Lindner beeindruckt Digitalkonzept: "Technik kein Gimmick"

FDP-Chef Christian Lindner ist beeindruckt vom Digitalunterricht am FSG Neheim.
FDP-Chef Christian Lindner ist beeindruckt vom Digitalunterricht am FSG Neheim.
Foto: Timo Baudzus
Was wir bereits wissen
Das Digitalkonzept für den Schultunterricht am Franz-Stock-Gymnasium in Neheim hat FDP-Chef Christian Lindner beeindruckt. Mehr dazu sagt er im Interview.

Neheim.. Christian Lindner, Bundesvorsitzender FDP, erlebte bei seinem Schulbesuch in Neheim, wie selbstverständlich Beamer, Apps, Smartphones und Dokumentenkameras am Franz-Stock-Gymnasium mittlerweile in den Unterricht integriert sind. Vom Lehrerverband gibt es allerdings Kritik am digitalen Unterricht. Auch dazu äußert sich Lindner im Gespräch mit unserer Redaktion.

Was können Sie aus Arnsberg vom Franz-Stock-Gymnasium (FSG) nach Düsseldorf in die Landespolitik mitnehmen?

Mich hat beeindruckt, dass die Schule konsequent neue Medien im Unterricht einsetzt und ihren Schülern sogar erlaubt, ihr Smartphone zu benutzen. Die Lehrer sagen, man habe die technischen Scheuklappen abgelegt. Das finde ich modern, denn der digitale Wandel muss gestaltet werden. Ignorieren bringt nichts.

Schule Herrscht an Schulen in NRW der digitale Notstand?

Zu oft sind die Schulen sprichwörtlich noch in der Kreidezeit. Hier am FSG wird mit Dokumentenscannern, mit Smartboards, mit Tablets gearbeitet, um den klassischen Unterricht zu unterstützen. Davon können viele Schulen in NRW sicherlich lernen.

Bringen digitale Medien tatsächlich Vorteile im Unterricht oder ist Modernität der Selbstzweck?

Die Präsentationstechniken sind besser. Schüler haben mir erzählt, dass sie ihr Verständnis für eine Ballade im Deutschunterricht dadurch gewonnen haben, indem sie einen Videofilm produziert haben. Und der Lernerfolg lag dabei nicht im Verständnis für die Schnitttechnik, sondern im Verständnis für den Inhalt der Ballade. Das zeigt mir, dass die Medien einen neuen Weg ebnen können für die Vermittlung klassischer Unterrichtsinhalte. Die Technik ist kein Gimmick, sondern eine Bereicherung der didaktischen Möglichkeiten.

Der Deutsche Lehrerverband kritisiert, dass die Computerisierung ganzheitliches Denken untergraben kann. Was meinen Sie?

Das habe ich hier nicht festgestellt. Ich schätze Josef Kraus vom Deutschen Lehrerverband sehr, aber vielleicht ist er ein wenig von seinem eigenen Medienverhalten geprägt. Die neuen technischen Möglichkeiten sind keine Bedrohung, sondern Bestandteil unseres Alltagslebens. Man kann heutzutage keinen Unterricht mehr wie in den 90er Jahren machen, das geht nicht. Unsere Gegenwart ist digital, und dies abzubilden, gehört auch zum Bildungs- und Erziehungsauftrag von Schulen, insbesondere der souveräne Umgang mit den digitalen Medien.

Bildungspolitik Ist das Ihr Plädoyer für mehr Medienkompetenz auf dem Lehrplan?

Diese sollte zunächst in der Aus- und Fortbildung der Lehrer forciert werden, aber natürlich auch im Schulunterricht selbst.

In puncto Schul- und Bildungspolitik argumentieren Sie, dass wir im Wettbewerb mit Ländern wie den USA stehen. Wird unser Schulsystem immer mehr von wirtschaftlichen Sachzwängen geprägt?

Unsere Gesellschaft und unser Land stehen vor vielen neuen Herausforderungen: neue Technologien, Alterung der Gesellschaft, globale Wirtschaftsverflechtungen. Das wird das Leben der jungen Leute, insbesondere von denen, die nach 2000 geboren wurden, bestimmen. Darauf müssen die Schulen sie vorbereiten. Die Veränderung soll keine Angst machen, sondern eine Chance sein, wenn junge Leute wissen, wie sie ihr begegnen können.