Gutachterin entlastet den Schläger

Hüsten..  Nach eigenen Angaben wollte der vor dem Amtsgericht wegen Körperverletzung angeklagte 31-jährige Mann aus Hüsten zur Tatzeit an einer Psychose gelitten haben und wisse daher nicht, was er angeblich getan haben sollte.

Grundlos ins Gesicht geschlagen

Dem Vorwurf des Staatsanwaltes zufolge hatte er unvermittelt und ohne jeglichen Grund in der Nacht zum 1. Mai einem jungen Mann am Hüstener Markt einen Faustschlag ins Gesicht versetzt, so dass dieser einen Schneidezahn verlor. Zuvor war der Angeklagte an eine junge Frau herangetreten und hatte aggressiv eine Zigarette verlangt. Als der Geschädigte sich schützend vor die Frau stellte, bekam er den harten Faustschlag.

„Der Schläger mit seinem Vollbart machte einerseits einen emotionslosen andererseits aber einen beängstigenden Eindruck“, so das Opfer als Zeuge vor Gericht. Der Angeklagte stellte den Vorwurf nicht infrage, gab aber an, sich an nichts erinnern zu können, denn er litt schon damals und auch heute an einer Psychose, will vor der Tat die verordneten Medikamente abgesetzt und Alkohol getrunken haben. „Wenn ich Wodka getrunken hatte, war ich nicht bei Sinnen“, erklärte er dem Gericht. Eine Fachärztin für Psychiatrie, die über die Schuldfähigkeit Auskunft geben sollte, bestätigte in ihrem Gutachten die Angaben des Hüsteners.

In Behandlung

Der Angeklagte sei zwei Monate zur Behandlung seiner Psychose in der Klinik in Warstein gewesen. Er trank seit seiner frühen Jugend bis vor wenigen Wochen Alkohol, und die Psychose, die Wahnvorstellungen auslösten (er will Geister um sich herum gesehen haben) sei durch den zusätzlichen Drogenkonsum aufgetreten.

Die Therapie habe er gegen den ärztlichen Rat von sich aus abgebrochen. Die Sachverständige attestierte dem Hüstener zur Tatzeit erheblich verminderte Schuldfähigkeit. Selbst die Schuldunfähigkeit könne nicht ausgeschlossen werden, denn erlitt damals unter einer tiefen Bewusstseinsstörung. Die Notwendigkeit einer Unterbringung in ein psychiatrisches Krankenhaus sah die Gutachterin jedoch nicht gegeben. „Er arbeitet und lebt bei seinen Eltern und nimmt regelmäßig seine Medikamente. Erhebliche rechtswidrige Taten sind von ihm nicht zu erwarten.“

Zweifel an Schuldfähigkeit

Da aufgrund des Gutachtens Zweifel an seiner Schuldfähigkeit gegeben waren, sprach ihn, so wie es schon der Staatsanwalt beantragt hatte, das Gericht frei. „Der achtmal vorbestrafte Angeklagte hat zweifelsfrei eine Körperverletzung begangen. Aber es bleiben Zweifel an seiner Schuldfähigkeit zur Tatzeit, weshalb er freizusprechen ist“, urteilte die Richterin.