IG Metall: Mindestlohn-Einführung treibt merkwürdige Blüten

Thomas Kircher , Rechtssekretär der IG Metall Arnsberg
Thomas Kircher , Rechtssekretär der IG Metall Arnsberg
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Neheim..  „Die Einführung des Mindestlohns treibt merkwürdige Blüten.“ Dies berichtet der Rechtssekretär der IG Metall Arnsberg, Thomas Kircher, und verweist auf einen Fall vor dem Arbeitsgericht Arnsberg, in dem die IG Metall die Mitarbeiterin eines Neheimer Unternehmens gegen deren Arbeitgeber vertritt.

IGM-Rechtssekretär Kircher berichtet zur Vorgeschichte des Arbeitsgerichtsprozesses folgendes: „Ein Neheimer Unternehmen wollte die Teilzeitarbeitsverträge seiner Beschäftigten auf Vollzeit umstellen. In einem speziellen Produktionsbereich dieses Betriebs waren bisher 80 Teilzeitbeschäftigte angestellt, die 6,15 Euro pro Stunde verdienten. Es sind dort vornehmlich Frauen beschäftigt, die aus familiären Gründen nur Teilzeit arbeiten wollen.“

Das Unternehmen habe nun die Strategie verfolgt, nur noch 12 Vollzeitkräfte zu beschäftigen, da diese angeblich produktiver arbeiten würden. Deshalb hätten die Teilzeitbeschäftigten eine Änderungskündigung mit dem Angebot von 40 Stunden pro Woche Arbeitszeit und 8,50 Euro Lohn pro Stunde erhalten. Eine Beschäftigte, die nun von der IG Metall Arnsberg vertreten werde, habe sich gegen die Kündigung gewehrt, weil man ja auch in Teilzeit den Mindestlohn erhalten und trotzdem produktiv arbeiten könne.

Strategie: Vollzeit statt Teilzeit

Thomas Kircher weiter: „Das Konzept des Unternehmers, Teilzeitkräfte durch Vollzeitkräfte zu ersetzen, um den Mindestlohn umzusetzen, hat auch den Richter bisher nicht ganz überzeugt.“ Der Prozess sei aber noch nicht entschieden, eine Entscheidung werde beim nächsten Termin am 23.Februar erwartet

Übrigens: „Zahlt ein Subunternehmer nicht den Mindestlohn, haftet das beauftragende Unternehmen drei Jahre lang für die Lohnforderungen. Daher kontrollieren jetzt viele Firmen ihre Subunternehmer“, stellt Kircher erfreut fest.