jeweils dreimal vorbestraft sind, übel, dass sie in eine Wohnung, also in einen besonders geschützten Raum mit brachialer Gewalt eingedrungen waren, was zu erheblichen Folgen für die Geschädigten geführt habe. Er beantragte für den 25-jährigen Bauhelfer, der zwischenzeitlich nach Süddeutschland verzogen ist, eine Freiheitsstrafe von 18 Monaten und für den anderen Angeklagten eine solche von 16 Monaten; beide Strafen zur Bewährung. Außerdem solle eine Geldbuße in Höhe von 1 000 Euro erfolgen.

Gericht verhängt Haftstrafen

Wegen Raubes in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung verurteilte das Schöffengericht die beiden Täter leicht höher als der Staatsanwalt gefordert hatte zu 19 bzw. 15 Monaten Freiheitsstrafe zur Bewährung. „Der Bauhelfer hatte damals zuschlagen lassen. Das ist so, als wenn er selbst geschlagen hätte“, machte der Vorsitzende Richter klar. Er muss zudem eine Geldbuße von 1 300 Euro, der zweite Angeklagte eine solche von 1 000 Euro zahlen. Das Urteil wurde sofort rechtskräftig.