Jobcenter und Arbeitsagentur richten Integration Point ein

En Flüchtling bei der Malerarbeit: Ein Malerbetrieb darf einen noch nicht anerkannten Asylbewerber aus unsicherem Herkunftsland einstellen
En Flüchtling bei der Malerarbeit: Ein Malerbetrieb darf einen noch nicht anerkannten Asylbewerber aus unsicherem Herkunftsland einstellen
Foto: IKZ

Arnsberg..  Ein neuer „Integration Point“ zur Integration von Flüchtlingen ins Arbeitsleben wird noch in diesem Monat im Jobcenter/Arbeitsagentur-Gebäude an der Langen Wende in Neheim eröffnet. Mitarbeiter von Jobcenter und Arbeitsagentur werden eng zusammenarbeiten, um Flüchtlinge für berufliche Tätigkeiten zu qualifizieren bzw. sie in Arbeitsstellen zu vermitteln.

Angesichts von Facharbeitermangel und unbesetzten Ausbildungsstellen in manchen Industrie-, Handwerks- und Dienstleistungsberufen haben Flüchtlinge
– bei beruflicher Eignung – gute Chancen, auf dem deutschen Arbeitsmarkt vermittelt zu werden. Diese grundsätzlich positive Perspektive ist aber im praktischen Alltag oft mit einigen Schwierigkeiten verbunden, bei deren Überwindung der neue Integration Point (IP) helfen will.

Im Vorfeld der IP-Eröffnung sprach unsere Zeitung mit Jobcenter-Leiterin Andrea Welschoff von der Stadt Arnsberg und Andreas Goesmann, Koordinator „Integrations-Point“ bei der Agentur für Arbeit Meschede-Soest. Beide berichteten von dem starken Wunsch der Flüchtlinge, in Arbeit vermittelt zu werden, wobei allerdings in jedem Einzelfall zu prüfen ist, ob alle rechtlichen Voraussetzungen zur Arbeitsaufnahme erfüllt sind.

Rechtslage widerlegt Vorurteil

So gilt laut Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf), dass Flüchtlinge aus sicheren Herkunftsländern (wie z. B. Albanien, Kosovo, Bosnien und Serbien, aber auch Senegal und Ghana), die ihren Asylantrag nach dem 31. August 2015 stellen, während des gesamten Asylverfahrens keiner Beschäftigung nachgehen dürfen. Dagegen haben Flüchtlinge aus Syrien, Irak, Iran, Afghanistan und Eritrea, die in der Stadt Arnsberg den Großteil der Flüchtlinge bilden, wegen der guten Aussicht auf Anerkennung ihres Asylantrags das Recht, ab dem vierten Monat nach Äußerung ihres Asylgesuchs gegenüber Grenzbehörde/Polizei eine Arbeit aufzunehmen.

In den ersten drei Monaten in Deutschland dürfen sie nicht arbeiten. Vom 4. bis 15. Monat in Deutschland dürfen sie nur dann arbeiten, wenn die zu vermittelnde Arbeitsstelle nicht von einer anderen Person, die dem deutschen Arbeitsmarkt zur Verfügung steht, besetzt werden kann. Mit Hinweis auf diese Rechtslage kann Andrea Welschoff dem Vorurteil widersprechen, wonach angeblich Flüchtlinge während ihres Asylverfahren arbeitssuchenden Deutschen die Stellen wegnähmen. Ab dem 16. Monat stehen Asylbewerber aus unsicheren Herkunftsländern sowie anerkannte Asylanten dem deutschen Arbeitsmarkt gleichberechtigt wie andere Arbeitssuchende zur Verfügung.

Wie sieht nun die Arbeitsvermittlung für Asylbewerber konkret aus? Andreas Goesmann macht dies an einem Beispiel deutlich: „Der Chef eines Malerbetriebs darf heute einen vor dem Bürgerkrieg geflohenen Syrer, der schon mindestens seit drei Monaten in Deutschland lebt, durchaus als Maler einstellen, wenn er von dessen Befähigung zu dieser Arbeit überzeugt ist. Praktisch kann es aber noch Sprachprobleme oder unterschiedliche Ansichten hinsichtlich der Arbeitsausführung geben. Deshalb würde sich in einem solchen Fall ein Praktikum anbieten. Der Integration Point kann solche Praktika vermitteln.“

Beim „Integration Point“ geht’s insbesondere um die Vermittlung beruflicher Qualifizierungs-Maßnahmen, wozu das Aneignen spezieller berufstypischer Fähigkeiten sowie das weitere Lernen der deutschen Sprache gehören. „Der Integration Point will nachhaltig arbeiten“, betont Jobcenter-Leiterin Andreas Welschoff. „Wer bei uns in einem Beruf arbeiten will, für den es auf dem deutschen Arbeitsmarkt eine starke, aber bisher nicht gedeckte Nachfrage gibt, soll sich sprachlich und berufsspezifisch entsprechend qualifizieren.“

Nach Integrationskurs ist Vermittlung in Berufsausbildung möglich

Andreas Goesmann von der Arbeitsagentur ergänzt: „Für manche junge Männer bietet sich nach den Integrationskursen eine Berufsausbildung, z. B. eine Lehrstelle in Industrie oder Handwerk, an. Ältere Flüchtlinge, die mit ihrer bisherigen beruflichen Tätigkeit keine gute Vermittlungschance auf dem deutschen Arbeitsmarkt haben, könnten sich in einem ähnlichen Berufsumfeld neu qualifizieren oder nach einer Umschulung einen anderen Beruf ergreifen.“

Als hinderlich bei der Arbeitsvermittlung von Asylbewerbern erweist sich die gesetzliche Vorschrift, dass Asylbewerber erst ab dem 16. Aufenthaltsmonat in Deutschland als Zeitarbeiter tätig werden dürfen. In den ersten 15 Monaten nach Ankunft in Deutschland dürfen Asylbewerber kein Zeitarbeiter sein.

Über organisatorische Details des Integration Point wie zum Beispiel Tag der Eröffnung, werktägliche Öffnungszeiten für Beratungen, Personalausstattung und deren Finanzierung wird unsere Zeitung noch berichten. Die Stadt Arnsberg und die Arbeitsagentur wollen Details demnächst in einer Pressekonferenz mitteilen.

Betriebe, die dem kurz vor der Eröffnung stehenden Integration Point in Neheim Praktika für Flüchtlinge anbieten wollen, können folgende Mail-Adresse nutzen:

Meschede-Soest.Integration-Point@arbeitsagentur.de