Fulminante Licht-Effekte im Neheimer Dom

„Lichträume -Raumklänge“ ist  die Performance betitelt, die die Gäste im Neheimer Dom erleben. Im Vordergrund ist Kurt Laurenz Theinert zu sehen, der am „Visual Piano“ und PC-Bildschirm die Effekte steuert.
„Lichträume -Raumklänge“ ist die Performance betitelt, die die Gäste im Neheimer Dom erleben. Im Vordergrund ist Kurt Laurenz Theinert zu sehen, der am „Visual Piano“ und PC-Bildschirm die Effekte steuert.
Foto: WP

Neheim..  Zum Auftakt der Resonanz-Konzerte 2015 im Neheimer Dom wartete Hartwig Diehl mit einer besonderen musikalisch-visuellen Aktion auf. Aus Stuttgart waren sein ehemaliger Schüler Tobias Wittmann, Regionalkantor an St. Fidelis Stuttgart, sowie Kurt Laurenz Theinert, einer der prominentesten Vertreter der Licht-Kunst-Szene mit Erfolgen in aller Welt, angereist Beide Künstler begeisterten mit einer fulminanten Performance „Lichträume –Raumklänge“ mehrere Hundert Besucher. „Einmalig“, „ganz toll“, „so haben wir die Kirche in Verbindung mit der Orgel noch nie erlebt“, lautete anschließend ein vielfaches Lob.

Die Idee, Hör- und Seherlebnis miteinander zu verbinden, ist alt. Man denke an die „Feuerwerksmusik“ von G.F. Händel oder Richard Wagners Traum vom „Gesamtkunstwerk“. Der russische Komponist A. Skrjabin schuf 1910 die wohl erste „Lightshow“ der Welt, indem er in seinem Orchesterwerk „Prometheus“ ein neu erfundenes „Farbenklavier“ einsetzte. Durch die rasante technische Entwicklung und zuletzt die Digitalisierung taten sich für die Lichtkünstler ungeahnte Möglichkeiten auf. Gleichsam in Nachfolge des alten Farbenklaviers erfand Theinert ein weltweit einmaliges Instrument, das „visual piano“, ein Lichtklavier.

Faszinierende Atmosphäre

Das Equipment bleibt reduziert,gemessen z.B. am Aufwand bei Rockkonzerten oder Lasershows: eine Tastatur von zwei Oktaven, Pedal, Laptop, Beamer. Theinert verzichtet auf vorgefertigte Clips. Live improvisierend erstellt er auf seinem Visualpiano die passenden Lichträume zur erklingenden Musik und schafft so eine einmalige, faszinierende Atmosphäre.

Tobias Wittmann, inzwischen auch mit Multimedia-Projekten erfolgreich, beginnt den Abend an der großen Sauerorgel piano mit einer Improvisation in höchsten, flirrenden Lagen. Wie auch bei den weiteren Improvisationen bleibt die stilistische Nähe zur Minimal-Art unverkennbar – häufige Wiederholungen und Variationen kleiner Melodiepartikel. Ähnlich minimalistisch zaubert der Lichtkünstler kleine weiße Quadrate an die Wände, die sich analog zu Musiksteigerungen vergrößern, mit Farbe füllen und den Kirchenraum durchfluten.

Musikalische Ankerpunkte des Abends bilden die „Sechs Studien für den Pedalflügel op. 56“ von R. Schumann, wunderschöne, teils beschwingte Miniaturen, die Wittmann mit romantischem Flair versah. Die zwischen die Schumannstücke eingefügten Improvisationen in zeitgenössischer Klangsprache bildeten reizvolle Kontraste. Andererseits wirkte das optische Geschehen auch wie eine Klammer.

Stehende Ovationen

Auf dem Visualpiano stehen Theinert eine schier unübersehbare Fülle von Formen und Farben zur Verfügung. Seine künstlerische Meisterschaft besteht darin, sich Beschränkungen aufzuerlegen und einmal vorgestellte Bildelemente wie Linien, Punkte, Kreise, Quadrate, Farben im Sinne etwa der Maler Mondrian oder Kandinsky zu abstrakten Bildkompositionen zusammenzufügen. Zum Abschluss gab es stehenden Applaus, Bravo-Rufe und als Zugabe ein weiteres, freudig stimmendes Schumannstück.

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