Gericht verurteilt Mittäter aus krimineller Clique

Foto: dpa

Hüsten..  Der Verteidiger des Angeklagten vor dem Schöffengericht brachte seine vielen und schweren Akten auf einem Lastenroller in den Gerichtssaal, denn tragen konnte er sie nicht. Sein 23-jähriger Mandant gehörte zu der Clique rund um die schwere Brandstiftung des Autohauses aus Hüsten vor wenigen Jahren. Die Staatsanwaltschaft hatte jetzt einem in Arnsberg und von Hartz -IV lebenden Mann sechs Anklagepunkte vorgeworfen.

Diebstahl in sechs Fällen

Demnach sollte er sechs Mal gemeinsam mit wechselnden Mittätern und gewerbsmäßig Einbruchsdiebstähle begangen haben. Ihm wurde zu Last gelegt, Alu-Felgen von einem Toyota und einem BMW in Sundern gestohlen zu haben. Gemeinsam mit zwei anderen Dieben bockte er in Meschede einen Mercedes auf, um die vier wertvollen Reifen abzumontieren. Dabei rollte der Pkw weg, man flüchtete und musste sich mit nur einem Komplettreifen zufrieden geben. Mit von den Justizbehörden gesondert Verfolgten knackte man den Tankdeckel eines Lastwagens und zapfte aus dem Tank 50 Liter Diesel ab.

Im fünften und sechsten Fall durchschnitt man den Zaun eines Werksgeländes an der Hammerweide und zapfte auch dort von zwei Lkw 70 Liter Kraftstoff ab. Der Arnsberger legte vor Gericht ein Geständnis ab und gab an, aus Geldnot gehandelt zu haben. Er sei auf Bestellung und im Auftrag seiner Kumpel tätig geworden. Ein Kripobeamter sagte als Zeuge aus, es hätten sich in 2012/13 im hiesigen Raum ( Soest, Eslohe, Meschede, Sundern und Arnsberg ) die Fälle von Diebstählen dieser Art stark gehäuft. In Absprache mit der Staatsanwaltschaft habe man nach Erkenntnissen über verdächtige Personen aus dem Umfeld der Brandstiftung Telefongespräche abgehört.

158 Strafsachen von acht Tätern

Acht Täter, die insgesamt 158 Straftaten begangen hatten, seien damals ins Netz gegangen. Der jetzt vor Gericht stehende Arnsberger habe die Drecksarbeit gemacht. Andere blieben im Hintergrund und vergaben die „Aufträge“. In den Strudel der Kriminalität geriet der Angeklagte wohl, weil er in Schule und Beruf scheiterte und später aus gesundheitlichen Gründen nicht vermittelbar wurde. Der Staatsanwalt beantragte für die erwiesenen Diebstähle und die Diebstähle im besonders schweren Fall eine Bewährungsfreiheitsstrafe von 16 Monaten. Eine Bewährung sei möglich, weil es seine erste Freiheitsstrafe sei, zu der er trotz seiner insgesamt neun Vorstrafen verurteilt wird.

Der Verteidiger meinte, es reichen zehn Monate Haftstrafe, denn der Angeklagte habe in der kriminellen Clique eine untergeordnete Rolle gespielt. Das Urteil lag dann zwischen den beiden Anträgen: nämlich 13 Monate zur Bewährung. „Der Angeklagte hat sich vor Gericht gut verkauft. Er ist jetzt im Gegensatz zu einigen damaligen Mittätern, die oft geschwiegen hatte, ehrlich gewesen.“ Hätte auch er geschwiegen, wäre ein großer Beweisaufwand nötig geworden. Das Gericht setzte die Bewährungszeit auf drei Jahre fest und verordnete dem Angeklagten 150 Sozialstunden. Das Urteil wurde sofort rechtskräftig.