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Psycho-Onkologie

Innere Kraft gegen Krebs aktivieren

10.02.2012 | 11:21 Uhr
Innere Kraft gegen Krebs aktivieren
Psycho-Onkologinnen am Klinikum Arnsberg: links: Silvia Beckmann, rechts: Manuela Vielhaber

Arnsberg. „Diagnose Krebs!“ - wie ein Hammerschlag trifft es Patienten. Todesängste kommen auf. Damit Patienten am Trauma Krebs nicht verzweifeln, gibt es neben der medizinischen Behandlung auch das Angebot psychologischer Hilfe am Klinikum Arnsberg.

Die WZ-Mediengruppe sprach mit den Psycho-Onkologinnen Silvia Beckmann und Manuela Vielhaber, die beide auf langjährige Erfahrung bei der Beratung von Krebspatienten und deren Angehörigen zurückblicken können. Ihr Beratungsangebot richtet sich an alle Krebspatienten (unabhängig von der Krebs-Art), die stationär im Klinikum Arnsberg (JoHo, Karoline oder Marienhospital) aufgenommen wurden bzw. dort eine Anschlusstherapie erhalten.

„Wir gehen auf den Stationen auf die Krebspatienten zu und bieten ihnen ein Gespräch an. Die Patienten entscheiden dann selbst, ob sie unser Angebot für ein späteres, intensiveres Beratungsgespräch annehmen“, betont Silvia Beckmann das auf Freiwilligkeit basierende Beratungsangebot. Der Bedarf ist allerdings klar vorhanden. Von 126 Brustkrebspatientinnen, die im Jahr 2011 im „Brustzentrum“ des Hüstener Karolinen-Hospitals behandelt wurden, nahmen 86 Brustkrebspatientinnen das Angebot für eine nähere Beratung an. Für das ausführliche Beratungsgespräch gibt es Beratungszimmer auf den Stationen des Klinikums.

„Bezogen auf alle krebskranken Frauen und Männer, die im Klinikum Arnsberg behandelt werden, wird von etwa der Hälfte der Patienten der Wunsch nach Beratung geäußert. Das ist überdurchschnittlich viel, denn im bundesweiten Durchschnitt ist es nur ein Drittel“, erklärt Diplom-Psychologin Manuela Vielhaber. In der Frühphase der Krebserkrankung sei dabei die Beratungsbereitschaft bei Frauen höher als bei Männern. Im Palliativbereich (in der Phase intensiver Schmerzlinderung) steige der Informationsbedarf bei krebskranken Männern.

Wie läuft nun eine solche Beratung ab? Das Ziel ist zunächst, im Gespräch mit dem Patienten eine Krankheitsakzeptanz zu erreichen und dann dessen persönliche Ressourcen gegen die Angst zu entdecken, zu festigen und im alltäglichen Leben immer wieder bewusst werden zu lassen. Unter „persönlichen Ressourcen des Patienten“ versteht Silvia Beckmann Quellen, bei denen der Patient zum Beispiel Freude oder Dankbarkeit empfindet. „Wir stellen dem Patienten zum Beispiel die Frage ,Was haben Sie früher gemacht, wenn es ihnen schlecht gegangen ist?’. Sollte der Ehemann der Patientin schon verstorben sein, stellen wir die Frage: „Wie haben Sie damals die Trauer um ihren Mann überwunden?“

Manuela Vielhaber ergänzt: „Uns geht es darum, dass die Patienten ihre persönlichen Kraftfelder entdecken und aktivieren. Hieraus können sie Mut und Hoffnung schöpfen, was wiederum die Kraft im Umgang mit dem Krebs stärkt.“ Amerikanische Untersuchungen hätten gezeigt, dass Krebspatienten, die neue psychische Kraft tankten, ihre Selbstheilungskräfte im Körper anregten und ihre Lebenserwartung deutlich verlängern konnten.

Selbst wenn der Krebs erst in einem weit fortgeschrittenen Stadium entdeckt wurde und die medizinische Behandlung nur noch eine absehbare Zeit helfen kann, ist psycho-onkologische Beratung nicht vergeblich. Die Selbsterkenntnisse, die die Patienten aus den Beratungsgesprächen ziehen können, stützen das seelische Gleichgewicht und helfen, bewusster „im hier und jetzt“ zu leben. Dabei kann es dann durchaus die Erkenntnis des Patienten geben: „Ich habe nicht mehr lange zu leben, aber ich bin glücklich.“ Der Patient hat dann seine „persönlichen Ressourcen gegen die Todesangst“ selbst entdeckt, was vermutlich ohne die Fragen der Psycho-Onkologinnen nicht passiert wäre.

Hintergrund-Wissen

Neben der Patientenberatung bieten die beiden Psycho-Onkologinnen auch an:

Angehörigenberatung

Paar- und Familiengespräche

Wissensvermittlung über Info-Schriften an Kinder krebskranker Eltern

Vernetzung mit anderen Unterstützungsmöglichkeiten (Sozialdienst, Physiotherapie, Selbsthilfegruppen)

Infos über Unterstützungsmöglichkeiten, wenn die Behandlung im Klinikum Arnsberg abgeschlossen ist

Spirituelle und religiöse Begleitung

Begleitung in der letzten Lebensphase

Kontakt: Silvia Beckmann ist unter Telefon 02932 / 952-1722 und Manuela Vielhaber unter Telefon 02932 / 952-21724 erreichbar.

Martin Schwarz

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