Heimat-Historie: Zielvisier des Bomber-Schützen nachgebaut

Das von Hans Schulte nachgebaute Visiergerät des Bomber-Schützen
Das von Hans Schulte nachgebaute Visiergerät des Bomber-Schützen
Foto: WP

Hüsten..  Der Hüstener Filmautor Hans Schulte (85) hat sich als Zeitzeuge schon länger mit der Möhnekatastrophe beschäftigt und dreht zurzeit einen Film darüber. Von den in England gestarteten 19 Lancaster-Bombern gingen acht Maschinen verloren; fünf waren für die Zerstörung der Möhnetalsperre vorgesehen.

Die erste Maschine verfehlte ihr Ziel. Fünf Minuten später setzte die zweite Maschine den Angriff fort, die von einer Flak auf der Mauer getroffen wurde. Die Bombe traf noch das Kraftwerk, das Flugzeug stürzte kurz darauf brennend bei Ostönnen ab.

Eigenbau des Bomber-Schützen

Ein Besatzungsmitglied überlebte den Absturz und wurde gefangen genommen, das bei der Vernehmung sagte, dass die Visiervorrichtung von ihm selbst hergestellt worden sei. Diese wurde aber nie gefunden. Inzwischen wurde bekannt, dass es sich um einen einfachen Sperrholzwinkel mit zwei Bolzen handelt, der dem Bombenschützen als Zielvisier diente - jetzt naturgetreu nachgebaut von Hans Schulte, der es demnächst dem Heimatverein Niederense zur Verfügung stellen will. Das Zielvisier des Bomber-Schützen war sehr wichtig, weil die Roll-Bombe in einem exakt berechnetem Abstand zur Staumauer aufs Wasser fallen musste, damit sie dann die Abfangnetze vor der Mauer überspringen konnte.

Abwurfstelle exakt berechnet

Konstrukteur Barnes Wallis hatte errechnet, dass die Crew eines Flugzeuges vom Typ Lancaster mit hoher Geschwindigkeit (380 km/h) in exakt 18 Meter Höhe über die Wasseroberfläche des Möhnesees fliegen müsse. Die Roll-Bombe müsse im Abstand von 396 bis 411 Metern vor der Mauerkrone abgeworfen werden. So würde die Bombe in drei Sätzen auf die Mauer zuspringen und kurz vor der Mauer abtauchen und den innen befindlichen Zünder auf Wasserdruck auslösen.

In der klaren Nacht vom 16. auf den 17. Mai 1943 war es dann so weit: Nach ersten Fehlabwürfen wurde am 17. Mai 1943 um 0.56 Uhr über Funk in Großbritanien gemeldet, dass eine Bombe die Mauer voll getroffen hatte. Es wurde ein 70 Meter breites und 20 Meter hohes Loch in die Mauer gerissen.

Mehr als 1300 Menschen, darunter viele Zwangsarbeiter im Möhnetal, starben damals durch die ausgelöste Flutwelle.

HINTERGRUND

Im Gedenken an die Opfer der Möhnekatastrophe läuten am kommenden Samstag, 16. Mai, um 20 Uhr die Totenglocken der Neheimer St.-Johannes- und St.-Michael-Kirche.

Mit dem Angriff auf die Möhnesee-Sperrmauer wollten die Alliierten die Rüstungsindustrie im Ruhrgebiet treffen. Die Wasserversorgung der stahlbetriebe sollte unterbrochen werden. Dieser Effekt trat aber im erwarteten Umfang nicht ein. Bereits am 3. Oktober 1943 war die Möhnemauer wiederhergestellt.